Tausend Jahre Coronny

Die vierte Welle hat mich mit voller Wucht erfasst, ihr Name ist Faulheit und mit der ist nun wirklich nicht zu spaßen. Daher gibt es hier und heute nur ein paar hastig herbeizitierte Schnipsel. Neuer hotter Superspreader-Content folgt dann wieder im Dezember, versprochen. Bleiben Sie geschlumpft!


Eine Impfung, umständehalber überstürzt entwickelt und nie adäquat erprobt, die weder die theoretisch längst erreichte Herdenimmunität noch auch nur annähernd den versprochenen Grad individuellen Schutzes bietet. Eine Impfung, die häufige und nach zahlreichen Berichten bisweilen lebensbedrohliche bis tödliche Nebenwirkungen zeitigt. Eine Impfung, für deren gesundheitsgefährdende Folgen die produzierenden Pharmakonzerne wohlweißlich jede Haftung in den Verträgen ausgeschlossen haben. Eine Impfung, der Geimpfte trotzdem religiös vertrauen und die sie als persönlichen Rechtschaffenheits-Ausweis ansehen, sich trotz Doppelimpfung anschließend zu Tausenden infizieren, obwohl sie in ihren Clubs und Stadien und Kneipen und demnächst Büros ganz unter sich bleiben, um dann andere Durchgeimpfte nicht selten trotzdem schwerkrank werden zu sehen und sich zur Vorsorge gegen dieses Risiko als nächstes „boostern“ zu lassen und trotz alledem zu sagen: Die Ungeimpften sind die Irren. Es ist ein hochneurotisches Kollektivverhalten, manifestiert als Projektion. Dieses Land ist ernsthaft krank. Seriously unwell. Bloß anders, als es denkt.

Zitat: Schon wieder der Driesen (guter Mann)

Aktuelle Bestandsaufnahme im Deutschen Spritzenmassaker: Nach Bratwürsten, Gratis-Puff-Besuchen sowie der Androhung von Freiheitsentzug wurde nun die finale Stimulations-Rakete gezündet: Hazel Brugger und Natalia Wörner wollen nicht mehr mit Ungeimpften Kaffee trinken. Der Endsieg ist nah! Auch wichtig: Impfverweigerer wählen mehrheitlich die AfD. Eine Studie der sozialwissenschaftlichen Fakultät an der Uni Sindelfingen hat das einwandfrei erwiesen. Auf diesem Niveau sind wir also angekommen. Im Umkehrschluss braucht die AfD nächste Woche eigentlich nur noch öffentlich verkünden, dass die Erde eine Kugel sei, um alle aufrecht durchgeboosterten Demokraten ausrufen zu lassen: Nein, die Erde ist eine Scheibe! Kein Fußbreit den Faschisten! Deutschland als Monty-Python-Sketch, Mission accomplished.

Achtung: Diesen QR-Code bitte immer mitführen und nach Aufforderung vorzeigen:

Eigenlob ist aktive Care-Arbeit in Zeiten der Seuche. In diesem Sinne: Die Highlights aus tausend Jahren Frontberichterstattung:

Schwere Zeiten (auf Wiedervorlage)

Liebe Lesende, werte Darbende, folgendes Geständnis wird Sie vielleicht nicht besonders überraschen: Ich habe noch nie eine Folge von Game Of Thrones gesehen. Ein Zitat daraus ist mir trotzdem geläufig: „Winter is coming!“ Traditionell gilt ja der November als die härteste Nuss im Kalender (trübes Wetter, hustende Menschen, erhöhte Selbstmordraten), aber auch der Dezember hat neben all dem Advents- und Weihnachtskitsch reichlich düstere Gedanken zu bieten. Die Populärkultur liefert dazu einige Beispiele. Was will ich Ihnen damit sagen? Stellen Sie sich bitte auf schwere, ja möglicherweise sehr schwere Zeiten ein. Auf einen schweren November, einen harten Dezember und auf bleierne Ostern! Von dem darauffolgenden mörderischen Sommer ganz zu schweigen. Natürlich nur, sofern Sie von den zuständigen öffentlichen Orakeln nicht längst auf Dauerschwere eingeschworen worden sind. Und sofern Sie nicht Michelle Hunziker heißen, denn dann haben Sie das Schwerste ja schon hinter sich. Inspiriert wurde ich zu dieser eindrücklichen Warnung durch Schwester Spahn, Mutti Merkel und den Kollegen Driesen. Ehre, wem Ehre gebührt.

