Das 20. Jahrhundert / Kalter Rauch im strömenden Regen

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, öffentlich zu stinken. Weit verbreitet ist das Verspeisen streng riechenden Fast Foods, Döner mit reichlich Zwiebeln zum Beispiel oder Asianudeln aus dem Pappbecher. Einige Mitmenschen versuchen es auch mit einer umfangreichen Vernachlässigung ihrer Körperhygiene. Erfahrene Hardcore-Stinker können sogar beides gleichzeitig, dann gibt es Achselschweiß mit Knoblauchsoße. Unseren Nasen wird wahrlich einiges abverlangt. Am schlimmsten aber, und das kann ich an dieser Stelle gar nicht laut genug hinausrufen, ist das öffentliche Zigarettenrauchen! Ich befürworte ausdrücklich den Konsum von Cannabis und anderen aromatischen Kräutern. Die gemeine Nikotin-Zigarette aber ist mit konsequenter Verachtung zu strafen. Und mit ihr alle, die sie rauchen. Scheintote, dauerröchelnde Aschenbecher sind das! Das Regenwetter verstärkt ihren Gestank nur noch. Kalter Nikotinrauch im strömenden Regen: das ist die olfaktorische Vorhölle der Postmoderne. Gerne dürfen Sie sich diesen Spruch einrahmen oder auf eine Tischdecke häkeln. Nur hören Sie endlich auf mit dieser asozialen Qualmerei! Wenn Sie unbedingt krepieren wollen, spritzen Sie sich meinetwegen Heroin, Badesalz oder Rattengift. Für das Zigarettenrauchen gibt es keine Entschuldigung. Es sei denn, Sie sind Helmut Schmidt oder Hannah Arendt – ein zeitreisender Promiraucher aus dem 20. Jahrhundert also. SIND Sie vielleicht Helmut Schmidt oder Hannah Arendt? Nein? Sehn’se!