Three big fat bowls of Bullshit

Wie die Marketingabteilung von Pfizer und Biontech (a.k.a. Leitmedien) und deren glückliche Kunden für mich mittlerweile klingen:

Impfi, impfi, impfi! Du auch impfi? Warum du nix impfi? Impfi gut. Alle impfi machen. Du auch impfi machen! Ohne impfi nix Arbeit. Warum du nix impfi machen? Impfi auch gut für Happa-Happa machen. Alle machen impfi. Du jetzt impfi machen! Mache alle impfi-impfi! Wenn du nix impfi machen, mein impfi nix gut! Nur gut wenn du impfi machen. Gucke tote Oma! Tote Oma mit Doppel impfi, aber nix gut, weil du nix impfi! Du töten Oma. Mache impfi impfi impfi jetzt!

Wie ich für die klinge:


In other News: Der fette Youtube-Drachenlord Rainer Winkler ist doch tatsächlich zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Weil sie ihn so lange genervt haben, bis er sich mal gewehrt hat. Tja.

Merrily we roll along

Guten Abend, meine Damen und Herr*innen, ich begrüße Sie zur Idiotenschau. Das wichtigste zuerst: Meike und Sascha haben sich getrennt. Berlins digitalstes Ehepaar ist nicht mehr, schon seit letztem Jahr. Klingt eher unaktuell, ist es aber nicht. Denn Meike macht keine halben Sachen und hat schon kurz nach der Trennung ein Buch über den Anfang und das Ende der männlichen Zivilisation veröffentlicht, mit dem sie noch immer fleißig Klinken putzt. Das Private ist politisch, natürlich, erst recht bei Mighty Meike und erst recht auf Twitter, und daher wird ihr Beziehungsmüll auch weiterhin zu gesellschaftlicher Relevanz hochgejazzt. Sascha Lobo dagegen ist offenbar schon wieder neu verheiratet, mit einer ähnlich sendungsbewussten Trulla, nur eben einem jüngeren Modell. Soll vorkommen. Jeder nur eine Tüte Popcorn bitte. Von den Promi-News zur Politik: Die Taliban weigern sich, die Frauenquote umzusetzen, deshalb werden ihnen jetzt die Hartz-IV-Bezüge gekürzt. So geht Außenpolitik mit harter Hand. Und für den plötzlichen Popularitätsschub von Olaf Scholz gibt es eine ganz einfache Erklärung: Bitte klicken Sie hier. Die Fähigkeit, im richtigen Augenblick ein süßes Hundebaby in die Kameras zu halten, unterscheidet den Polit-Profi eben noch immer von den Amateuren aus der zweiten Reihe. Apropos Wahlkampf: rennen die jungen Leute (wie von einschlägigen ÖRR-Aktivisten immer wieder hartnäckig verbreitet) einig und geschlossen den apokalyptischen Angstneurosen einer schwedischen Autistin hinterher, so gebührt ihnen unser aller tränenreicher Dank. Stellt sich allerdings heraus, dass sie in Wirklichkeit vielleicht doch lieber die FDP wählen, so handelt es sich dabei um eine von finstereren Mächten ferngesteuerte unverantwortliche Rasselbande, die schleunigst umerzogen gehört. Deutschen demokratischen Dank für Ihre Gebühren.

Düstere Gedanken, ohne erkennbaren Zusammenhang: Neulich schaute ich mir ein altes Interview mit David Foster Wallace an, bei dem er, wie so oft, ein Bandana trug, also diesen seltsamen, einst modischen Kopfverband. Es war quasi sein Markenzeichen. Damit sah er immer ein wenig aus wie ein Mitglied der Suicidal Tendencies – was leider sehr ironisch ist, da er bekanntermaßen Selbstmord beging. David Foster Wallace litt seit seiner Jugend an schweren Depressionen und nahm wohl auch entsprechend lange Medikamente dagegen ein. Irgendwann hielt er es trotzdem nicht mehr aus. Im Alter von 46 Jahren erhängte er sich an einem Balken seines Hauses. Ein Schriftsteller, der sich erhängt, wird natürlich umgehend zur Kultfigur, vor allem wenn er ein solches Buch hinterlässt. Infinite Jest bzw. Unendlicher Spass – hat das überhaupt jemand gelesen? Ich jedenfalls nicht. Stattdessen schaue ich mir Interviews mit dem Autoren an, das ist schon anstrengend genug. Infinite Jest schien mir schon immer eines jener Werke zu sein, durch das Kritiker sich pflichtbewusst durchwühlen und das sich Bildungs-Poser gerne ins Regal stellen – das aber niemand wirklich vollständig erfasst, geschweige denn verstanden hat. So wie frühere Generationen den Ulysses. Ich mag mich irren, also noch einmal die Frage: Wer hat’s gelesen? Ich bitte um Handzeichen.