Three big fat bowls of Bullshit

Wie die Marketingabteilung von Pfizer und Biontech (a.k.a. Leitmedien) und deren glückliche Kunden für mich mittlerweile klingen:

Impfi, impfi, impfi! Du auch impfi? Warum du nix impfi? Impfi gut. Alle impfi machen. Du auch impfi machen! Ohne impfi nix Arbeit. Warum du nix impfi machen? Impfi auch gut für Happa-Happa machen. Alle machen impfi. Du jetzt impfi machen! Mache alle impfi-impfi! Wenn du nix impfi machen, mein impfi nix gut! Nur gut wenn du impfi machen. Gucke tote Oma! Tote Oma mit Doppel impfi, aber nix gut, weil du nix impfi! Du töten Oma. Mache impfi impfi impfi jetzt!

Wie ich für die klinge:


In other News: Der fette Youtube-Drachenlord Rainer Winkler ist doch tatsächlich zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Weil sie ihn so lange genervt haben, bis er sich mal gewehrt hat. Tja.

Ens Käufens und ens Einkaufspritz (Freiheit, Bratwurst, Orgasmus!)

In meinem Traum jagt mich der Chefredakteur des Tagesspiegel mit einer riesigen Injektionsnadel durch das IKEA-Bällebad. „Ich schieß dir den Booster in deine Kniescheiben, du Sau!“ schreit er mit der Stimme von Sophie Rois (ich hatte mir vorm Einschlafen noch dieses alte Schlingensief-Hörspiel reingezogen), während die Antifa-Jugend Lichtenberg ihn mit lauten „Spritze rein! Spritze rein!“-Sprechchören anfeuert. „Jedens Käufens muss ens Einkaufskorbsens!“ ruft mir der Filialleiter hinterher, der aussieht wie Lann Hornscheidt. Ich flüchte über die Küchenabteilung auf den Parkplatz. Dort wird gerade der Millionste Impfling im Drive-In gefeiert, er erhält ein goldene Bratwurst – Jubel und donnernder Applaus, die Nationalhymne erklingt. Alle sind vor Ort: ARD, ZDF, RBB, RTL, CNN, Al Jazeera, Rezo, Merkel, Böhmermann, Barbara Schöneberger und der Kinderchor der deutschen Bischofskonferenz. „Jesus hätt‘ sich impfen lassen“ stimmen sie ihr fröhliches Lied an, bald rufen alle nur noch „Jesus! Jesus! Jesus!“ David Hasselhoff befragt die Leute in der Autoschlange. „Es ist wie damals nach der Maueröffnung“, erzählt Yvonne (54) mit zitternder Stimme, „Wir sind extra aus Strausberg angereist, mein Mann, die Kinder und ich, seit heute morgen um sechs sind wir unterwegs!“ Hasselhoff dreht sich zur Kamera: „Da hören Sie es: Eine Schlange in die Freiheit! Und am Ende wartet die Bratwurst als Belohnung, so wie damals die Banane! Are you looking for Freedom? Was für ein historischer Moment! Das ist der Wahnsinn! Die Menschen hier sind überglücklich und dankbar, Emotionen pur, das müssen Sie gesehen haben! Wir schalten jetzt zu meiner Kollegin Dunja Hayali, die gerade live auf TikTok ihre Blutgefäße streamt. Dunja, can you here me? Dunja?! Dunjaaa!!!“ „Jaaa, Danke, David! Es ist ein so überwältigendes Gefühl, den Impfstoff zu spüren! Mit Worten kaum zu beschreiben … Happy! Relieved! Released! So lange mussten wir warten, jetzt endlich ist es soweit! Und ich glaube, ich kann wohl für alle hier sprechen, wenn ich sage: Ich freu mich auf den nächsten Schuss!“ Die Menge ist nun vollkommen außer Rand und Band, Menschen verlassen spontan ihre Autos, fallen sich solidarisch in die Arme, überall Tränen der Freude, fliegende Bratwürste, spontane Orgasmen. „Wie damals!“, ruft Yvonne, „wie damals!“ Dann sind plötzlich die Würste alle, IKEA geht in Flammen auf und ich wache auf.

