Okay Ladies, now let’s get in*formation*

Nun ist es ja so, dass Sprache das Anarchischste ist, was die Menschen haben: Entwickelt sich einfach so weiter, Leute sagen plötzlich „Schland“ und alle wissen, was gemeint ist, reden von Hashtags und alle nicken mit dem Kopf – oder auch nicht, was egal ist, denn eine Sprachpolizei, die uns vorschreibt, wie wir zu sprechen und zu schreiben haben, gibt es nicht, Gott sei Dank. Auch der Rat für deutsche Rechtschreibung, der sich jetzt besprochen hat (vorerst ergebnislos) und vielleicht irgendwann Empfehlungen aussprechen wird (die dann in den vorderen Teil des Dudens wandern, den eh niemand liest), ist keine Sprachpolizei und will auch keine sein. Und eigentlich ging es auch nur am Rande um das Sternchen, den sogenannten Asterisk.

(Süddeutsche, 08.06.2018)

Wenn ich das richtig einschätze, habe ich hier ca. zwei regelmäßige Leserinnen, wahrscheinlich sogar drei. Damit meine ich Frauen, Menschinnen mit einem Binnen-I, weibliche Wesen mit weiblichen Geschlechtsorganen und allem drum und dran. Rechne ich das auf meine insgesamt wahrscheinlich nur fünf regelmäßigen Leser*innen (bzw. „Leserinnen und Leser“, „Lesende“, „Lesemenschen“, „LeseXe“) hoch, so kann ich mit Stolz verkünden, dass ich wohl zumindest die Frauenquote übererfüllt habe. Schön wäre es, wenn ich auch mindestens einen Vertreter der LGBTQ*XYZetc.-Gemeinschaft zu meinem Publikum zählen dürfte, wobei ein genderqueer-fluides Wesen natürlich schon ein wenig prickelnder wäre als z.B. einfach nur ein schwuler Mann, letzteres bin ich schließlich schon selbst. Sollte sich in meiner imaginären Leserschaft überraschenderweise auch ein MOSFI („Menschen ohne Sinn für Ironie“ – eine stetig wachsende Minderheit, die sich ihr eigenes Satzzeichen erst noch verdienen muss) befinden, so würde ich diesem Menschen nun gerne folgendes erklären: Nein, ich glaube nicht, dass unser Zusammenleben durch offizielle Sprachregelungen leichter oder gerechter wird. Natürlich ließe sich gerade die deutsche Sprache (in der DER Mensch ansich ja schon ein männliches Pronomen trägt) gendertechnisch beliebig ausbessern oder erweitern. Schließlich entwickeln sich Grammatik und Rechtschreibung seit Jahrhunderten aus den unterschiedlichsten Gründen weiter, warum also nicht auch aus diesem? Hilft das aber tatsächlich irgendjemandeX, um sich in dieser Gesellschaft anerkannter zu fühlen? Zurecht wurden seinerzeit (ihrerzeit, Xzeit … damals) die Sprachexperimente von „ProfessX“ Lann Hornscheidt an der Humboldt-Uni belächelt – nicht weil sie im Ansatz falsch wären, sondern weil deren Ergebnisse so ungelenk und unfreiwillig komisch wirkten. Je ernsthafter etwas betrieben wird, desto ulkiger wirkt es nun mal (das gilt übrigens ebenso für die selbsternannten Gegner des ProfessX). Und ja, ich kann jemanden durchaus respektieren und mich gleichzeitig über ihn lustig machen. Ich habe „ihn“ geschrieben, denn über Frauen würde ich natürlich niemals Witze machen, das versteht sich doch von selbst!

Was mich zum eigentlichen Anlass dieses wirren Textes bringt. Liebe Frauen, Ladies, Sugarmamas, weibliche Wesen, die Sie diese Zeilen lesen: was kann ich tun, um Ihnen die Lektüre, wohlmöglich gar das gesamte Dasein, zu erleichtern? Soll ich meine Pronomen checken? Neue Satzzeichen einführen? Weiblicher schreiben? Oder wollen Sie mir vielleicht einfach nur mal in die Eier treten? Wie soll es weitergehen?

*Headline sponsored by Beyoncé

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2 Kommentare zu „Okay Ladies, now let’s get in*formation*

  1. Schreib weiter wie Du willst, ich und jede/jeder andere kann lesen, muss aber nicht. Gerade das macht das Leben spannend, die verschiedenen Ansätze. Und das, worum es in dieser Diskussion eigentlich geht, Teilhabe(oder Wahrnemung…?), dafür müssen wir in Gesprächen werben, durch unseren Einsatz, durch die Bereitschaft, auch Verantwortung zu übernehmen.
    Manche Trends gehen mir sehr auf den Keks, siehe Grommringer-Text etc. , nicht alles läßt sich zu aller Zufriedenheit lösen, die immer weitere Bemühung um Gerechtigkeit lähmt auch.

    1. Vielen Dank, ich schreibe selbstverständlich weiter wie es mir beliebt. Und ja, Teilhabe entsteht wohl dadurch, dass ich teilnehme – nicht als orthographische Lücke, sondern als Mensch.

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