I’ve seen the future, brother, it is murder

So, meine Lieben, es ist soweit: ich mache den Laden dicht. Zumindest für die nächsten zwölf Monate. In genau einem Jahr, am 7. Januar 2023, werde ich noch einmal hier vorbeischauen und dann auch entscheiden, ob ich die Radikale Heiterkeit weiterführen werde. Was wird sich bis dahin geändert haben, da draußen, in der Welt, an der „Lage“? Wird da wohlmöglich etwas implodieren – mal abgesehen von den Nervensystemen jener, die immer noch glauben, mir sinnlose Vorschriften machen zu können? Wird der fünfhundertste Coronny-Sprößling nach dem zweiundvierzigsten Booster im Hirn von Karl Lauterbach zu einem neuartigen Turbohusten mutieren und die Menschheit endgültig ausradieren? Wird das noch interessieren? Wird dann überhaupt noch jemand einen Unterschied bemerken? Meine persönliche Wahrsagerin Ludmilla Kannstemalwiedersehnowa riet mir zum Anfang des Jahres, mich warm anzuziehen. Kann aber auch am Wetter liegen.

Bussi!

Sent from my iBunker


Give me crack and anal sex
Take the only tree that’s left
And stuff it up the hole in your culture
Give me back the Berlin wall
Give me Stalin and St. Paul
I’ve seen the future, brother, it is murder

Leonard Cohen, The Future

Someone in a Tree (eine Liebeserklärung)

Another hundred people just got off of the train and came up through the ground, while another hundred people just got off of the bus and are looking around at another hundred people who got off of the plane and are looking at us who got off of the train and the plane and the bus, maybe yesterday. It’s a city of strangers …

So singt sich eine junge Frau ebenso hektisch wie beschwingt durch ihre erste große Theaterrolle in mein Ohr. Das Jahr ist 1970, das Bühnenstück heißt Company, und dieser Song, der mir gerade mehr als fünfzig Jahre später die Bahnfahrt versüßt, heißt, nun ja, Another Hundred People. Er ist Teil meiner neuen Sondheim-Playlist. Ich summe mit und schaue dem Maskenvolk zu, wie es sich in und aus den Türen drängelt. Wie aufmerksame Leser längst bemerkt haben, bin ich der glorreiche Overlord eklektischer Musiklisten, denn in den letzten zwölf Monaten ging es in diesem Blog ja öfter um Musik – öfter als in den Jahren zuvor, bilde ich mir ein. An zwei Stellen erwähnte ich dabei auch kurz den Namen Stephen Sondheim. Tatsächlich hatte ich noch im Herbst darüber nachgedacht, ihm hier auch einen eigenen, etwas ausführlicheren Text zu widmen, irgendeine Auskunft darüber, was diesen Mann und sein Werk für mich so besonders macht. Dann aber dachte ich: Ach was, Sondheim ist mittlerweile über 90, warte einfach, bis er stirbt, lange wird’s wohl nicht mehr dauern, dann hast du wenigstens einen Anlass. Am frühen Morgen des 27. November saß ich dann schlaflos an meinem Laptop, kippte mir einen viertel Liter Johnnie Walker hinter die Binde und las plötzlich die Todesnachricht. In diesem Augenblick wusste ich: Ich hatte Sondheim ermordet, für einen Blog-Beitrag. Ich bin ein Monster! Ein Monster mit einem Auftrag. Noch in der selben Nacht tippte ich erste Notizen zusammen, während ich mir zum hundertsten Mal Being Alive anhörte und bitterlich in den nächsten viertel Liter Johnnie Walker heulte. Und jetzt dürfen Sie nachlesen und gerne auch hören, was ich, genau einen Monat später und mittlerweile wieder leidlich nüchtern, über den verstorbenen Maestro zu sagen habe.

And another hundred words just got off of my brain …

Being Alive

Was ich an Stephen Sondheim vor allem schätze: Er hat für Erwachsene geschrieben. Keine Selbstverständlichkeit, erst recht nicht im kommerziellen Musiktheater, das in den letzten Jahrzehnten leider immer mehr zu einer infantilen Idioten-Bespaßung verkommen ist (siehe Starlight Express, Mamma Mia! sowie sämtliche Disney-Musicals, die Liste des Grauens ist endlos). Sondheim hat dagegen auf die Intelligenz seines Publikums vertraut, ihm auch mal abseitige Themen und komplexe Kompositionen zugemutet. In seinen besten Momenten ist ihm dabei die perfekte Balance zwischen Anspruch und Leichtigkeit gelungen. So wie in Company, einem Stück, das eigentlich keine Handlung hat. Es sind lose aneinander gereihte Skizzen über Ehen und Beziehungen in New York City – lauter kleine neurotische Perlen, albern, sarkastisch, manisch, teilweise atemlos vorgetragen. Allein das Intro ist eine Offenbarung. Der einzige dramaturgische Faden ist eine Überraschungsparty, die nicht stattfindet, weil das Geburtstagskind nie erscheint. Bobby, der letzte Single zwischen lauter Ehepaaren, wird 35, und seine Freunde sind besorgt, machen sich Gedanken, warten auf ihn, nerven … Bobby, Bobby, Bobby Darling, we’ve been trying to call you … Wer jemals in seinem Freundeskreis der Einzige ohne Partner war, kennt wahrscheinlich diese Situationen, diese ständige Besorgnis der Anderen, dass man wohlmöglich einsam und allein zugrunde geht. Schließlich singt der geplagte Bobby sich dann frei: Being Alive ist der emotionale Höhepunkt von Company und eine jener finalen Schmetter-Balladen, die die Leute vor Begeisterung auf die Sitze springen lässt. Die für mich beste, weil erschütterndste Version sang Raul Esparza in einer Wiederaufführung von 2006. Eine achtminütige Tour de force, an deren Ende man sich wieder einmal fragen wird, was denn nun besser ist im Leben: sich in Beziehungen aufzureiben, den oder die Eine zu finden, oder eben doch lieber allein zu bleiben.