An dieser Stelle folgen wieder einige Glotz-Empfehlungen – ein paar ausgewählte Dokumentarfilme, die ich (wo sonst) auf Netflix entdeckt habe. Trailer verlinke ich diesmal nicht, Googeln’se das Zeug doch selbst. Bei Interesse.

Bob Ross: Happy Accidents, Betrayal & Greed

Was ich hier gelernt habe: Als Bob Ross mit seinen putzigen Do-it-yourself-Videos auch hierzulande bekannt wurde (ich glaube, das war in den späten 90ern), war der Mann selbst längst mausetot und sein Erbe wurde von einer raffgierigen ehemaligen Geschäftspartnerin vermarktet. Diese hatte sich noch kurz vor dessen Tod und gegen seinen ausdrücklichen Willen den Namen Bob Ross vertraglich unter der Nagel gerissen und verdient mit Bob Ross Inc. bis heute Millionen. Sein eigener Sohn, den Ross ursprünglich als Nachfolger vorgesehen hatte, klagte dagegen, ging bisher aber leer aus. Was ich außerdem gelernt habe: Erfinder der kitschigen Express-Landschaftsmalerei war eigentlich der in Ostpreußen geborene Wilhelm Alexander, Bob Ross verhalf ihr allerdings aufgrund seiner einschmeichelnden TV-Präsenz zum weltweiten Durchbruch. Was ich nicht gelernt habe: Ein schneebedecktes Gebirge in nur 20 Minuten zu malen.

John Was Trying to Contact Aliens

Ein besonderes Porträt, ebenso kurz wie anrührend. Wir lernen einen echten Außenseiter kennen, einen Mann namens John Shepherd, der zurückgezogen im Haus seiner Großeltern lebt und dort im Laufe der letzten 30 Jahre eine monströse Anlage zusammengebastelt hat, mit der er unermüdlich Außerirdische zu kontaktieren versucht. Da der sensible und sympathische Kauz außerdem noch über eine umfangreiche eklektische Musiksammlung verfügt, beschallt er das Weltall nicht einfach mit kryptischen Signalen, sondern abwechselnd mit Jazz, deutschem Progrock und Reggae aus den 70ern. Irgendwann lernt John dann allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz einen Gleichgesinnten kennen, einen Freund und Lebenspartner. Und da sitzen sie dann beide, bärtig, langhaarig und glücklich, mitten in der amerikanischen Provinz. Zwei Aliens, die sich gefunden haben. Sehr schön.

Best Worst Thing That Ever Could Have Happened

„Dein Leben musst du vorwärts leben, verstehen wirst du es rückwärts“. Selten passte dieser Kalenderspruch besser als auf die Geschichte, die hier erzählt wird, und das gleich im doppelten Sinn. Es ist die Geschichte eines legendären Flops. 40 Jahre ist es mittlerweile her, da landete Stephen Sondheim, der Großmeister des anspruchsvollen Musiktheaters, zwischen zwei fulminanten Erfolgen – Sweeney Todd (1979) und Sunday in the Park with George (1984) – auch mal einen richtigen Misserfolg. Sein Titel: Merrily We Roll Along, ein Musical über die Träume junger Menschen (basierend auf einem gleichnamigen Theaterstück aus den 30er Jahren), und das, was ca. 25 Jahre später aus diesen Träumen geworden ist. Auf der Bühne wird ihre Geschichte rückwärts erzählt, das heißt die Protagonisten sind am Anfang des Stückes um die 40, verbittert und zynisch, und am Ende wieder so jung und hoffnungsvoll wie ihre Darsteller. Denn, und das sollte wohl der Clou sein, die Besetzung von Merrily We Roll Along bestand ausschließlich aus noch unbekannten Nachwuchsdarstellern, einige davon noch im Teenager-Alter. Eine charmante Idee, aber irgendetwas daran hat damals nicht funktioniert. Nach einer Serie chaotischer Voraufführungen, spontaner Umbesetzungen sowie fast durchgehend vernichtenden Kritiken wurde das Stück vorzeitig abgesetzt. Was sich die jungen Darsteller als Start einer glänzenden Broadway-Karriere erhofften, zerplatzte so innerhalb weniger Wochen im Nichts. Einer von ihnen war übrigens Jason Alexander, der dann zehn Jahre später als George Costanza in Seinfeld berühmt wurde. Er und einige andere der nach dieser frühen Enttäuschung sehr unterschiedlich verlaufenen Biographien finden am Ende zu einer Art Broadway-Klassentreffen wieder auf der Bühne zusammen. Sie stimmen die alten Lieder wieder an und liegen sich heulend in den Armen: „Growing up, understanding that growing never ends“ … Ein faszinierendes Beispiel für Life imitating art. Für Sondheim-Nerds natürlich besonders lohnend, mit jeder Menge Originalaufnahmen, Interviews und Proben von 1981.