Deutschland im August 2021. Tugässa ägäinst Korrona. Alpha, Beta, Gamma, Delta, Epsilon, Zeta, Eta, Theta, Greta, Jota, Kappa, Lambda, Lorem-ipsum, Gummizelle … Fortsetzung folgt. Ich tauche erst einmal wieder ab. Macht’s gut, ihr alten Cracknutten! Bis zum Herbst.

Gebt endlich auf, es ist vorbei.

Vor zwanzig Jahren erschien Blumfelds Album „Testament der Angst“. Ich gehe jetzt mal forsch davon aus, dass Jochen Distelmeyer damals nicht wissen konnte, dass er damit den Soundtrack für eine Saison schreiben würde, die erst zwei Jahrzehnte in der Zukunft zur vollen Blüte kommen würde. Wir sehen hier also entweder den Beweis für dessen visionäres Genie oder einfach nur dafür, dass sich im Grunde genommen nichts geändert hat. Nicht in den Hirnen der großen Verfügungsmasse „Volk“. Die Medien helfen ihnen beim dumm sein, ein starker Staat hilft ihnen beim stumm sein. Weshalb dieses Lied in den letzten Monaten nicht längst das ihm angemessene Revival erlebt hat, ist mir ein Rätsel. Muss ich also wieder ran, der Musikredakteur von der dunklen Seite des Mondes. Bitte sehr. Habe die Ehre.

Impf-Uschi 3000: Das letzte Gefecht

Als Gesellschaftsreporter der Herzen komme ich derzeit kaum zur Ruhe. Während der wiehernde Joko noch Schokoladentafeln für Afrika verhökert (siehe letzten Beitrag), werden gestandenere Promis jetzt im Namen der Volksgesundheit an die finale Front bestellt. Seit Tagen rumort es bereits im Netz: Die #Impfluencer kommen! Denn jetzt geht es um alles: Durchimpfen, Wegimpfen, Abspritzen – wer hat noch nicht, wer will noch mal? Was viele, vor allem jüngere Vakzinierungs-Enthusiasten wahrscheinlich nicht wissen: Uschi Glas krempelt bereits seit 1968 die Ärmel hoch. Auf dem unten abgebildeten Archivfoto sehen wir sie, vorbildlich armfrei, wie sie einen jungen Querdenker im einfühlsamen Gespräch zur Vernunft bringt. Überzeugungsarbeit fängt immer an der Basis an, Genossinnen und Genossen!

P.S: Sollte es Ihnen in der Warteschlange Ihrer lokalen Spritzen-Station zu langweilig werden, so greifen Sie bitte zum neuesten Bestseller aus dem Giftregal!