Raul Esparza – Being Alive

Finishing the Hat

Die Museums-Szene in Ferris Bueller’s Day Off, kennen Sie die? Sollten Sie eigentlich. Jeder sollte die kennen. Am Ende der Szene steht Ferris‘ Freund Cameron alleine und wie hypnotisiert vor einem Gemälde. Er sieht in das Gesicht eines kleinen Mädchens, versinkt tiefer und tiefer darin, bis er nur noch Punkte wahrnimmt, Farbe, die Struktur der Leinwand, schließlich nichts. Der Regisseur John Hughes erklärte das in einem Kommentar sinngemäß so: Je mehr er hinschaut, desto weniger sieht er. Gleichzeitig hat er Angst, dass je mehr man ihn selbst (Cameron) anschaut, auch immer weniger sieht. Da ist nichts. Er ist niemand. Bitte sehr, zwanzig Sekunden Existenzialismus, mitten in einer 80er-Jahre-Teenie-Komödie. Allein deshalb sollte man diese Szene kennen. Und was hat das jetzt mit Stephen Sondheim zu tun? Der hat über das selbe Gemälde ein ganzes Musical geschrieben, und zwar schon zwei Jahre vor Ferris Bueller. Ein Zufall? Oder hat sich John Hughes wohlmöglich davon inspirieren lassen? Welcher Künstler kommt schon ohne Inspiration aus? Danach folgt dann die eigentliche Arbeit, die Technik, die das Chaos in Ordnung verwandelt, Punkte zu Bildern, Bilder zu Szenen und Töne zu Harmonien. Sunday in the Park with George ist nicht nur eine fiktive Geschichte über die Entstehung eines berühmten Gemäldes, sondern eine Studie über Kreativität sowie über die Isolation und Besessenheit eines Künstlers. Die Parallelen zu Sondheims eigener Arbeitsweise sind dabei offensichtlich. Es ist die gleiche Akribie, mit der Georges Seurat einst aus einzelnen Farbtupfern ein impressionistische Bild komponierte, die gleiche Konzentration, mit der er sich jedem einzelnen Detail widmete, und sei es nur ein einfacher Hut. Nicht umsonst nannte Sondheim seine später veröffentlichten Textsammlungen „Finishing the Hat“ und „Look, I made a Hat“. Er hätte sie auch „Look, I made a Song“ nennen können. Aber er hat eben auf die Intelligenz seines Publikums vertraut, immer schon, das erwähnte ich ja bereits.

Im Finale von Sunday in the Park with George fasst der Maler noch einmal das Prinzip zusammen, das wohl auch den Komponisten beschäftigt: Order, Design, Tension, Composition, Balance, Light and Harmony. Um am Ende wieder von vorn anzufangen: White: a blank page or Canvas. His favorite. So many possibilities. Aber zurück zum Hut: auch in diesem Fall möchte ich nicht die Originalaufnahme empfehlen, sondern eine recht aktuelle Version von 2017. Was auch hier natürlich wieder am Interpreten liegt. Wer nicht auch gerne Jake Gyllenhaal beim singen, erst recht bei den Proben zu einem Sondheim-Stück zuschaut, der werfe den ersten Stein!

Jake Gyllenhaal – Finishing the Hat

Someone in a Tree

Weshalb diese Überschrift? Es ist der Name jenes Songs, der Sondheim nach eigenen Aussagen von all seinen Kompositionen am meisten am Herzen lag. Ein Song, so seltsam und abstrakt wie das Bühnenstück, aus dem er stammt. Wie um Himmelswillen kam der Mann nur auf die Idee, ein Musical über die Wiederaufnahme der japanisch-amerikanischen Handelsbeziehungen im 19. Jahrhundert zu schreiben? Im Kabuki-Stil. Wie nur? Pacific Overtures ist unbestritten eines der obskureren und anspruchsvollsten Werke Sondheims, und eines seiner am seltensten aufgeführten. Auch ich habe etwas Zeit gebraucht, um damit warm zu werden. Aber je mehr ich mich gerade in Someone in a Tree hinein hörte, desto mehr habe ich mich darin verliebt, ja bin fast süchtig danach geworden. Sondheim spielt hier kunstvoll mit wechselnden Perspektiven, lässt vier unterschiedliche Stimmen ein historisches Ereignis rekonstruieren, von dem es eigentlich keine Aufzeichnungen gibt, nur subjektive Erinnerungsfetzen und Fragmente. Es fällt mir schwer, meine Faszination für diese merkwürdige kleine Stück Musik in Worte zu fassen, deshalb lasse ich hier stattdessen gleich vier verschiedene Interpretationen für mich sprechen.