Jim & Andy: The Great Beyond

Dass Jim Carrey nicht alle Tassen im Schrank hat, ist bekannt. Nie zuvor, und wahrscheinlich auch nie wieder danach, wurde dies aber deutlicher als während der Dreharbeiten zu Man on the Moon, in dem er Andy Kaufman spielte. Wobei er ihn eben nicht spielte, Jim Carrey war Andy Kaufman. Und er hat diesen, jegliches Method Acting überschreitenden Wahnsinn, mit dem er damals sämtliche Kollegen und selbst Regisseur Miloš Forman die letzten Nerven raubte, dokumentarisch festhalten lassen. Die Produzenten von Man on the Moon hielten die Aufnahmen jahrelang unter Verschluss, weil sie einen Image-Schaden sowohl für den Film als auch für dessen Hauptdarsteller befürchteten. Nun aber kann man sich diese herrliche Shit Show in all ihrer Pracht anschauen. Es gibt hier allerdings doch weitaus mehr zu sehen als den vermeintlich außer Kontrolle geratenen Ego Trip eines Schauspielers. Indem er derart konsequent in seiner Rolle aufging, ließ Carrey sein großes Vorbild Andy Kaufman tatsächlich wiederauferstehen – und zwar so realistisch, dass selbst Kaufmans Schwester irgendwann überzeugt war, mit dem echten Andy zu reden. Irre. Anarchisch. Großartig. Unvergleichlich. Und am Ende doch noch ein Link.

Ens Käufens und ens Einkaufspritz (Freiheit, Bratwurst, Orgasmus!)

In meinem Traum jagt mich der Chefredakteur des Tagesspiegel mit einer riesigen Injektionsnadel durch das IKEA-Bällebad. „Ich schieß dir den Booster in deine Kniescheiben, du Sau!“ schreit er mit der Stimme von Sophie Rois (ich hatte mir vorm Einschlafen noch dieses alte Schlingensief-Hörspiel reingezogen), während die Antifa-Jugend Lichtenberg ihn mit lauten „Spritze rein! Spritze rein!“-Sprechchören anfeuert. „Jedens Käufens muss ens Einkaufskorbsens!“ ruft mir der Filialleiter hinterher, der aussieht wie Lann Hornscheidt. Ich flüchte über die Küchenabteilung auf den Parkplatz. Dort wird gerade der Millionste Impfling im Drive-In gefeiert, er erhält ein goldene Bratwurst – Jubel und donnernder Applaus, die Nationalhymne erklingt. Alle sind vor Ort: ARD, ZDF, RBB, RTL, CNN, Al Jazeera, Rezo, Merkel, Böhmermann, Barbara Schöneberger und der Kinderchor der deutschen Bischofskonferenz. „Jesus hätt‘ sich impfen lassen“ stimmen sie ihr fröhliches Lied an, bald rufen alle nur noch „Jesus! Jesus! Jesus!“ David Hasselhoff befragt die Leute in der Autoschlange. „Es ist wie damals nach der Maueröffnung“, erzählt Yvonne (54) mit zitternder Stimme, „Wir sind extra aus Strausberg angereist, mein Mann, die Kinder und ich, seit heute morgen um sechs sind wir unterwegs!“ Hasselhoff dreht sich zur Kamera: „Da hören Sie es: Eine Schlange in die Freiheit! Und am Ende wartet die Bratwurst als Belohnung, so wie damals die Banane! Are you looking for Freedom? Was für ein historischer Moment! Das ist der Wahnsinn! Die Menschen hier sind überglücklich und dankbar, Emotionen pur, das müssen Sie gesehen haben! Wir schalten jetzt zu meiner Kollegin Dunja Hayali, die gerade live auf TikTok ihre Blutgefäße streamt. Dunja, can you here me? Dunja?! Dunjaaa!!!“ „Jaaa, Danke, David! Es ist ein so überwältigendes Gefühl, den Impfstoff zu spüren! Mit Worten kaum zu beschreiben … Happy! Relieved! Released! So lange mussten wir warten, jetzt endlich ist es soweit! Und ich glaube, ich kann wohl für alle hier sprechen, wenn ich sage: Ich freu mich auf den nächsten Schuss!“ Die Menge ist nun vollkommen außer Rand und Band, Menschen verlassen spontan ihre Autos, fallen sich solidarisch in die Arme, überall Tränen der Freude, fliegende Bratwürste, spontane Orgasmen. „Wie damals!“, ruft Yvonne, „wie damals!“ Dann sind plötzlich die Würste alle, IKEA geht in Flammen auf und ich wache auf.

