One day the sadness will end.

Beinah täglich erreichen mich Zuschriften, in denen Menschen mir für mein herausragendes literarisches Schaffen danken, gleichzeitig aber auch besorgt nachfragen: „Weshalb erfahren wir eigentlich so wenig Persönliches von Ihnen, lieber Herr Radikale Heiterkeit? Ihr Blog befindet sich nun bereits im dritten Jahr seines glanzvollen Daseins. Manch herrliche Minute haben Sie uns damit beschert, manch vergnüglichen Gluckser entlockt. Wo aber bleibt das Menschliche hinter diesen Zeilen, das Herz, die zarte verletzliche Seele? Ja, wo bleibt der Mensch mit all seinen Schmerzen, Sehnsüchten, Träumen, seinen Irrungen und Wirrungen? Haben Sie denn gar kein Innenleben, das Sie mit uns teilen möchten? Keine Verwandten? Keine Haustiere? Nicht mal eine Geschlechtskrankheit? Depressionen? Suizidale Gedanken? Oder mal so einen richtig tränenreichen Trauer-Porno, zu dem wir uns die Anteilnahme aus dem Leib wichsen können? IRGEND ETWAS???“ Die Antwort lautet: Nein. Stattdessen, meine lieben Leser, halte ich es wie mein großes Vorbild Katya Zamolodchikova (the sweatiest woman in show business), und tanze aufkommende Gemütswallungen zu Beginn des Frühlings regelmäßig in einer rituellen Performance hinfort. Das hilft übrigens auch bei Schreibblockaden. Gerade stecke ich nämlich in einem Text über die deutsche Integrationsdebatte fest, den ich aber heute Abend noch zu veröffentlichen gedenke (so raunen zumindest die inneren Stimmen). Bis dahin gilt: You better knock, knock, knock on wood!

TIPITIPTIPSO beim Calypso!

Der allmächtige Weltgeist hat mit seinem unvergleichlichen Sinn für Ironie dafür gesorgt, dass viele Menschen in den letzten Monaten auf Facebook zeitgleich Anti-Trump-Artikel und Anti-Freihandels-Petitionen geteilt haben. Beinah stündlich wurde ich so dazu aufgefordert, abwechselnd die transatlantische Ausbeutung oder Donald Trump zu verhindern – beides offenbar ebenbürtig finstere Bedrohungen unserer schönen Demokratie. Unbedingt unterschreiben sollte ich. Bevor es zu spät ist! Bevor es nur noch chlorgebleichten, genmanipulierten, imperialistischen Nestlé-Monsato-Nazi-Höllen-Schrott zu kaufen gibt, den uns Melania Trump, die Eva Braun der New World Order, eigenhändig auf sämtlichen Homeshopping-Kanälen anpreist, während NSA und CIA unser Gehirn auffressen! Aber „Watt nu?“ (O-Ton des chinesischen Wirtschaftsministers) … Jetzt verhindert der Trump die transatlantische Ausbeutung einfach selbst. Jetzt liegen als direkte Folge seines Wahlsieges sowohl TTIP als auch TTP auf Eis. Den Facebook-Aktivisten brummt aufgrund ihres neuen Antihelden wahrscheinlich die Rübe und ich frage mich, welche Abkürzung als nächstes dran glauben muss. Zur Entspannung empfehle ich ein Tänzchen. Das macht den Kopf frei und stärkt die Abwehrkräfte. Im allerersten Beitrag dieses Blogs hatte ich damals für solche Fälle den Fronten-Twist empfohlen. Heute packe ich noch den Weltanschauungs-Calypso oben drauf. Ay ay!

