Domo Arigato, Mr. Roboto

Science Fiction des Monats: die Bundeswehr startet ihr eigenes Weltraumkommando. Hurra, endlich wird den irren Milliardären aus den USA mal gezeigt, wo der Hammer hängt! Weltraumkommandeur*in Annegret Kramp-Karrenbauer hat zu diesem Zweck auch schon ein Schild enthüllt, in spätestens 50 Jahren sind dann die ersten deutschen Space-Panzer unterwegs. Auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz geht es voran: Bereits im nächsten Jahr soll der Bundes-Android Lauterbach durch ein brandneues, störungsfreieres Update ersetzt werden. Karl 22 wird noch mehr Kompetenzen haben als sein Vorgängermodell und die Bürger schnell, unbürokratisch und ungefragt mit Expertenwissen zu den Themen Heuschnupfen, Schlammcatchen, Gender, Glutenfreie Ernährung, Klimawandel, transhumanistische Genetik und Herrenmode versorgen. Barrierefrei und in einfacher Sprache. *bleep-bleep*

Glotz-Content des Monats: Mr. Robot (auf Amazon Prime). Wieder so eine Serie, die erst mit einigen Jahren Verspätung bei mir angekommen ist. Ein zwiespältiges Erlebnis war das. Die ersten beiden Staffeln sind wirklich überragend. Großartige Atmosphäre, originelle Erzählung, toller Soundtrack (der Original Score stammt von Mac Quayle, der u. a. auch die Musik zu The Assassination of Gianni Versace beisteuerte). Dabei sind die Themen nicht wirklich neu: Das gespaltene Ich, die Suche nach der eigenen Identität in einer dystopischen Gesellschaft, Überwachung, Paranoia, Revolution, alles ist drin … aber es passt. Bis der Geschichte irgendwann die Luft ausgeht. Denn mit der dritten Staffel stürzt sie leider mächtig ab, wirkt zerfasert und nur noch planlos. Sehr schade. Mir kam es so vor, als wäre die Hacker-Serie irgendwann selbst gehackt worden – von ein paar überforderten Regie-Azubis, die mit den Figuren nichts mehr anzufangen wussten. Die Hauptfigur hat mich allerdings schon vorher genervt. Die Sache mit seiner dissoziativen Persönlichkeitsstörung, anfangs noch der Motor der ganzen Story, erschien mir irgendwann nur noch als ein überstrapazierter Running Gag. Der Knabe entwickelt sich überhaupt nicht weiter, er scheint im Gegenteil mit fortschreitender Handlung immer dümmer zu werden. Fahrig und dauernuschelnd torkelt er durch eine Welt, die er zwar nicht versteht, aber permanent zu „retten“ versucht. Wesentlich überzeugender sind hier die zahlreichen charismatischen Nebenfiguren, deren Geschichten aber entweder gar nicht oder leider nur sehr unbefriedigend zu Ende erzählt werden. Stattdessen gibt es jede Menge unsinnige Gimmicks, Seitenhiebe auf Trump und die blutig gefolterte Tochter von Meryl Streep zu bewundern. Das Finale verspricht dann ganz kurz doch noch eine clevere Auflösung, ersäuft am Ende aber in larmoyantem Kitsch. Geh ins Licht, Mr. Robot, geh ins Licht!

Schließlich sind da noch die vielen offensichtlichen Referenzen: The Matrix, Fight Club, 12 Monkeys … sowie eigentlich jeder Hackerfilm, den ich bisher gesehen habe. Und es gibt einige Szenen, die sind so eindeutig an David Lynch angelehnt, dass es fast schon eine Frechheit ist. Bei Lynch ist Surrealismus ja Programm, hier wird er dagegen wie eine alberne Garnitur dazwischen gestreut. Auf Wikipedia ist zu lesen, dass der Regisseur Sam Esmail Mr. Robot ursprünglich als Film konzipiert hatte. Wäre er mal bei diesem Konzept geblieben. Das ist Ding eindeutig zu lang und ihm am Ende offenbar über den Kopf gewachsen. Vielleicht ist das alles aber auch nur mein ganz persönliches Problem. Ich habe vermutlich einfach schon zu viel gesehen. Die allwissende bloggende Müllhalde muss ihre Festplatte wohl einfach mal wieder neu formatieren, oder am besten gleich ins Feuer werfen, so wie es die Hacker in Mr. Robot tun. Und die ganze Film- und Serienindustrie gleich hinterher. Burn, Hollywood, burn!


