#MeWho?

Meine zwei Cent zur Causa Özil hatte ich bereits vor mehr als einem Jahr in weiser Voraussicht an dieser Stelle abgegeben, man nennt mich nicht umsonst das Medium der neuen Zeit (Sabine Sangitar, eat your heart out!). Was ich dagegen vom Phänomen des Hashtag-Aktivismus halte, hatte ich am Beispiel von Weinstein und Co. durchblicken lassen. Die Auslöser von #Metoo und #MeTwo waren die denkbar ungünstigsten – erst der Skandal um einen amerikanischen Filmproduzenten, der von der eigenen Branche nach Jahrzehnten der Komplizenschaft zum Abschuss freigegeben wurde, dann ein beleidigter deutscher Fußballmillionär und Erdogan-Fanboy. Wer die damit verknüpften Themen schon vorher nicht ernst nahm, durfte sich durch diese Konstellationen nun erst recht bestätigt fühlen. Wie hoch ist überhaupt die Zahl der Beteiligten an diesen immer wieder zu mächtigen gesellschaftlichen Debatten hochgeschriebenen Twitter-Battles? Und wie vielen geht das Ganze am Allerwertesten vorbei? Ich selbst bin jedenfalls nicht bereit, mich an einem identitären Opfer-Täter-Bullshit-Bingo zu beteiligen, das aus mir wahlweise ein CIS, PoC, LGBTTQ oder wasweißich für eine Abkürzung macht. Ähnlich geht es wohl auch der Amerikanerin Candace Owens, obwohl die gerade ihre eigene, ganz spezielle #MeTwo-Geschichte erzählen könnte. Frau Owens (deren Ansichten ich übrigens nicht unbedingt teile, anders als sie bin ich z.B. der Meinung, dass es in den USA durchaus rassistisch motivierte Polizeigewalt gibt) hat ein Problem: sie ist eine konservative Trump-Anhängerin, hat dafür aber offensichtlich die falsche Hautfarbe. Im Weltbild linker Identity Politics dürfte sie also gar nicht vorkommen, weshalb sie sich von dieser Seite dann auch immer wieder die üblichen Stempel und Beschimpfungen abholen darf, frei nach dem Motto: wer Opfer ist, das bestimmen wir! Das nimmt dann mitunter absurde Auswüchse an. So durfte sie sich gestern von einer Gruppe besonders aufgekratzter Aktivisten aus einem Café brüllen lassen. Die selben Leute, die immer wieder lautstark vor dem Aufkommen eines neuen Faschismus warnen, lauerten hier also einer Frau auf, weil die eine ihnen nicht genehme Meinung vertritt. Vor der Tür wurde Candace Owens dann von der ganzen munteren Truppe empfangen: weiße Studenten, rosa gefärbt, die eine schwarze Frau aus einem Laden jagen, „Fuck White Supremacy!“ kreischen und sich dabei mit Smartphones abfilmen. Das hätte sich nicht einmal Monty Python ausdenken können. Hashtag Klapsmühle.

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