Someone in a Tree – Original Broadway Cast Recording, 1976
Sozusagen der Goldstandard.

Someone in a Tree – Anatomy of a Song
Die selbe Besetzung bei den Proben mit Sondheim am Piano.

Someone in a Tree – Live at Lincoln Center, 2015
Dass sich hier einige erfahrene Broadway-Darsteller an mehreren Stellen verhaspeln, zeigt, was für eine Herausforderung dieses Stück auch für seine Interpreten sein kann.

Someone in a Tree – A Sondheim 90th Birthday Celebration, 2020
Die Lockdown-Version, erst letztes Jahr aufgenommen. So satt ich diese Video-Konferenz-Optik inzwischen auch habe, drollig ist es dennoch. Und es beweist, dass Sondheim sogar auf zoom funktioniert.

It’s the fragment, not the day
It’s the pebble, not the stream
It’s the ripple, not the sea
That is happening
Not the building but the beam
Not the garden but the stone
Only cups of tea
And history
And someone in a tree


Rest in Harmony, Stephen Sondheim, 1930 – 2021


Bonusmaterial für alle, die noch nicht genug haben:

„Why Sondheim’s Music is so addictive“ – eine persönliche, ebenso analytisch wie liebevoll gemachte Hommage – sehr empfehlenswert!

„A Little Priest“ (aus Sweeney Todd) – Eine famose Hymne auf den Kannibalismus und ein großartiges Beispiel für Sondheims Wortwitz. It’s man devouring man, my dear! And who are we to deny it in here?

Über die Aufnahmen des Original Cast-Albums von Company wurde 1970 ein Dokumentarfilm gedreht, der in einzelnen Teilen noch auf Youtube zu sehen ist. Hier eine kleine Zusammenfassung:

Das Finale von Sunday in the Park with George – Nichts als Schönheit:

Allesandersplatz

Ich laufe die Karl-Marx-Allee hinauf, die letzte Strecke zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz. Ich hatte es schon erwähnt: ich bin in dieser Gegend aufgewachsen, in diesem weitläufigen potemkinschen Dorf, nicht nur hier, aber auch. Mir gehört das hier also praktisch alles. Das Kino International zum Beispiel: dort habe ich als Jugendlicher zum ersten Mal Mondsüchtig gesehen, bis heute einer meiner Lieblingsfilme. Im hinteren Teil des Gebäudes, in der ehemaligen Bertolt-Brecht-Bibliothek, trug ich mich als 10-Jähriger in die Wartelisten für Der Zauberer der Smaragdenstadt ein und später als 30-Jähriger habe ich in den selben, zum Nachtclub umfunktionierten Räumen getanzt. Gefeiert habe ich auch gegenüber im Café Moskau. Retro-Gedanken vor Retro-Palästen. Dann kommen die alten Funktionshochhäuser: Haus des Lehrers, Haus des Reisens. In letzteres zog irgendwann der Weekend Club ein (noch mehr Erinnerungen an durchtanzte Nächte), gibt es den eigentlich noch? Äußerlich hat sich hier nicht viel verändert. Nur das Haus der Statistik ist komplett entkernt, auf das Dach haben sie jetzt den Namen „Allesandersplatz“ montiert. Ein spinnertes Kunstprojekt, gefördert vom Senat, es geht wohl um sozialistische Stadtplanung. Passt. Auf dem Alex selbst lauert die übliche Hölle, inzwischen wieder ergänzt um einen Weihnachtsmarkt. Vor einigen Jahren wurde damit begonnen, die Weihnachtsmärkte vor terroristischen Anschlägen zu schützen. Zuerst mit Betonpollern, die sollten gegen tunesische LKW-Fahrer helfen. In diesem Jahr kamen noch Schutzzäune hinzu. Die sollen nun gegen Menschen helfen, die nicht bereit sind, auf Zuruf einen QR-Code hochzuhalten, um die vorgeschriebene Anzahl ihrer Oberarm-Einstiche nachzuweisen. Glühweinsaufen in Käfighaltung.

Die mit Abstand beste Nachricht des ausgehenden Jahres war für mich die, dass William Shatner im stolzen Alter von 90 Jahren endlich ins Weltall fliegen durfte. Gut, es waren vielleicht nur fünf Zentimeter über der Erdatmosphäre, aber immerhin: die Richtung stimmte und ein Kreis hat sich geschlossen, nicht nur für Captain Kirk. Der Gedanke an eine private Weltraumreise scheint mir derzeit wieder recht verlockend. Viele reden gerade vom Auswandern, aber einfach nur das Land oder den Kontinent zu wechseln, wird uns auf Dauer wohl auch nicht vor der freidrehenden Endzeitpanik unserer Mitmenschen schützen. Und ein Krieg ist immer gleich so anstrengend. Nein, wenn schon Eskapismus, dann richtig: Space is the place!