Abbildung: Screenshot aus dem besseren Teil von Mr. Robot

Fußnoten und Wurstsalat

Was ich bis jetzt in meiner eigenen kleinen Twitterblase schon gelernt habe: Es gibt ein unerschöpfliches Arsenal an flachen Witzchen und Wortspielen, die Herren Erdogan, Böhmermann und Kavanaugh sind nicht ganz unumstritten, Michael Avenatti schläft nie, Don Alphonso erzählt auch hier gerne dieselbe Geschichte in unendlich vielen Varianten („In Bayern ist die Welt noch in Ordnung und bitte schauen Sie sich jetzt mal dieses Foto von einem Fahrrad an!“) und Menschen, die sich über Rundfunkgebühren aufregen, twittern gleichzeitig über alles, was um 20.15 Uhr in der ARD läuft. Außerdem sah ich gerade die eindrucksvolle Nahaufnahme eines Wurstsalates. Aber auch das: drei humorvolle US-Akademiker haben – sozusagen aus Notwehr heraus – einen Haufen sozialwissenschaftlicher Nonsens-Aufsätze verfasst und diese an entsprechende Fachmagazine verschickt. Veröffentlich wurden davon unter anderem eine feministische Interpretation von Hitlers „Mein Kampf“ und etwas über Rape Culture unter Hunden beim Gassi gehen in Portland. Oder so ähnlich. Ach, lesen Sie es doch selbst! Ich denke nun darüber nach, am sozialwissenschaftlichen Institut der Humboldt-Uni ein Paper über intersektionale Pussy Positivy queerer Wurstsalatkultur einzureichen. Alternativ-Vorschläge werden gerne angenommen. When the going gets weird, the weird turn pro.

Another one bites the dust

Wussten Sie schon: Alle zwölf Minuten stirbt ein Blogger. Allein während der dreitägigen re:publica 2018 haben also rund 360 Blogger ins Gras gebissen. Langeweile, Depression, Datenstau oder einfach eine Überdosis Club-Mate – die Todesursachen sind vielfältig. Die Behörden ermitteln, die Politik ist besorgt und die Getränke sind alle. Ich selbst erfreue mich übrigens immer noch bester Gesundheit und werde wohl auch in Zukunft diesem als Konferenz getarnten Kindergeburtstag fernbleiben. Ich habe nämlich bereits vor Jahren meine sämtlichen Biodaten digitalisiert und bearbeite diesen Blog seitdem nur noch von der Datenwolke Sieben aus. Sicher ist sicher. Sollten Sie diesbezüglich Fragen, Anregungen oder Kommentare zum Thema Datenschutz haben, so wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an erzähl@mirnix.org. Nacktfotos bitte separat und nur verschlüsselt einsenden. Danke.

kingkong

 

Künstliche Intelligenz (Dauerverträge für Daueraufgaben)

„The Future. Together. Now.“ So tönte vor einigen Jahren die Versicherungsgruppe AXA. Für solche Slogans kassieren Werbeagenturen richtig üppige Honorare. In diesem Fall war es die ehrwürdige Agentur DDB. Die können so etwas wirklich gut, ihr eigener Slogan lautet „Imagine. Inspire. Influence“. Nonsens im Dreiklang, das verkauft sich immer gut. Wo war ich? Ach ja: The Future. Ich wollte eigentlich etwas über die Zukunft schreiben, genauer gesagt über die „Zukunft der Arbeit“ – ein bewährtes Saure-Gurken-Thema, zu dem ich nach der Lektüre einer alten WIRED-Ausgabe inspiriert wurde. Alle paar Monate taucht diese Frage in einem Feuilleton oder einem Wirtschaftsmagazin auf: Wie werden die Menschen in der Zukunft arbeiten? Werden sie überhaupt noch arbeiten? Die allgemein gängige Prognose lautet: eher nicht. Zumindest nicht mehr gegen Bezahlung. Wir steuern eindeutig auf die vollständige Abschaffung der Erwerbsarbeit zu. Wenn Sie nicht bereits von einem Roboter ersetzt wurden, müssen Sie wohl irgendwann einem Algorithmus oder einer Drohne weichen – egal, ob Sie derzeit noch auf Knöpfchen drücken, Excel-Tabellen anstarren oder hauptberuflich Werbeslogans verzapfen. Der Mensch ist überflüssig. Schon heute wird der Arbeitsmarkt, so behaupte ich mal ganz frech, zu einem großen Teil nur noch durch leidlich finanzierte Beschäftigungstherapien zusammengehalten. Effektiv betrachtet, liegt die Arbeitslosenquote in Deutschland wahrscheinlich längst bei 75 Prozent.

Im „Besetzungsmanifest“ des sozialwissenschaftlichen Institutes der Berliner Humboldt-Uni las ich neulich die Forderung an den Senat, „Dauerverträge für Daueraufgaben“ einzurichten. Genau so stand es da. Wie könnten solch dauerhafte Aufgaben denn aussehen? Die angehenden Sozialwissenschaftler formulieren es unter anderem so: „Hier diskutieren wir, kochen, feiern, putzen und machen Kunst. Wir vertrauen einander und unterstützen uns gegenseitig. Wir leisten Widerstand. Wir sind politisch.“ Und das Ganze bitte in Dauerschleife. So erfährt die Idee der „Künstlichen Intelligenz“ eine neue und gar schillernde Deutung. Was bitte wäre eigentlich der Unterschied zwischen einer solchen staatlichen Dauerversorgung und einem bedingungslosen Grundeinkommen? Letzteres würde ich auf jeden Fall unterstützen, gerade für die überspannten Hashtag-Revolutionäre in den öffentlichen Lehranstalten. Niemand sollte sich mehr zwanghaft für die Sinnhaftigkeit seines Tuns verantworten müssen. Was das an Papier und Nerven sparen würde! Wir diskutieren, wir kochen, feiern, putzen und machen Kunst. Bis in alle Ewigkeit. Den Rest erledigen die Algorithmen. The Future. Together. Demnächst.