Wahrscheinlichkeiten – The Sequel

Seasons don’t fear the reaper,
nor do the wind, the sun or the rain,
we can be like they are …

(Blue Oyster Cult, Don’t Fear The Reaper)

Zehn Monate sind vergangen und noch immer ist es wahrscheinlicher, an den herkömmlichen Todesursachen einzugehen als an … Na, Sie wissen schon, dem C-Wort. Alles andere ist Public Relations – Storytelling für unterschiedliche Zielgruppen: verunsicherte Hausfrauen, aufgekratzte Blogger, autoritätsbesoffene Oberlehrer, Politfunktionäre, Paranoiker oder Wutbürger. Irgendwo dazwischen dürfen Sie sich einordnen, ansonsten bleiben Sie draußen. Eines habe ich in diesem Jahr mal wieder gelernt: Angst ist oberste Bürgerpflicht. Oder soll ich statt Angst besser Vorsicht sagen? Nein, ich sage Angst. Sie dürfen Angst um Ihre Gesundheit haben, Angst vor Ihren Mitmenschen, Angst vor den Russen, vor den Amerikanern, vor Bill Gates und der eigenen Regierung, oder einfach Angst vor dem Tod. Aber einfach so angstfrei vor sich hin leben? Das ist unverantwortlich, anarchistisch, geisteskrank. Denken Sie doch an die Zukunft, an die Sicherheit, an die Kinder! Angst ist der Motor der Gesellschaft. Dazu passend habe ich in diesem Jahr noch etwas gelernt: Das Leben der meisten Menschen ist in einem monströsen Maße fremdbestimmt. Diese Erkenntnis allein ist natürlich nicht neu, aber 2020 war quasi der Lackmustest dafür. 

Das Experiment: Nimm den Menschen die tägliche Fuchtel ihres Angestellten-Daseins, verfrachte sie in ihre Behausungen und schau ihnen beim Durchdrehen zu. Wenn denen niemand mehr vorschreibt, wo sie zu einer bestimmten Uhrzeit antreten müssen und was sie dort zu erledigen haben, bleibt nicht mehr viel übrig. Kein Plan, kein Sinn, keine Ahnung von der eigenen Existenz. Um ihr Überleben müssen die meisten von ihnen nicht mehr kämpfen, dazu sind sie bereits zu gut versorgt, vom Arbeitgeber oder vom Staat. Also walzen sie ihre Freizeitaktivitäten aus, all die kleinen Flucht- und Ablenkungs-Übungen, die sie sonst zum Zweck der Energie-Aufladung sorgsam auf die Abendstunden und auf’s Wochenende verlegt haben. Sie joggen mehr, sie backen mehr, sie saufen mehr, sie ficken mehr und sie glotzen mehr auf Bildschirme als sonst. Vielleicht lernen sie auch stricken oder lassen sich online zum Youtuber ausbilden. Reisen fällt ja leider aus. Irgendwann funktioniert das alles aber nicht mehr, dann drehen die ersten durch, hören Stimmen, verwahrlosen oder verprügeln ihre Familien. Wie zu hören war, ist die häusliche Gewalt während der letzten Monate sprunghaft angestiegen. Fun Fact: wenn Ihr Partner Sie während eines Lockdowns verprügelt, liegt das nicht am Lockdown, sondern daran, dass Sie sich mit einem gewalttätigen Menschen eingelassen haben, der bisher nur nicht ausreichend Tagesfreizeit zur Ausübung der Gewalt hatte. Ein Tag hat nun mal nicht mehr als 24 Stunden. 

Ab morgen werde ich dieses Thema hier abgehakt haben. Gerne dürfen die an verantwortlicher Stelle auch noch eine dritte, vierte oder fünfhundertste Virus-Welle ausrufen, nach noch mehr Einschränkungen, Bevormundungen und Gängelungen rufen, alternativ auch nach dem Sturz von Merkel, Spahn und Biden, und natürlich nach der Weltrevolution. Bei mir ist die Sache durch, sowohl medial als auch mental. Denn ich habe ganz sicher nicht vor, an Langeweile zu sterben. 