Tausend Jahre Coronny

Die vierte Welle hat mich mit voller Wucht erfasst, ihr Name ist Faulheit und mit der ist nun wirklich nicht zu spaßen. Daher gibt es hier und heute nur ein paar hastig herbeizitierte Schnipsel. Neuer hotter Superspreader-Content folgt dann wieder im Dezember, versprochen. Bleiben Sie geschlumpft!


Eine Impfung, umständehalber überstürzt entwickelt und nie adäquat erprobt, die weder die theoretisch längst erreichte Herdenimmunität noch auch nur annähernd den versprochenen Grad individuellen Schutzes bietet. Eine Impfung, die häufige und nach zahlreichen Berichten bisweilen lebensbedrohliche bis tödliche Nebenwirkungen zeitigt. Eine Impfung, für deren gesundheitsgefährdende Folgen die produzierenden Pharmakonzerne wohlweißlich jede Haftung in den Verträgen ausgeschlossen haben. Eine Impfung, der Geimpfte trotzdem religiös vertrauen und die sie als persönlichen Rechtschaffenheits-Ausweis ansehen, sich trotz Doppelimpfung anschließend zu Tausenden infizieren, obwohl sie in ihren Clubs und Stadien und Kneipen und demnächst Büros ganz unter sich bleiben, um dann andere Durchgeimpfte nicht selten trotzdem schwerkrank werden zu sehen und sich zur Vorsorge gegen dieses Risiko als nächstes „boostern“ zu lassen und trotz alledem zu sagen: Die Ungeimpften sind die Irren. Es ist ein hochneurotisches Kollektivverhalten, manifestiert als Projektion. Dieses Land ist ernsthaft krank. Seriously unwell. Bloß anders, als es denkt.

Zitat: Schon wieder der Driesen (guter Mann)

Aktuelle Bestandsaufnahme im Deutschen Spritzenmassaker: Nach Bratwürsten, Gratis-Puff-Besuchen sowie der Androhung von Freiheitsentzug wurde nun die finale Stimulations-Rakete gezündet: Hazel Brugger und Natalia Wörner wollen nicht mehr mit Ungeimpften Kaffee trinken. Der Endsieg ist nah! Auch wichtig: Impfverweigerer wählen mehrheitlich die AfD. Eine Studie der sozialwissenschaftlichen Fakultät an der Uni Sindelfingen hat das einwandfrei erwiesen. Auf diesem Niveau sind wir also angekommen. Im Umkehrschluss braucht die AfD nächste Woche eigentlich nur noch öffentlich verkünden, dass die Erde eine Kugel sei, um alle aufrecht durchgeboosterten Demokraten ausrufen zu lassen: Nein, die Erde ist eine Scheibe! Kein Fußbreit den Faschisten! Deutschland als Monty-Python-Sketch, Mission accomplished.

Achtung: Diesen QR-Code bitte immer mitführen und nach Aufforderung vorzeigen:

Eigenlob ist aktive Care-Arbeit in Zeiten der Seuche. In diesem Sinne: Die Highlights aus tausend Jahren Frontberichterstattung:

Schwere Zeiten (auf Wiedervorlage)

Liebe Lesende, werte Darbende, folgendes Geständnis wird Sie vielleicht nicht besonders überraschen: Ich habe noch nie eine Folge von Game Of Thrones gesehen. Ein Zitat daraus ist mir trotzdem geläufig: „Winter is coming!“ Traditionell gilt ja der November als die härteste Nuss im Kalender (trübes Wetter, hustende Menschen, erhöhte Selbstmordraten), aber auch der Dezember hat neben all dem Advents- und Weihnachtskitsch reichlich düstere Gedanken zu bieten. Die Populärkultur liefert dazu einige Beispiele. Was will ich Ihnen damit sagen? Stellen Sie sich bitte auf schwere, ja möglicherweise sehr schwere Zeiten ein. Auf einen schweren November, einen harten Dezember und auf bleierne Ostern! Von dem darauffolgenden mörderischen Sommer ganz zu schweigen. Natürlich nur, sofern Sie von den zuständigen öffentlichen Orakeln nicht längst auf Dauerschwere eingeschworen worden sind. Und sofern Sie nicht Michelle Hunziker heißen, denn dann haben Sie das Schwerste ja schon hinter sich. Inspiriert wurde ich zu dieser eindrücklichen Warnung durch Schwester Spahn, Mutti Merkel und den Kollegen Driesen. Ehre, wem Ehre gebührt.