Deutschland im August 2021. Tugässa ägäinst Korrona. Alpha, Beta, Gamma, Delta, Epsilon, Zeta, Eta, Theta, Greta, Jota, Kappa, Lambda, Lorem-ipsum, Gummizelle … Fortsetzung folgt. Ich tauche erst einmal wieder ab. Macht’s gut, ihr alten Cracknutten! Bis zum Herbst.

Domo Arigato, Mr. Roboto

Science Fiction des Monats: die Bundeswehr startet ihr eigenes Weltraumkommando. Hurra, endlich wird den irren Milliardären aus den USA mal gezeigt, wo der Hammer hängt! Weltraumkommandeur*in Annegret Kramp-Karrenbauer hat zu diesem Zweck auch schon ein Schild enthüllt, in spätestens 50 Jahren sind dann die ersten deutschen Space-Panzer unterwegs. Auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz geht es voran: Bereits im nächsten Jahr soll der Bundes-Android Lauterbach durch ein brandneues, störungsfreieres Update ersetzt werden. Karl 22 wird noch mehr Kompetenzen haben als sein Vorgängermodell und die Bürger schnell, unbürokratisch und ungefragt mit Expertenwissen zu den Themen Heuschnupfen, Schlammcatchen, Gender, Glutenfreie Ernährung, Klimawandel, transhumanistische Genetik und Herrenmode versorgen. Barrierefrei und in einfacher Sprache. *bleep-bleep*

Glotz-Content des Monats: Mr. Robot (auf Amazon Prime). Wieder so eine Serie, die erst mit einigen Jahren Verspätung bei mir angekommen ist. Ein zwiespältiges Erlebnis war das. Die ersten beiden Staffeln sind wirklich überragend. Großartige Atmosphäre, originelle Erzählung, toller Soundtrack (der Original Score stammt von Mac Quayle, der u. a. auch die Musik zu The Assassination of Gianni Versace beisteuerte). Dabei sind die Themen nicht wirklich neu: Das gespaltene Ich, die Suche nach der eigenen Identität in einer dystopischen Gesellschaft, Überwachung, Paranoia, Revolution, alles ist drin … aber es passt. Bis der Geschichte irgendwann die Luft ausgeht. Denn mit der dritten Staffel stürzt sie leider mächtig ab, wirkt zerfasert und nur noch planlos. Sehr schade. Mir kam es so vor, als wäre die Hacker-Serie irgendwann selbst gehackt worden – von ein paar überforderten Regie-Azubis, die mit den Figuren nichts mehr anzufangen wussten. Die Hauptfigur hat mich allerdings schon vorher genervt. Die Sache mit seiner dissoziativen Persönlichkeitsstörung, anfangs noch der Motor der ganzen Story, erschien mir irgendwann nur noch als ein überstrapazierter Running Gag. Der Knabe entwickelt sich überhaupt nicht weiter, er scheint im Gegenteil mit fortschreitender Handlung immer dümmer zu werden. Fahrig und dauernuschelnd torkelt er durch eine Welt, die er zwar nicht versteht, aber permanent zu „retten“ versucht. Wesentlich überzeugender sind hier die zahlreichen charismatischen Nebenfiguren, deren Geschichten aber entweder gar nicht oder leider nur sehr unbefriedigend zu Ende erzählt werden. Stattdessen gibt es jede Menge unsinnige Gimmicks, Seitenhiebe auf Trump und die blutig gefolterte Tochter von Meryl Streep zu bewundern. Das Finale verspricht dann ganz kurz doch noch eine clevere Auflösung, ersäuft am Ende aber in larmoyantem Kitsch. Geh ins Licht, Mr. Robot, geh ins Licht!

Schließlich sind da noch die vielen offensichtlichen Referenzen: The Matrix, Fight Club, 12 Monkeys … sowie eigentlich jeder Hackerfilm, den ich bisher gesehen habe. Und es gibt einige Szenen, die sind so eindeutig an David Lynch angelehnt, dass es fast schon eine Frechheit ist. Bei Lynch ist Surrealismus ja Programm, hier wird er dagegen wie eine alberne Garnitur dazwischen gestreut. Auf Wikipedia ist zu lesen, dass der Regisseur Sam Esmail Mr. Robot ursprünglich als Film konzipiert hatte. Wäre er mal bei diesem Konzept geblieben. Das ist Ding eindeutig zu lang und ihm am Ende offenbar über den Kopf gewachsen. Vielleicht ist das alles aber auch nur mein ganz persönliches Problem. Ich habe vermutlich einfach schon zu viel gesehen. Die allwissende bloggende Müllhalde muss ihre Festplatte wohl einfach mal wieder neu formatieren, oder am besten gleich ins Feuer werfen, so wie es die Hacker in Mr. Robot tun. Und die ganze Film- und Serienindustrie gleich hinterher. Burn, Hollywood, burn!


