Pulverdampf war ihr Parfum

Beim Wühlen durch Bücherkisten und Antiquariate kommen mir immer mal wieder drollige Titel unter. „Pulverdampf war ihr Parfum“ ist zum Beispiel ein Buch über Frauen im Wilden Westen und heißt im Original „The Gentle Tamers“. Der deutsche Titel stammt wahrscheinlich aus der selben Ära, in der Doris Day hierzulande noch als „Spion in Spitzenhöschen“ vermarktet wurde (ein Film, der im Original „The Glass Bottom Boat“ hieß). Passend dazu kann ich nun auch bekanntgeben, dass meine bisher noch unautorisierte Angela-Merkel-Biographie mit dem Arbeitstitel „Kartoffelsuppe war ihr Koks“ kurz vor der Fertigstellung steht. Apropos Drogen: Ebenfalls in einer alten Bücherkiste entdeckte ich einen Krimi von P. D. James, in dem ich unter anderem erfuhr, dass Psychiatrie-Patienten in den 60er Jahren noch mit Elektroschocks und LSD behandelt wurden – eine Methode, die ich zum besseren Verständnis dieses Blogs auch empfehlen möchte. Bleiben Sie ungesund!

Wo darf ich unterschreiben?

Petitionen sind wie Heroin. Beim ersten Mal verspüren Sie noch den vollen Kick, ein überwältigendes Gefühl von Glückseligkeit und Basisdemokratie macht sich in Ihnen breit. Sie erhalten Ihre erste Dankes-Email und Sie spüren: denen habe ich’s gezeigt, jetzt wird nichts mehr so sein wie es war! Schluss mit Ungerechtigkeit, Bienensterben, krebserzeugenden Gummibärchen und überhaupt mit der ganzen Schweinerei! Jetzt sind Sie drauf. Aber ab jetzt brauchen Sie graduell auch immer härteren Stoff. Sie werden nervöser, Ihre Augenlider fangen an zu zucken. Bald klicken Sie nur noch auf Petitionsaufrufe mit Überschriften wie „Die Zeit läuft ab!“ oder „Die Schlinge wird enger!“, illustriert mit Totenköpfen oder Kleinkindern mit Gasmaske. Unterschreiben Sie nicht mindestens ein Dutzend solcher Aufrufe am Tag, gehen Sie sofort auf Cold Turkey – und nein, damit ist nicht der Winter in der Türkei gemeint. Schweißgebadet und bis auf die Knochen abgemagert, starten Sie schließlich Ihre erste eigene Petition. „Das ist es“, denken Sie, „damit entkomme ich dem Teufelskreis!“ Doch es ist bereits zu spät. Sie sind ein Wrack. Ihre Eltern geben auf STERN TV tränenreiche Exklusiv-Interviews mit schwarzen Balken vor den Gesichtern und Ihre Freunde haben sich längst von Ihnen abgewandt. Dabei hatten Sie es doch nur gut gemeint.