Straße der Besten

You only get one shot, do not miss your chance to blow
This opportunity comes once in a lifetime

(Eminem, Lose yourself)


Kandidaten gab es zahlreiche, gewinnen können nur die Besten. Die Bronzemedaille für herausragende Leistungen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit geht in diesem Jahr an einen Hamburger Innensenator, der unfreundliche Twitter-Kommentare gerne mit Polizei-Einsätzen beantwortet und den deshalb alle nur noch Pimmel-Andy nennen. Streisand-Effekt im Endstadium. Silber geht an einen ehemaligen BRAVO-Posterboy, der in einer Leipziger Hotel-Lobby fünf Minuten zu lange warten musste, daraufhin öffentlich in sein iPhone heulte und aus dem Stand einen Antisemitismus-Skandal produzierte. Deutscher Jussie Smollett. Die unangefochtene Spitzenposition aber gehört jener amerikanischen Sportreporterin, die in einem Moment kreativer Erleuchtung „Fuck Joe Biden!“ zu „Let’s go Brandon!“ umdichtete und damit das goldene Meme 2021 schuf. Bitte erheben Sie sich jetzt zum Applaus!

Smalltalk für den Sektempfang danach: Wussten Sie, dass Andy Grote, Olaf Scholz und Donald Trump am selben Tag Geburtstag haben?

Three big fat bowls of Bullshit

Wie die Marketingabteilung von Pfizer und Biontech (a.k.a. Leitmedien) und deren glückliche Kunden für mich mittlerweile klingen:

Impfi, impfi, impfi! Du auch impfi? Warum du nix impfi? Impfi gut. Alle impfi machen. Du auch impfi machen! Ohne impfi nix Arbeit. Warum du nix impfi machen? Impfi auch gut für Happa-Happa machen. Alle machen impfi. Du jetzt impfi machen! Mache alle impfi-impfi! Wenn du nix impfi machen, mein impfi nix gut! Nur gut wenn du impfi machen. Gucke tote Oma! Tote Oma mit Doppel impfi, aber nix gut, weil du nix impfi! Du töten Oma. Mache impfi impfi impfi jetzt!

Wie ich für die klinge:


In other News: Der fette Youtube-Drachenlord Rainer Winkler ist doch tatsächlich zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Weil sie ihn so lange genervt haben, bis er sich mal gewehrt hat. Tja.

Merrily we roll along

Guten Abend, meine Damen und Herr*innen, ich begrüße Sie zur Idiotenschau. Das wichtigste zuerst: Meike und Sascha haben sich getrennt. Berlins digitalstes Ehepaar ist nicht mehr, schon seit letztem Jahr. Klingt eher unaktuell, ist es aber nicht. Denn Meike macht keine halben Sachen und hat schon kurz nach der Trennung ein Buch über den Anfang und das Ende der männlichen Zivilisation veröffentlicht, mit dem sie noch immer fleißig Klinken putzt. Das Private ist politisch, natürlich, erst recht bei Mighty Meike und erst recht auf Twitter, und daher wird ihr Beziehungsmüll auch weiterhin zu gesellschaftlicher Relevanz hochgejazzt. Sascha Lobo dagegen ist offenbar schon wieder neu verheiratet, mit einer ähnlich sendungsbewussten Trulla, nur eben einem jüngeren Modell. Soll vorkommen. Jeder nur eine Tüte Popcorn bitte. Von den Promi-News zur Politik: Die Taliban weigern sich, die Frauenquote umzusetzen, deshalb werden ihnen jetzt die Hartz-IV-Bezüge gekürzt. So geht Außenpolitik mit harter Hand. Und für den plötzlichen Popularitätsschub von Olaf Scholz gibt es eine ganz einfache Erklärung: Bitte klicken Sie hier. Die Fähigkeit, im richtigen Augenblick ein süßes Hundebaby in die Kameras zu halten, unterscheidet den Polit-Profi eben noch immer von den Amateuren aus der zweiten Reihe. Apropos Wahlkampf: rennen die jungen Leute (wie von einschlägigen ÖRR-Aktivisten immer wieder hartnäckig verbreitet) einig und geschlossen den apokalyptischen Angstneurosen einer schwedischen Autistin hinterher, so gebührt ihnen unser aller tränenreicher Dank. Stellt sich allerdings heraus, dass sie in Wirklichkeit vielleicht doch lieber die FDP wählen, so handelt es sich dabei um eine von finstereren Mächten ferngesteuerte unverantwortliche Rasselbande, die schleunigst umerzogen gehört. Deutschen demokratischen Dank für Ihre Gebühren.