Abbildung: Screenshot aus dem besseren Teil von Mr. Robot

Meine Opfer sind bei den Gedanken

Was der AfD die Messermorde, sind den Klimahüpfern die Flutkatastrophen (wahlweise auch 30 Grad im Schatten, irgendwas mit Wetter jedenfalls). Es wird wie auf Bestellung Schuld verteilt und Wahlkampf gemacht. Oder eben abgewiegelt und zur Mäßigung aufgerufen. Wie es gerade passt. Denn wenn der Feind bekannt ist, hat der Tag Struktur (offizielles Dalai-Lama-Zitat). Textbausteine und Trauerkerzen gibt es in jedem Fall gratis oben drauf. In diesem Theater bleibt kein Auge trocken und kein hohle Phrase ungenutzt: Merkel hat mitgemessert, Weidel hat mitgeschossen und Laschet hat mitgeregnet. Im Sozialismus wäre das alles übrigens nicht passiert. Schauen Sie doch nach Kuba. Die Leute haben vielleicht nichts zu futtern, aber wenigstens stimmt die CO2-Bilanz. Die wissen einfach nicht, wie gut sie es haben. Buena Vista Tunnelblick. 

Gott ist eine Umschalttaste

Viel war in letzter Zeit über den Wandel der deutschen Sprache zu lesen. Über Gender-Sternchen und Binnenlaute, über die Abschaffung der Damen und Herren sowie die inklusive Umwandlung von Bundestrojanern (neu: auskundschaftende Personen) und sonstigen Terroristen (neu: Terrorisierende). Aber sind damit die Potentiale von Rechtschreibung und Grammatik wirklich schon ausgeschöpft? Wenn Ihnen das alles noch nicht weit genug gehen sollte, wenn Sie die deutsche Schriftsprache grundsätzlich als experimentelle Performance begreifen und Texteditoren gerne richtig bluten lassen, wenn Sie darüber hinaus ein Herz für Gott und Vaterland haben, sich für Chemtrails, den Nahen Osten, die Bilderberger, Schusswaffen, Solarenergie, Zahnersatz und das ewige Leben interessieren, dann schauen Sie unbedingt bei DEN GERMANEN vorbei! Hier werden Sie nicht nur formal, sondern auch inhaltlich überwältigt werden. Tatsächlich haben DIE GERMANEN in Personalunion ihres Gründers, Vorsitzenden und offenbar einzigen Mitgliedes ein Textwerk zusammengestellt, das in seiner schieren Ausführlichkeit alles in den Schatten stellen wird, was Sie bisher im Internet gelesen haben. Denken Sie an eine Mischung aus Ulysses, der Bibel und dem Telefonbuch, garniert mit gut der Hälfte aller jemals bei Youtube veröffentlichten Aufklärungsvideos. Ver-STEHEN Sie, was I-C-H Ihnen damit SAGEN will ???

House of Cards (Saure Gurken Edition)

Wenn man schon abschreibt, dann sollte man sich wenigstens nicht erwischen lassen.
(Claudia Roth, 2011)


Frühjahr 2021: Ganz Deutschland ist im Impffieber. Ganz Deutschland? Nein. Irgendwo in Berlin wird eine Kandidatin ins Rampenlicht geschoben. Jung, frisch, pausbäckig, grün, Liebling der Medien, was kann da schon schief gehen? Der STERN jubelt, der SPIEGEL ist außer sich und das ZDF bekommt feuchte Höschen. Zur Begleitung der anrollenden PR-Kampagne wird auch noch schnell ein Buch auf den Markt geworfen. Natürlich hatte die Kandidatin keine Zeit, das Buch selbst zu schreiben. Stattdessen liefert ihre Praktikantin dem dazu eilig angemieteten Journalisten die wichtigsten Stichpunkte: Alles Neu, alles Grün, Jetzt, Morgen, Übermorgen, Zukunft, Klima, Quote, Gerechtigkeit, Windmühlen, Jesus, Europa, Friede, Freude, Eierkuchen. Der Journalist nimmt die Stichpunkte und rennt damit durchs Internet, denn auch er hat keine Zeit und die Deadline für den Druck war vorgestern. Die so zusammen gestoppelten Textbausteine werden gerade noch rechtzeitig zwischen zwei Buchdeckel gepresst und ab geht die Post. Wird schon keiner merken, machen doch alle so und außerdem liest die Scheiße doch sowieso niemand. Die Kandidatin braucht halt was um es in die Kamera zu halten bei den Presse-Terminen. 