Der Blog als Brühwürfel

Aus dem Radio der Imbissbude schallt The Hustle, dieser ansteckend muntere Disco-Feger aus dem letzten Jahrhundert. Es ist eine jener Imbissbuden, von denen mir immer eine schwere Wolke ranzigen Bratöl-Aromas an den Klamotten haften bleibt, egal wie schnell ich daran vorbei laufe. Ach Gottchen, höre ich da die gelangweilte Leserschaft maulen, „eine jener Imbissbuden …“ blabla … Das ist doch bei allen Imbissbuden so … Immer diese pseudoliterarischen Versatzstücke! Geh sterben! So quakt also der imaginäre Chor in meinem Kopf. Soll er doch. Wussten Sie, dass praktisch alles im Leben an Leichtigkeit und Strahlkraft gewinnt, wenn man den Hustle darüber blendet? Steigen Sie einfach mal an einem Samstag Nachmittag am Alexanderplatz von der S-Bahn in die U-Bahn um – normalerweise eine verlässliche Methode, um in kürzester Zeit den Glauben an die Menschheit zu verlieren – und stellen Sie sich vor, wie dieser grauenhafte Moloch von einem Bahnhof kollektiv anfängt, den Hustle zu tanzen. Schon glauben Sie wieder an das Gute und Schöne in der Welt. Sie möchten den zugedröhnten MOTZ-Verkäufer umarmen, der Ihnen gerade ein Ohr ablabert, und Sie flehen Brangelina auf Knien an, es doch noch einmal miteinander zu versuchen! Do it! Do the Hustle!

hustle

Nachträgliche Triggerwarnung: bitte nicht traurig sein, wenn Ihnen der Inhalt dieses Internet-Angebotes nicht zusagt. Sollte mein Geschreibsel Ihr emotionales Gleichgewicht oder gar Ihre Verdauung durcheinander bringen, so tut es mir aufrichtig leid. Schauen Sie sich stattdessen doch einfach woanders um. Diskutieren Sie sich die Rübe heiß über die letzen Wahlergebnisse, eröffnen Sie einen tumblr oder gucken Sie gleich einen Porno. Elke Heidenreich meinte einmal über den Ulysses, James Joyce hätte damit „einen Brühwürfel geschrieben, aus dem sich alle eine Suppe kochen.“ Ähnlich verhält es sich mit meinem Blog, denke ich.

Auch das noch! Sehen Sie hier den Berliner Ortsverband der CDU bei seinem jährlichen Anti-Sexismus-Training:

Rechts hop, links hop!

Es soll ein Fenstersprung gewesen sein, der 1970 Ulrike Meinhofs endgültige Radikalisierung markierte. Sie hüpfte durch das Fenster eines Instituts-Gebäudes in die Illegalität und seit dem müssen wir uns alle Jahre wieder Sondersendungen zur RAF und dem deutschen Herbst anschauen. „Und wo ist hier der Grund zur Heiterkeit?“, fragen Sie zurecht, liebe Leser. Vielleicht ja hier: 40 Jahre später sammelt Jutta Ditfurth Geld, um in dem von ihr gegründeten Ulrike Meinhof-Archiv neue Fenster einzubauen. Ob die Renovierungsarbeiten inzwischen abgeschlossen sind, ist mir nicht bekannt. In diesem Herbst jedoch, am 7. Oktober 2014, würde Ulrike Meinhof 80 Jahre alt werden. Und es wäre doch sehr hübsch, wenn Frau Ditfurth zu eben diesem Anlass und zu Ehren der alten Heldin aus einem der neu eingebauten Fenster ihres Archives hüpfen könnte. Also spenden Sie fleißig, sofern Sie es nicht schon getan haben!

Ich möchte noch erwähnen, dass Jutta Ditfurth sich derzeit in einem unappetitlichen Scharmützel befindet (nicht dem ersten in ihrer Karriere), welches sie bereits ins deutsche Kultur-Fernsehen trug und das nun vorwiegend auf Facebook weitergeführt wird, wo es sich zu einem mittelschweren Shit-Gewitter zusammengebraut hat. Es geht dabei vorwiegend um die Frage, wer mit wem unter welcher Flagge wogegen und wofür demonstrieren darf; es geht um Fronten, Feindbilder, Aluhüte und die alles entscheidende Frage, wer denn nun rechts und wer links steht. Ein ganz großer Krampf also, der sich nur mit den Meistern krampfhafter Lockerheit erklären lässt – dem Ehepaar Fern. Bereits fünf Jahre vor Ulrike Meinhofs berühmten Fenstersprung setzten sie dem Links-Rechts-Gerangel tänzerisch ein Denkmal. Die Ferns nenen es „Halli Galli“, ich nenne es den Fronten-Twist … Rechts hop, links hop, rechts drehen, rück-rück-rück (ab Min. 0.50 wird es konkret, Genossen):