Pharmazeutische Formulierungen

Ich sitze in einem Wartezimmer, vor mir zwei dauerplappernde Sprechstundenhilfen. Die eine hat am Tag zuvor einen Teller Nudeln gegessen und nun wird eifrig diskutiert, wie sich das wohl auf die Kalorienzahl ihrer aktuellen Diät auswirkt, blablabla … Acht Stunden lang hocken die hier jeden Tag, telefonieren mit hustenden Menschen und reden nebenbei über Nudeln, Hilfe! Bevor mein Gehirn austrocknet, klappe ich schnell das Internet auf und lande in der virtuellen Praxis des Pestarztes. Siehe da, vor ein paar Monaten überlegte ich noch, was wohl aus dem ollen Kiezneurotiker geworden sei, dabei bloggte der längst unter neuem Namen, aber in altbewährter Schärfe durch die Weltgeschichte. Ich habe ja gedacht, ich bräuchte das nicht mehr, das Kokettieren mit der eigenen Kaputtheit, die redundanten Rants in Dauerschleife, diese ganze einsame Helden-Scheiße. Ich habe mich geirrt. Ja, die Texte sind eigentlich wie immer, die Gegner sind immer noch die selben und sein Musikgeschmack ist immer noch grauenhaft. Aber er liest sich eben auch immer noch unglaublich unterhaltsam, er legt den Finger in den Eiter, ach was, den ganzen Arm legt er rein, er ätzt und fetzt, dass es eine Freude ist. Fazit: Er ist wohl leider doch zu gut, um ihn zu ignorieren. Für alle, die sich noch nicht durch das jüngere Gesamtwerk gefräst haben, empfehle ich „Meine scheiß Mutter lebt immer noch“, ein feuchter Traum für alle Hobby-Psychologen, sowie den aktuellsten Beitrag „Die Aktivisten sind wieder empört“, eine Abrechnung mit der noch immer ausufernden Empörungs- und Cancel-Kultur.

„Was seid ihr doof. Unendlich doof. Ihr erreicht mit diesem ständigen penetrierenden dauerempörten unendlich abgehobenen Geblöke genau das Gegenteil: Euch eigentlich grundsätzlich mal zugeneigte Leute wenden sich ab, wählen eure Parteien nicht mehr, lachen beim Bier über euren verkopften Scheiß, feixende Trolle stressen euch in die Schnappatmung und die vollkommen Frustrierten wählen seit Neuestem sogar rechts, weil das offenbar das ist, mit dem man euch am allermeisten ärgern kann und ihr merkt das alles nicht, sondern twittert munter weiter eure Moralinsäure in die Welt als gingen die Zehnerjahre, in denen ihr die uneingeschränkte Lufthoheit über alle Ressourcen hattet, nicht bereits in ein paar Monaten schon zuende.“

Nagel auf den Kopf, Treffer, versenkt. Aber vorher räumt Charlotte Roche im Supermarkt noch ein paar Fruchtsäfte um, für die gute Sache. Kauft nicht beim Sexisten! Das meint die ernst. Wahrscheinlich hilft das auch gegen Nazis und den Klimwandel. Dazu möchte ich noch kurz anmerken, dass Frau Roche schon immer so dumm war – ein dampfplauderndes, berufsjugendlich peinliches Globuli auf zwei Beinen. Da gab es in den letzten zwei Jahrzehnten keine merkbare Weiterentwicklung. Denis Scheck beschrieb das in der Besprechung eines ihrer Bücher mal sehr passend: „Alles, was durch die hohle Schüssel rauscht, muss raus.“

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