Drei Monate später. Krisenstimmung. Irgendjemand hat die Scheiße wohl doch gelesen. Und gegoogelt. Und dann das Ergebnis mit den öffentlichen Auftritten der Kandidatin, bei denen sie meist das rhetorische Geschick eines Teletubbies zur Schau stellt, gegengerechnet. Dann kommen Geschichten über verschlampte Parteigelder, schiefe Lebensläufe und fragwürdige Stipendien. Der Wind dreht sich, Anne Will wird unfreundlich und die taz bläst zum Angriff. Auf ihrem Anrufbeantworter ist das Lachen von Martin Schultz zu hören. Das Wahlkampfteam versichert der Kandidatin, dass sie nichts falsch gemacht habe, die Umfragen weiterhin top sind und dass sie diese ganz offensichtlich direkt aus Moskau gesteuerte faschistische Hetzkampagne schon bald im Stahlgewitter demokratischer Aufrichtigkeit zerschmettern wird. #JetztErstRecht

Irgendwo hinter dem Regenbogen wartet ein hässliches Sofa auf seine Hinrichtung

Ich hatte in den letzten Tagen tatsächlich darüber nachgedacht, meine zwei Cents zu dem Regenbogen-Gedöhns im Zusammenhang mit der Fußball-EM abzugeben. Nun ist das Gedöhns aber inzwischen verpufft und das öffentliche Gekloppe dreht sich wieder um die Kapriolen der Bundeskopiermaschine ™Annalena. Die passt allerdings auch ganz gut zum Thema. Denn diese ganze lärmend selbstgerechte Blase, die sich nach außen als bunt und vielfältig zu verkaufen versucht, während sie zeitgleich im Inneren immer mehr Konformität einfordert, hat mittlerweile ein Clown-Level erreicht, das ich höchstens noch zur Kenntnis, aber schon lange nicht mehr ernst nehmen kann. 

Apropos Clowns und Regenbogen: Manege frei für die Pride Love-Seats, eine Kollektion von Sofas, die passend zur Saison von IKEA in Kanada stolz und divers aufgepimpt wurden. Als Inspiration dienten dabei die individuellen Beflaggungen der einzelnen LGBTQetc.-Sektionen. Denn längst hat die gute alte Regenbogenfahne zahlreiche Geschwister bekommen. Es folgt dazu nun eine kurze Design-Kritik. 

Das Two-Spirit-Sofa

Dass es mehr als zwei Geschlechter geben könnte, ist keine wirklich neue Idee, sondern hat offenbar auch bei den Stämmen nordamerikanischer Ureinwohner eine lange Tradition. Und genau die dürfen sich jetzt über ein rabenschwarzes indigen-queeres Gruftisofa freuen, auf das leider etwas uninspiriert (pun intended) ein schnöder Regenbogen-Kissenbezug aufgeklöppelt wurde. Eine Mischung aus Edgar Allan Poe und einem Testbild. Die Geister der Ahnen werden darüber noch zu richten haben.


Das asexuelle Sofa

Eine riesige verschimmelte Vagina, horizontal gelegt, in den Fun-Farben Lila und Grau. Dass man da die Lust auf Sex verliert, leuchtet ein. 


Das transsexuelle Sofa

Die unbequemste Truppe bekommt hier das harmloseste Design. Dafür gibt es für sie gleich zwei Ausführungen, die erste erinnert etwas an Laura Ashley, die zweite ist offenbar für’s Kinderzimmer gedacht. Hier könnten die weißen Wattewölkchen beim Sitzen eventuell etwas unbequem werden, sie lassen sich aber – ähnlich den primären Geschlechtsorganen der Zielgruppe – bei Bedarf einfach neu anordnen. Das Laura-Ashley-Modell lässt sich darüber hinaus ausklappen und enthält im Unterboden ein praktisches Messer-Set zum mitnehmen. Falls gerade mal wieder zum Lynchen von J.K. Rowling aufgerufen wird. 


Das bisexuelle Sofa

Wer ist nicht schon mal schweißgebadet aus einem Alptraum erwacht, in dem er oder sie von einer Armee anonymer Hände verfolgt und begrapscht wurde? Und hinterher glaubt einem das wieder keiner … *kreisch* Dieses psychedelische Modell mit seinen intensiven Pink- und Violett-Akzenten sollte in keiner therapeutischen Praxis fehlen.


