Irgendwo hinter dem Regenbogen wartet ein hässliches Sofa auf seine Hinrichtung

Ich hatte in den letzten Tagen tatsächlich darüber nachgedacht, meine zwei Cents zu dem Regenbogen-Gedöhns im Zusammenhang mit der Fußball-EM abzugeben. Nun ist das Gedöhns aber inzwischen verpufft und das öffentliche Gekloppe dreht sich wieder um die Kapriolen der Bundeskopiermaschine ™Annalena. Die passt allerdings auch ganz gut zum Thema. Denn diese ganze lärmend selbstgerechte Blase, die sich nach außen als bunt und vielfältig zu verkaufen versucht, während sie zeitgleich im Inneren immer mehr Konformität einfordert, hat mittlerweile ein Clown-Level erreicht, das ich höchstens noch zur Kenntnis, aber schon lange nicht mehr ernst nehmen kann. 

Apropos Clowns und Regenbogen: Manege frei für die Pride Love-Seats, eine Kollektion von Sofas, die passend zur Saison von IKEA in Kanada stolz und divers aufgepimpt wurden. Als Inspiration dienten dabei die individuellen Beflaggungen der einzelnen LGBTQetc.-Sektionen. Denn längst hat die gute alte Regenbogenfahne zahlreiche Geschwister bekommen. Es folgt dazu nun eine kurze Design-Kritik. 

Das Two-Spirit-Sofa

Dass es mehr als zwei Geschlechter geben könnte, ist keine wirklich neue Idee, sondern hat offenbar auch bei den Stämmen nordamerikanischer Ureinwohner eine lange Tradition. Und genau die dürfen sich jetzt über ein rabenschwarzes indigen-queeres Gruftisofa freuen, auf das leider etwas uninspiriert (pun intended) ein schnöder Regenbogen-Kissenbezug aufgeklöppelt wurde. Eine Mischung aus Edgar Allan Poe und einem Testbild. Die Geister der Ahnen werden darüber noch zu richten haben.


Das asexuelle Sofa

Eine riesige verschimmelte Vagina, horizontal gelegt, in den Fun-Farben Lila und Grau. Dass man da die Lust auf Sex verliert, leuchtet ein. 


Das transsexuelle Sofa

Die unbequemste Truppe bekommt hier das harmloseste Design. Dafür gibt es für sie gleich zwei Ausführungen, die erste erinnert etwas an Laura Ashley, die zweite ist offenbar für’s Kinderzimmer gedacht. Hier könnten die weißen Wattewölkchen beim Sitzen eventuell etwas unbequem werden, sie lassen sich aber – ähnlich den primären Geschlechtsorganen der Zielgruppe – bei Bedarf einfach neu anordnen. Das Laura-Ashley-Modell lässt sich darüber hinaus ausklappen und enthält im Unterboden ein praktisches Messer-Set zum mitnehmen. Falls gerade mal wieder zum Lynchen von J.K. Rowling aufgerufen wird. 


Das bisexuelle Sofa

Wer ist nicht schon mal schweißgebadet aus einem Alptraum erwacht, in dem er oder sie von einer Armee anonymer Hände verfolgt und begrapscht wurde? Und hinterher glaubt einem das wieder keiner … *kreisch* Dieses psychedelische Modell mit seinen intensiven Pink- und Violett-Akzenten sollte in keiner therapeutischen Praxis fehlen.


Das lesbische Sofa

Lesben essen am liebsten Erdbeer- und Bananenjoghurt, das haben aktuelle Studien aus den USA eindeutig erwiesen. Manchmal kaufen sie aber zu viel davon. Wenn dann die Verzehrdaten ablaufen, wird das Zeug einfach im Rahmen eines empowernden lesbischen Action-Painting-Workshops auf dem Mobiliar verteilt. Dort sitzend, bekommen die Lesben dann natürlich sofort wieder Appetit und kaufen noch mehr Fruchtjoghurt. Ein irrer Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt!


Das progressive Sofa

Für den progressiven Urban Gardener wird selbstverständlich auch das Sofa zum Blumenbeet. So lassen sich Flora und Fauna organisch in die heimische Wohnlandschaft integrieren. Bald schon landen Schmetterlinge in oder auf der morgendlichen Soja-Latte. Holladrio!


Das pansexuelle Sofa

Unsere pansexuellen Genoss*innen sind bekanntlich keine Kostverächter, sprich: sie vögeln alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Wie ließe sich das besser ausdrücken als in diesem schlichten, eiscreme-farbenen Funktionsmöbel, auf dem die Begierden symbolisch ineinander fließen. Ying und Yang, Vanille und Himbeere, rauf und runter, Fix und Foxi … Alles kann, nichts muss. Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften.


Das nonbinäre Sofa

Dieses Prachtstück im hippen Bondage-Style kommt mit einer genauen Anleitung zu Nennung der jeweilig bevorzugten Personalpronomen. Sollte der Beipackzettel fehlen, so sprechen Sie das Möbel bitte einfach im Plural an, auch wenn Sie nur eins davon besitzen. Achtung: nicht für Mathematiker geeignet!


Das genderfluide Sofa

Wer sich hier als Teil der fluiden Community nach einem langen Tag identitären Ping-Pongs niederlässt, wird durch das dynamische Tintenklecks-Design vorurteilsfrei empfangen. Rotweinflecken sind bei diesem Modell übrigens kein Problem. Prost!


Epilog: In einigen Wochen ist wieder CSD in Berlin. Zu diesem Anlass wird die Möbel-Höffner-Filiale in Schöneberg die exklusive Sitzgruppe Diversity präsentieren, die so vielfältig sein wird, dass Sie nicht mehr wissen werden, wo genau Sie sich eigentlich hinsetzen sollen. Die Branche spricht schon jetzt von einem epochalen Durchbruch.

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