Düstere Gedanken, ohne erkennbaren Zusammenhang: Neulich schaute ich mir ein altes Interview mit David Foster Wallace an, bei dem er, wie so oft, ein Bandana trug, also diesen seltsamen, einst modischen Kopfverband. Es war quasi sein Markenzeichen. Damit sah er immer ein wenig aus wie ein Mitglied der Suicidal Tendencies – was leider sehr ironisch ist, da er bekanntermaßen Selbstmord beging. David Foster Wallace litt seit seiner Jugend an schweren Depressionen und nahm wohl auch entsprechend lange Medikamente dagegen ein. Irgendwann hielt er es trotzdem nicht mehr aus. Im Alter von 46 Jahren erhängte er sich an einem Balken seines Hauses. Ein Schriftsteller, der sich erhängt, wird natürlich umgehend zur Kultfigur, vor allem wenn er ein solches Buch hinterlässt. Infinite Jest bzw. Unendlicher Spass – hat das überhaupt jemand gelesen? Ich jedenfalls nicht. Stattdessen schaue ich mir Interviews mit dem Autoren an, das ist schon anstrengend genug. Infinite Jest schien mir schon immer eines jener Werke zu sein, durch das Kritiker sich pflichtbewusst durchwühlen und das sich Bildungs-Poser gerne ins Regal stellen – das aber niemand wirklich vollständig erfasst, geschweige denn verstanden hat. So wie frühere Generationen den Ulysses. Ich mag mich irren, also noch einmal die Frage: Wer hat’s gelesen? Ich bitte um Handzeichen.


An dieser Stelle folgen wieder einige Glotz-Empfehlungen – ein paar ausgewählte Dokumentarfilme, die ich (wo sonst) auf Netflix entdeckt habe. Trailer verlinke ich diesmal nicht, Googeln’se das Zeug doch selbst. Bei Interesse.

Bob Ross: Happy Accidents, Betrayal & Greed

Was ich hier gelernt habe: Als Bob Ross mit seinen putzigen Do-it-yourself-Videos auch hierzulande bekannt wurde (ich glaube, das war in den späten 90ern), war der Mann selbst längst mausetot und sein Erbe wurde von einer raffgierigen ehemaligen Geschäftspartnerin vermarktet. Diese hatte sich noch kurz vor dessen Tod und gegen seinen ausdrücklichen Willen den Namen Bob Ross vertraglich unter der Nagel gerissen und verdient mit Bob Ross Inc. bis heute Millionen. Sein eigener Sohn, den Ross ursprünglich als Nachfolger vorgesehen hatte, klagte dagegen, ging bisher aber leer aus. Was ich außerdem gelernt habe: Erfinder der kitschigen Express-Landschaftsmalerei war eigentlich der in Ostpreußen geborene Wilhelm Alexander, Bob Ross verhalf ihr allerdings aufgrund seiner einschmeichelnden TV-Präsenz zum weltweiten Durchbruch. Was ich nicht gelernt habe: Ein schneebedecktes Gebirge in nur 20 Minuten zu malen.

John Was Trying to Contact Aliens

Ein besonderes Porträt, ebenso kurz wie anrührend. Wir lernen einen echten Außenseiter kennen, einen Mann namens John Shepherd, der zurückgezogen im Haus seiner Großeltern lebt und dort im Laufe der letzten 30 Jahre eine monströse Anlage zusammengebastelt hat, mit der er unermüdlich Außerirdische zu kontaktieren versucht. Da der sensible und sympathische Kauz außerdem noch über eine umfangreiche eklektische Musiksammlung verfügt, beschallt er das Weltall nicht einfach mit kryptischen Signalen, sondern abwechselnd mit Jazz, deutschem Progrock und Reggae aus den 70ern. Irgendwann lernt John dann allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz einen Gleichgesinnten kennen, einen Freund und Lebenspartner. Und da sitzen sie dann beide, bärtig, langhaarig und glücklich, mitten in der amerikanischen Provinz. Zwei Aliens, die sich gefunden haben. Sehr schön.

Best Worst Thing That Ever Could Have Happened

„Dein Leben musst du vorwärts leben, verstehen wirst du es rückwärts“. Selten passte dieser Kalenderspruch besser als auf die Geschichte, die hier erzählt wird, und das gleich im doppelten Sinn. Es ist die Geschichte eines legendären Flops. 40 Jahre ist es mittlerweile her, da landete Stephen Sondheim, der Großmeister des anspruchsvollen Musiktheaters, zwischen zwei fulminanten Erfolgen – Sweeney Todd (1979) und Sunday in the Park with George (1984) – auch mal einen richtigen Misserfolg. Sein Titel: Merrily We Roll Along, ein Musical über die Träume junger Menschen (basierend auf einem gleichnamigen Theaterstück aus den 30er Jahren), und das, was ca. 25 Jahre später aus diesen Träumen geworden ist. Auf der Bühne wird ihre Geschichte rückwärts erzählt, das heißt die Protagonisten sind am Anfang des Stückes um die 40, verbittert und zynisch, und am Ende wieder so jung und hoffnungsvoll wie ihre Darsteller. Denn, und das sollte wohl der Clou sein, die Besetzung von Merrily We Roll Along bestand ausschließlich aus noch unbekannten Nachwuchsdarstellern, einige davon noch im Teenager-Alter. Eine charmante Idee, aber irgendetwas daran hat damals nicht funktioniert. Nach einer Serie chaotischer Voraufführungen, spontaner Umbesetzungen sowie fast durchgehend vernichtenden Kritiken wurde das Stück vorzeitig abgesetzt. Was sich die jungen Darsteller als Start einer glänzenden Broadway-Karriere erhofften, zerplatzte so innerhalb weniger Wochen im Nichts. Einer von ihnen war übrigens Jason Alexander, der dann zehn Jahre später als George Costanza in Seinfeld berühmt wurde. Er und einige andere der nach dieser frühen Enttäuschung sehr unterschiedlich verlaufenen Biographien finden am Ende zu einer Art Broadway-Klassentreffen wieder auf der Bühne zusammen. Sie stimmen die alten Lieder wieder an und liegen sich heulend in den Armen: „Growing up, understanding that growing never ends“ … Ein faszinierendes Beispiel für Life imitating art. Für Sondheim-Nerds natürlich besonders lohnend, mit jeder Menge Originalaufnahmen, Interviews und Proben von 1981.