Ein Stern in dunkler Nacht

Nach „Trump ist Hitler“, „Greta ist Gott“, „Warum das Internet uns alle anlügt“ und den „zehn wichtigsten Yoga-Übungen gegen Analkrebs“ läuft die STERN-Redaktion zum Jahresende noch einmal zur Höchstform auf und beweist mit ihrem aktuellen Titel, dass sie in Sachen Gesinnungskitsch in Deutschland auch weiterhin die Nase vorn hat. Lesen Sie in der neuen Ausgabe also, wie das Christkind die Firma Pfizer segnete, mit welcher antibakteriellen Seife Maria Magdalena die Füße von Dr. Drosten wäscht und warum Moses sich das Kanzleramt zutraut.

Liebe Leser, liebe Gemeinde, sehr verehrte Schafe und Nächstenliebende, ich möchte an dieser Stelle meine Musik-Tipps vom letzten Dezember wiederholen und noch um diese eine Perle ergänzen. Gesegnete Dröhnung!

Letzten Donnerstag

„Tückische Mikroorganismen wären mein Wunschszenario für den Untergang der Welt. Sinngemäß in Form eines Flugreisenden, der sich im Urwald an einer winzigen Rasurnarbe mit einer seltenen Makakenkrankheit infiziert und sodann in einem Dutyfreeshop in Kuala Lumpur mit einer von Schmierkeimen kontaminierten Mastercard zahlt, die über die ungewaschenen Hände der dort prekär beschäftigten Kassenkraft auf eine Stange Dunhill-Zigaretten übertragen werden und sich schließlich im Hirn eines in Reykjavík lebenden Dalmatiners zu einer hochinfektiösen Hühnergrippe rekombiniert, die mittels einer einzigen Charge Chicken McNuggets, die einer McDonalds-Filiale in Dinslaken mangelhaft erhitzt wurde, schließlich die Menschheit ausradiert. Eine zeitgemäße Landplage, die der Menschheit im pandemischen Todeskampf ihre moralischen Verfehlungen aufzeigt – recht biblisch also.“

So prophetisch äußerte sich der ehrenwerte Blogger Her NO in einem Interview, das ich mit ihm anlässlich eines möglichen Weltuntergangs 2012 führte. Es stammt aus einem kleinen publizistischen Projekt, dass ich damals verfolgte. Leider hat Herr NO (dessen bürgerliche Identität mir bekannt ist, die hier aber niemanden etwas angeht, Sie mögen verzeihen) auf hightatras.org seit nunmehr drei Jahren keine Texte mehr veröffentlich. Aber auch davon geht die Welt nicht unter, ebenso wenig wie durch’s Wetter, durch Donald Trump oder durch Lisa Eckhart. Unverwüstlich ist er, dieser sture kleine Planet. Trotzdem haben die Apokalyptiker natürlich weiterhin Konjunktur. Tatsächlich ist der Weltuntergang eine krisensichere Branche, dort herrscht immer Ausnahmezustand, Endkampf und Schlussverkauf. Was sowohl das Ende als auch den Ursprung unserer Welt angeht, habe ich mich inzwischen dem Last-Thursdayism angeschlossen. Das Universum wurde am letzten Donnerstag erschaffen und wird pünktlich am nächsten Donnerstag wieder implodieren. Alle Anzeichen für eine längere Historie sind nichts weiter als Täuschungen. Das scheint mir die vernünftigste Antwort auf die Fragen und Nöte der Menschheit zu sein. Spalter und Abweichler wie die Last-Tuesday- und Wednesdayisten werden von unserer Bewegung auf’s energischste bekämpft, die Kirche der Last-Saturdaynight-Feveristen wird dagegen nicht ernst genommen, diese Leute sind uns wirklich zu albern.

Es folgen einige nachträgliche Kulturtipps, von mir für Sie exklusiv und gebührenfrei in Ihre vollgefurzten kleinen Quarantäne-Höhlen gefunkt.

