Planet der Affen

Was am zweiten Weihnachtstag von mir übrig blieb: ein zerrüttetes Nervenkostüm und etwas Restalkohol im Kreise der Familie. Dazu gab es das Abendprogramm des RBB, von dem ich nun Zeugnis ablegen will, denn so soll man es machen mit den schrecklichen und traumatischen Ereignissen unserer Geschichte, damit sie sich nicht wiederholen mögen. Schließlich haben wir diese Erde nur von Keith Richards geborgt *Applaus* – und schon sind wir drin in der Welt des öffentlich-rechtlichen Frohsinns: „30 Jahre Harald und Eddi“. Die Gags des alten Komiker-Duos sind heute zu etwa gleichen Teilen immer noch lustig und immer noch grauenhaft. Neu für mich war, dass „Harald und Eddi“ eigentlich nur ein deutscher Aufguss der BBC-Serie „The Two Ronnies“ war. Da habe ich also etwas gelernt, immerhin. Ansonsten war die Sendung wie alle diese billig zusammen gehunzten Kommentar-Shows aufgebaut: wir sehen eine Reihe aufgewärmter Sketche aus dem Archiv und dazu alle zehn Sekunden ein paar entweder arbeitslose oder verstorbene Schauspieler, die uns das soeben Gesehene noch einmal bemüht witzig nacherzählen. Absoluter Tiefpunkt der traurigen Kommentatoren-Parade: eine blond gelockte Trulla mit Jeansjacke, deren Name ich mir nicht gemerkt habe – offenbar eine rheinische Nachwuchs-Komikerin, die wohl auf eine Zielgruppe angesetzt wurde, für die Ruth Moschner immer noch zu intelligent ist. Die Trulla muss wirklich sehr wenig Geld gekostet haben, denn sie trullerte dermaßen inhalts- und geistlos vor sich hin, dass mir noch in der Erinnerung daran die Gehirnzellen im Dutzend absterben. Es gehört wohl zu der Tragik von Harald Juhnkes Leben, dass er eigentlich Frank Sinatra sein wollte, sein Andenken aber in dieser Hölle begraben liegt.

blackhole

Weiter ging es mit „rbb24“, früher als „Abendschau“ bekannt, wo ich unter anderem erfuhr, dass der Zirkus Roncalli in diesem Jahr vegan sei, also ohne Tiere. Ich lasse das einfach mal so stehen. Grundsätzlich bin ich natürlich auch gegen Tierquälerei. Ich bin auch dafür, sämtliche Zoos und Tierparks zu schließen und deren Bewohner in die Innenstädte zu entlassen, wo sie sich mal ordentlich austoben können. Inmitten des Berliner Silvester-Tourismus würde das gar nicht auffallen. Als erstes soll man bitte das Affen-Gehege öffnen und die Schimpansen zum Gebäude des RBB chauffieren, damit sie den dort Verantwortlichen mal zeigen, wie intelligente Unterhaltung geht. Apropos Zoo: das Abendprogramm endete mit dem Jahresrückblick von Dieter Nuhr. Der stand in einer knitterigen Lederhose auf der Bühne des Friedrichstadt-Palastes und ließ sich eine Stunde lang für jeden lahmen Halbsatz beklatschen. Trullali-Trullala, der Schnaps ist alle.


Abbildung: Das schwarze Loch des deutschen Humors.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.