Jim & Andy: The Great Beyond

Dass Jim Carrey nicht alle Tassen im Schrank hat, ist bekannt. Nie zuvor, und wahrscheinlich auch nie wieder danach, wurde dies aber deutlicher als während der Dreharbeiten zu Man on the Moon, in dem er Andy Kaufman spielte. Wobei er ihn eben nicht spielte, Jim Carrey war Andy Kaufman. Und er hat diesen, jegliches Method Acting überschreitenden Wahnsinn, mit dem er damals sämtliche Kollegen und selbst Regisseur Miloš Forman die letzten Nerven raubte, dokumentarisch festhalten lassen. Die Produzenten von Man on the Moon hielten die Aufnahmen jahrelang unter Verschluss, weil sie einen Image-Schaden sowohl für den Film als auch für dessen Hauptdarsteller befürchteten. Nun aber kann man sich diese herrliche Shit Show in all ihrer Pracht anschauen. Es gibt hier allerdings doch weitaus mehr zu sehen als den vermeintlich außer Kontrolle geratenen Ego Trip eines Schauspielers. Indem er derart konsequent in seiner Rolle aufging, ließ Carrey sein großes Vorbild Andy Kaufman tatsächlich wiederauferstehen – und zwar so realistisch, dass selbst Kaufmans Schwester irgendwann überzeugt war, mit dem echten Andy zu reden. Irre. Anarchisch. Großartig. Unvergleichlich. Und am Ende doch noch ein Link.

Ens Käufens und ens Einkaufspritz (Freiheit, Bratwurst, Orgasmus!)

In meinem Traum jagt mich der Chefredakteur des Tagesspiegel mit einer riesigen Injektionsnadel durch das IKEA-Bällebad. „Ich schieß dir den Booster in deine Kniescheiben, du Sau!“ schreit er mit der Stimme von Sophie Rois (ich hatte mir vorm Einschlafen noch dieses alte Schlingensief-Hörspiel reingezogen), während die Antifa-Jugend Lichtenberg ihn mit lauten „Spritze rein! Spritze rein!“-Sprechchören anfeuert. „Jedens Käufens muss ens Einkaufskorbsens!“ ruft mir der Filialleiter hinterher, der aussieht wie Lann Hornscheidt. Ich flüchte über die Küchenabteilung auf den Parkplatz. Dort wird gerade der Millionste Impfling im Drive-In gefeiert, er erhält ein goldene Bratwurst – Jubel und donnernder Applaus, die Nationalhymne erklingt. Alle sind vor Ort: ARD, ZDF, RBB, RTL, CNN, Al Jazeera, Rezo, Merkel, Böhmermann, Barbara Schöneberger und der Kinderchor der deutschen Bischofskonferenz. „Jesus hätt‘ sich impfen lassen“ stimmen sie ihr fröhliches Lied an, bald rufen alle nur noch „Jesus! Jesus! Jesus!“ David Hasselhoff befragt die Leute in der Autoschlange. „Es ist wie damals nach der Maueröffnung“, erzählt Yvonne (54) mit zitternder Stimme, „Wir sind extra aus Strausberg angereist, mein Mann, die Kinder und ich, seit heute morgen um sechs sind wir unterwegs!“ Hasselhoff dreht sich zur Kamera: „Da hören Sie es: Eine Schlange in die Freiheit! Und am Ende wartet die Bratwurst als Belohnung, so wie damals die Banane! Are you looking for Freedom? Was für ein historischer Moment! Das ist der Wahnsinn! Die Menschen hier sind überglücklich und dankbar, Emotionen pur, das müssen Sie gesehen haben! Wir schalten jetzt zu meiner Kollegin Dunja Hayali, die gerade live auf TikTok ihre Blutgefäße streamt. Dunja, can you here me? Dunja?! Dunjaaa!!!“ „Jaaa, Danke, David! Es ist ein so überwältigendes Gefühl, den Impfstoff zu spüren! Mit Worten kaum zu beschreiben … Happy! Relieved! Released! So lange mussten wir warten, jetzt endlich ist es soweit! Und ich glaube, ich kann wohl für alle hier sprechen, wenn ich sage: Ich freu mich auf den nächsten Schuss!“ Die Menge ist nun vollkommen außer Rand und Band, Menschen verlassen spontan ihre Autos, fallen sich solidarisch in die Arme, überall Tränen der Freude, fliegende Bratwürste, spontane Orgasmen. „Wie damals!“, ruft Yvonne, „wie damals!“ Dann sind plötzlich die Würste alle, IKEA geht in Flammen auf und ich wache auf.