Das deutsche Kultur-Highlight des Jahres – Desiree Nick beleidigt Sido für 99 Euro: „Danke, das du mit deinen Gossen-Songs eine ganze Generation deutscher Jungs in asoziale Penner verwandelt hast! Dann kam Fridays For Future, dann kam Corona, jetzt geht keiner mehr zur Schule!“ 

Meinen Jahresrückblick hatte ich ja bereits im August abgeliefert. Beim Pestarzt las ich nun noch das Best of Shitstorms 2020: „Da oben stehen sie und predigen. Gift und Galle. Tod und Teufel. Pest und Nazis. Von ihrer Kanzel. Aufgebracht. Entrüstet. Todernst. Woke bis in die Haarspitzen.“

Ja, sie stürmen immer noch, rufen zum Boykott und errichten Online-Pranger – nichts Neues also. Seit Jahren halten ein paar selbstgerechte Dauertwitterer und mediale Krawallschachteln (Apokalyptiker*innen inklusive) die Erregungsmaschine Internet mit ihrem hochgejazzten Murks in Schach, und alle spielen mit, springen über’s Stöckchen, immer wieder. Weil sie sich angesprochen fühlen, herausgefordert, getriggert, getreten und zugetrötet. Dabei wäre es so leicht, das Ganze zu ignorieren. Die einfachste Sache der Welt. Wer sind diese Leute? Warum sind die wichtig? Wer will das hören? Lassen wir sie krakeelen in ihren schalldichten Förderblasen. Irgendwann schreien die sich nur noch gegenseitig an. Weisses Rauschen.

Ich habe Tschick von Wolfgang Herrndorf gelesen, mit zehnjähriger Verspätung. Es lag gerade irgendwo rum. Ein sehr gutes Buch. Ich musste an den Fänger im Roggen denken. Sehr schade, dass Herrndorf nicht so lange durchgehalten hat wie J.D. Salinger. Und ich habe Mindhunter auf Netflix geglotzt. Mein Interesse an Serienkillern hatte ich hier schon angedeutet, Mindhunter ist gewissermaßen die Jahreshauptversammlung legendärer Serienkiller – ein ästhetisches und psychologisches Meisterwerk aus dem Hause David Fincher. Ich werde an dieser Stelle aber keine Trailer verlinken, da die der Serie in keiner Weise gerecht werden. Das Ding ist außerdem auch schon wieder zwei oder drei Jahre alt. Ich weiß nicht, warum ich mir so viele Sachen erst mit derart epischer Verspätung zu Gemüte führe. Ich habe eben meinen sehr eigenen Rhythmus. 

In spätestens zehn Jahren werde ich vielleicht auch den großen Quotenhit 2020 nachholen, Corona: Judgement Day. Dann werde ich mir 24 Stunden am Tag bunte Diagramme anschauen und pflichtbewusst so tun als sei die Pest ausgebrochen, versprochen. Ich werde mich zuhause einschließen und panisch in die Teppichkante beißen. Prekäre Lieferboten werden mich regelmäßig mit frischen Hashtags und Impfspritzen versorgen. Ich werde Listen anlegen, Listen über meine Kontakte und über mein Fehlverhalten („Einen Spiegel! Dass ich mir in die Fresse speien kann!“), vor allem aber über das Fehlverhalten meiner Nachbarn, über all die Ketzer und Zweifler und Oma-Mörder (Nieder mit den Last-Tuesday- und Wednesdayisten!). Schließlich werde ich mich selbst mumifizieren und in ein tiefes Erdloch eingraben, sicher ist sicher. Solidarische Grüße aus der Gruft! #stayhome … In der zweiten Staffel (Corona: Die Auferstehung) werde ich dann wieder ausgebuddelt, wahrscheinlich an einem Donnerstag. Auf der Erdoberfläche haben Luisa, Carola und Simon-Sören-Zacharias währenddessen ihren glutenfreien Windmühlen-Sozialismus errichtet – sauber, fair und virenfrei, ein Paradies auf Erden. Recht biblisch also. 