Das lesbische Sofa

Lesben essen am liebsten Erdbeer- und Bananenjoghurt, das haben aktuelle Studien aus den USA eindeutig erwiesen. Manchmal kaufen sie aber zu viel davon. Wenn dann die Verzehrdaten ablaufen, wird das Zeug einfach im Rahmen eines empowernden lesbischen Action-Painting-Workshops auf dem Mobiliar verteilt. Dort sitzend, bekommen die Lesben dann natürlich sofort wieder Appetit und kaufen noch mehr Fruchtjoghurt. Ein irrer Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt!


Das progressive Sofa

Für den progressiven Urban Gardener wird selbstverständlich auch das Sofa zum Blumenbeet. So lassen sich Flora und Fauna organisch in die heimische Wohnlandschaft integrieren. Bald schon landen Schmetterlinge in oder auf der morgendlichen Soja-Latte. Holladrio!


Das pansexuelle Sofa

Unsere pansexuellen Genoss*innen sind bekanntlich keine Kostverächter, sprich: sie vögeln alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Wie ließe sich das besser ausdrücken als in diesem schlichten, eiscreme-farbenen Funktionsmöbel, auf dem die Begierden symbolisch ineinander fließen. Ying und Yang, Vanille und Himbeere, rauf und runter, Fix und Foxi … Alles kann, nichts muss. Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften.


Das nonbinäre Sofa

Dieses Prachtstück im hippen Bondage-Style kommt mit einer genauen Anleitung zu Nennung der jeweilig bevorzugten Personalpronomen. Sollte der Beipackzettel fehlen, so sprechen Sie das Möbel bitte einfach im Plural an, auch wenn Sie nur eins davon besitzen. Achtung: nicht für Mathematiker geeignet!


Das genderfluide Sofa

Wer sich hier als Teil der fluiden Community nach einem langen Tag identitären Ping-Pongs niederlässt, wird durch das dynamische Tintenklecks-Design vorurteilsfrei empfangen. Rotweinflecken sind bei diesem Modell übrigens kein Problem. Prost!


Epilog: In einigen Wochen ist wieder CSD in Berlin. Zu diesem Anlass wird die Möbel-Höffner-Filiale in Schöneberg die exklusive Sitzgruppe Diversity präsentieren, die so vielfältig sein wird, dass Sie nicht mehr wissen werden, wo genau Sie sich eigentlich hinsetzen sollen. Die Branche spricht schon jetzt von einem epochalen Durchbruch.

Pulverdampf war ihr Parfum

Beim Wühlen durch Bücherkisten und Antiquariate kommen mir immer mal wieder drollige Titel unter. „Pulverdampf war ihr Parfum“ ist zum Beispiel ein Buch über Frauen im Wilden Westen und heißt im Original „The Gentle Tamers“. Der deutsche Titel stammt wahrscheinlich aus der selben Ära, in der Doris Day hierzulande noch als „Spion in Spitzenhöschen“ vermarktet wurde (ein Film, der im Original „The Glass Bottom Boat“ hieß). Passend dazu kann ich nun auch bekanntgeben, dass meine bisher noch unautorisierte Angela-Merkel-Biographie mit dem Arbeitstitel „Kartoffelsuppe war ihr Koks“ kurz vor der Fertigstellung steht. Apropos Drogen: Ebenfalls in einer alten Bücherkiste entdeckte ich einen Krimi von P. D. James, in dem ich unter anderem erfuhr, dass Psychiatrie-Patienten in den 60er Jahren noch mit Elektroschocks und LSD behandelt wurden – eine Methode, die ich zum besseren Verständnis dieses Blogs auch empfehlen möchte. Bleiben Sie ungesund!

Als die Sonne still verglühte

Ich wache auf, die Tanzfläche scheint leer zu sein. Nur ein einsamer Säufer dreht sich noch um die eigene Achse, seine Arme weit von sich gestreckt. Ich war wohl hinter meinem DJ-Pult eingeschlafen. Wie spät ist es? Mein Kopf dröhnt, der Raum vor mir fängt an zu schwimmen, irgendjemand muss mir Mescalin in mein Bier gekippt haben. Was soll’s, denke ich, halluziniere mir einfach ein Publikum zusammen und mache da weiter, wo ich aufgehört habe. Der Morgen ist jung, das Hirn abgeschaltet, Polen ist offen und die totale teutonische After Hour ist hiermit eröffnet. Deutschsprachige Musik, die fehlte noch, alles muss raus … So jung komm‘ wa nich mehr zusammen!


Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir verlassen jetzt den Orbit unseres Heimatplaneten und tanzen zu Sehnsucht, Muskeln und Meta-Pop: Wir fahren mit der Luftbahn durch die Nacht, wo der Sternenhimmel für uns lacht. Und all die Probleme auf der Erde liegen für uns in weiter Ferne. ++++++++ Zurück auf der Erde, springen wir aus der vierten Etage von Dussmann, um uns noch mal so richtig zu spüren. Was soll man sonst auch machen auf dieser gottverdammten Friedrichstraße? Gott hat für das alles nur sieben Tage gebraucht, und ich finde, genau so sieht’s hier auch aus ++++++++ Auferstehung in Germany und schon geht der ganze Mist wieder von vorne los: Neue Deutsche Welle ist Neue Deutsche Hölle! ++++++++ Dadaismus, bei dem man mit muss: Schlach ma dod, schlach ma dod, schlach ma ruhig dod! ++++++++ Wir sehen uns umgeben von Trümmern und begrüßen die untote Leiche von Kurt Weill, der wusste noch, wie man feiert … Ach, Brandylachen waren, wo man saß, auf dem Tanzboden wuchs das Gras! ++++++++ Geht’s noch? Merkst du, was ich merke? Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg. Die Distelmeyer-Gedenkwochen sind hiermit abgeschlossen, Prost! ++++++++ Später, viel viel später sehen wir verdächtige Raumgleiter am Horizont, sehen wir riesige eidechsenartige Panzer, sehen wir tanzende Bären … Hilfe, mein Kopf ++++++++ Irgendwo in der Zwischenzeit singt Ute Lemper über Corona, Paul Celan spritzt sich AstraZeneca auf dem Klo und ich knipse das Mondlicht an. Wir sehen uns an, wir sagen uns Dunkles, wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis! ++++++++ Wir sind betroffen, wir sind besoffen, wir sind die Dichter und Denker, wir sind die Roboter ++++++++ Was machen Sie eigentlich am Montag? Home Office? Projekte? Meeting? Pitch? Kickoff? Na, dann gleich noch mal Deichkind und die Arme in die Luft: Klick dich, fax dich, mail dich hoch, grapsch dich, quetsch dich, schleim dich hoch, kick dich, box dich, schlaf dich hoch. Bück dich hoch, ja! ++++++++ Zurück auf los und nichts wie raus, tonight we gonna party like it’s 1988: Das selbe Land zu lange geseh’n, die selbe Sprache zu lange gehört, zu lange gewartet, zu lange gehofft, zu lange die alten Männer verehrt. Ich bin rumgerannt, zu viel rumgerannt, ist doch nichts passiert ++++++++ Junge Leute sind gelangweilt, junge Leute sind verzweifelt, junge Leute werden zynisch, so war es immer, so wird es immer sein: Es ist so schön, kannst du die Welt so gut versteh’n, ich lieg mit vier Promille im Graben aus Versehen ++++++++ Wo ist die Liebe, wenn man sie braucht? Schmiegen Sie sich jetzt bitte eng an Ihren Tanzpartner. Wenn Sie keinen Tanzpartner haben, schmiegen Sie sich einfach an sich selbst, denn an den Stegen, den Stegen der Einsamkeit, dort am blutwarmen Ufer der Gier entdecken wir das Frühwerk von Veronika Fischer. Ach du meine Güte, ist das schön! ++++++++ Und wenn wir jetzt noch fünf Minuten durchhalten, nicht aufgeben, nur dieses eine Lied noch mitnehmen, dann sind wir Helden für einen Tag ++++++++ Aus, vorbei, ich muss ins Bett. Aber nicht ohne vorher noch die Bühne frei zu machen für die große, unvergleichliche KNEF: Als die Sonne still verglühte, rangen Frauen ihre Hände, liefen Männer bis ans Ende, bis ans Ende dieser Welt. ++++++++ Zu spät, zu früh, zu heiß, zu dicht. Gute Nacht.


Die Liste:

Deichkind – Luftbahn (2008)
Betterov – Dussmann (2021)
Nina Hagen – Lorelei (1983)
Foyer Des Arts ‎– Familie und Gewaltanwendung (1986)
Blixa Bargeld – Bilbao Song (2002)
Blumfeld – Verstärker (1994)
Lotte Ohm – Die Memoiren des Steven Spielberg 1 & 2 (1998)
Michael Nyman und Ute Lemper – Corona (1992)
Kraftwerk – Die Roboter (1978)
Deichkind – Bück dich hoch (2012)
Pankow – Langeweile (1988)
Faber – Generation YouPorn (2019)
Veronika Fischer – Guten Tag (1976)
Milliarden – Helden (2016)
Hildegard Knef – Die Herren dieser Welt (1970)