Deutschland im August 2021. Tugässa ägäinst Korrona. Alpha, Beta, Gamma, Delta, Epsilon, Zeta, Eta, Theta, Greta, Jota, Kappa, Lambda, Lorem-ipsum, Gummizelle … Fortsetzung folgt. Ich tauche erst einmal wieder ab. Macht’s gut, ihr alten Cracknutten! Bis zum Herbst.

Domo Arigato, Mr. Roboto

Science Fiction des Monats: die Bundeswehr startet ihr eigenes Weltraumkommando. Hurra, endlich wird den irren Milliardären aus den USA mal gezeigt, wo der Hammer hängt! Weltraumkommandeur*in Annegret Kramp-Karrenbauer hat zu diesem Zweck auch schon ein Schild enthüllt, in spätestens 50 Jahren sind dann die ersten deutschen Space-Panzer unterwegs. Auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz geht es voran: Bereits im nächsten Jahr soll der Bundes-Android Lauterbach durch ein brandneues, störungsfreieres Update ersetzt werden. Karl 22 wird noch mehr Kompetenzen haben als sein Vorgängermodell und die Bürger schnell, unbürokratisch und ungefragt mit Expertenwissen zu den Themen Heuschnupfen, Schlammcatchen, Gender, Glutenfreie Ernährung, Klimawandel, transhumanistische Genetik und Herrenmode versorgen. Barrierefrei und in einfacher Sprache. *bleep-bleep*

Glotz-Content des Monats: Mr. Robot (auf Amazon Prime). Wieder so eine Serie, die erst mit einigen Jahren Verspätung bei mir angekommen ist. Ein zwiespältiges Erlebnis war das. Die ersten beiden Staffeln sind wirklich überragend. Großartige Atmosphäre, originelle Erzählung, toller Soundtrack (der Original Score stammt von Mac Quayle, der u. a. auch die Musik zu The Assassination of Gianni Versace beisteuerte). Dabei sind die Themen nicht wirklich neu: Das gespaltene Ich, die Suche nach der eigenen Identität in einer dystopischen Gesellschaft, Überwachung, Paranoia, Revolution, alles ist drin … aber es passt. Bis der Geschichte irgendwann die Luft ausgeht. Denn mit der dritten Staffel stürzt sie leider mächtig ab, wirkt zerfasert und nur noch planlos. Sehr schade. Mir kam es so vor, als wäre die Hacker-Serie irgendwann selbst gehackt worden – von ein paar überforderten Regie-Azubis, die mit den Figuren nichts mehr anzufangen wussten. Die Hauptfigur hat mich allerdings schon vorher genervt. Die Sache mit seiner dissoziativen Persönlichkeitsstörung, anfangs noch der Motor der ganzen Story, erschien mir irgendwann nur noch als ein überstrapazierter Running Gag. Der Knabe entwickelt sich überhaupt nicht weiter, er scheint im Gegenteil mit fortschreitender Handlung immer dümmer zu werden. Fahrig und dauernuschelnd torkelt er durch eine Welt, die er zwar nicht versteht, aber permanent zu „retten“ versucht. Wesentlich überzeugender sind hier die zahlreichen charismatischen Nebenfiguren, deren Geschichten aber entweder gar nicht oder leider nur sehr unbefriedigend zu Ende erzählt werden. Stattdessen gibt es jede Menge unsinnige Gimmicks, Seitenhiebe auf Trump und die blutig gefolterte Tochter von Meryl Streep zu bewundern. Das Finale verspricht dann ganz kurz doch noch eine clevere Auflösung, ersäuft am Ende aber in larmoyantem Kitsch. Geh ins Licht, Mr. Robot, geh ins Licht!

Schließlich sind da noch die vielen offensichtlichen Referenzen: The Matrix, Fight Club, 12 Monkeys … sowie eigentlich jeder Hackerfilm, den ich bisher gesehen habe. Und es gibt einige Szenen, die sind so eindeutig an David Lynch angelehnt, dass es fast schon eine Frechheit ist. Bei Lynch ist Surrealismus ja Programm, hier wird er dagegen wie eine alberne Garnitur dazwischen gestreut. Auf Wikipedia ist zu lesen, dass der Regisseur Sam Esmail Mr. Robot ursprünglich als Film konzipiert hatte. Wäre er mal bei diesem Konzept geblieben. Das ist Ding eindeutig zu lang und ihm am Ende offenbar über den Kopf gewachsen. Vielleicht ist das alles aber auch nur mein ganz persönliches Problem. Ich habe vermutlich einfach schon zu viel gesehen. Die allwissende bloggende Müllhalde muss ihre Festplatte wohl einfach mal wieder neu formatieren, oder am besten gleich ins Feuer werfen, so wie es die Hacker in Mr. Robot tun. Und die ganze Film- und Serienindustrie gleich hinterher. Burn, Hollywood, burn!


Abbildung: Screenshot aus dem besseren Teil von Mr. Robot