Der Weltuntergang als Running Gag in der Radikalen Heiterkeit:

Wer nicht hüpft, der ist für Kohle! (März 2019)
… umso mehr sind wir des Beifalls sicher (April 2017)


Zum Feste nur das Beste – famose Texte aus dem Archiv des Herrn NO (2008-2011):

Herr No übt Medienkritik und befleißigt sich dabei des Stilmittels der sogenannten spitzen Feder

Die Sintflut ist der Hochdruckreiniger des Herrn

Herr No entlarvt den Begriff der Schönheit erneut als sinnlos

Sie erhalten Anschluss an den ICE Friedrich Nietzsche aus Gleis 7


Abbildung oben: Screenshot aus Mindhunter

2020: Kafka on Speed

War was? Ist was? Kommt noch was? Atmen Sie noch? Können Sie noch lesen? Sehr schön, dann bekommen Sie an dieser Stelle schon mal einen vorgezogenen Jahresrückblick, bzw. eine Zwischenbilanz, wie auch immer. Wer hat denn noch Zeit, bis zum Dezember zu warten? Bis dahin hat die zweite Welle des Killer-Virus uns vielleicht längst den Garaus gemacht! Ich fasse also so flott wie möglich zusammen: Grundsätzlich ging und geht es in diesem Jahr darum, Menschen davon abzuhalten, sich gegenseitig ins Gesicht zu rotzen. Ein wichtiges Anliegen. Stellen Sie sich vor: ich wurde in meiner Kindheit noch dazu erzogen, selbst daran zu denken, mir regelmäßig die Hände zu waschen und im Falle einer Nies-Attacke einfach ein Taschentuch zu benutzen. Ohne öffentliche Anleitung und Piktogramme. Unglaublich. Derlei anarchisch neoliberaler Terror ist für die Bevölkerung heute natürlich nicht mehr zumutbar, weshalb es staatlicher Vorschriften sowie einer umfangreichen Vermummungs-Bürokratie bedarf, um den drohenden Volkstod abzuwenden. Bis jetzt scheint dies auch gelungen. Aber nur, weil Sie alle so brav mitgemacht haben, nicht wahr?

Lassen Sie jetzt also nur nicht locker, halten Sie durch und bleiben Sie am Ball! Haben Sie schon die App installiert? Kennen Sie die neuen Regeln? Die neuen Zahlen? Sie wollen doch nicht enden wie der irre Attila?! Wollen Sie etwa alte lungenkranke Menschen auf dem Gewissen haben? Kleine unschuldige Kinder? Hundebabies? Kleine unschuldige lungenkranke Hundebabies?! Wirklich? Leugnen Sie Corona? Das Klima? Den Holocaust? So einer sind Sie also! Mörder! Spalter! Schädling! Bitte bessern Sie sich, besinnen Sie sich und denken Sie bitte immer daran: Staatlicher Rundfunk ist Liebe, Widerspruch ist Hass, Freiheit ist Faschismus und Ihre Gesundheit geht uns alle an! Mutti lässt Sie nicht im Stich, Mutti lässt Sie nie allein, auch wenn Sie das vielleicht ab und zu wollen. Was wissen Sie denn schon, was Sie wollen? Kommen Sie also zurück auf den rechten Pfad und lassen Sie sich nicht beirren, egal wie widersprüchlich Ihnen die Anweisungen und Regelungen der letzten Monate auch erscheinen mögen: Maske auf, Maske ab, Schließen, Öffnen, Verbieten, Zulassen, Teilverbieten, Teilzulassen, Abstandhalten, Zusammenhalten – das hat schon alles seine Richtigkeit. Bitte verzweifeln Sie nicht an den Zuständen. Das Geschwitze und Gestöhne, das Gezeter und Gemecker, das Anscheißen und Denunzieren, der ganze kafkaeske Irrsinn, er war nicht umsonst. Ihr Einsatz und Ihre Treue werden belohnt werden, ganz sicher!

Das wird die perfekte Welle, das ist der perfekte Staat.

T-Shirt: Snicklink