Toll trieben es die alten Trolle

In vordigitalen Zeiten galt der Job eines Geheimagenten noch als Traumberuf. Man reiste mit gefälschten Pässen durch die Welt, traf sich nachts zum Austausch von Mikrofilmen unter dunklen Brücken und legte, wenn man Glück hatte, ab und zu einen attraktiven Feind flach. Heute tummeln sich in dieser Branche fast nur noch anonyme Hacker, Bots und Social-Media-Trolls, und glaubt man der angesichts dieser Tatsache noch immer komplett überforderten Presse, ist das im Prinzip ein und dasselbe. Ist es natürlich nicht, aber erklären Sie mal einem 50-jährigen Akademiker das Internet … Mission impossible. Nun war die illegale Beschaffung von Informationen schon immer die Kernkompetenz von Geheimdiensten. Dass diese in Zeiten, da die meisten Menschen ihre persönlichen Daten freiwillig und ausgiebig ins Netz kippen, sich nicht plötzlich an Gesetzgebungen gebunden fühlen, dürfte also niemanden überraschen. Trotzdem läuft die Empörungsmaschine darüber immer wieder regelmäßig auf Hochtouren, vom vermeintlichen NSA-Skandal bis hin zu den allmächtigen Russentrolls. Eine wissentlich platzierte Falschmeldung auf Facebook gilt aktuell als politisches Verbrechen. Frage: wenn mich demnächst jemand in der U5 anlügt, darf ich dann die BVG, vielleicht sogar den Berliner Senat verklagen? Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften!

Tscheburaschka

Abbildung: Tscheburaschka, der erste öffentlich gesichtete Russentroll der Neuzeit (hier auf dem Weg zur Kommandozentrale in Leningrad, kurz vor der Perestroika)

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6 Kommentare zu „Toll trieben es die alten Trolle

  1. Versuch einer ernstgemeinten Zuschrift: Wenn dieser jemand regelmäßig die BVG dazu missbraucht, seine Lügen unters BVG-fahrende Volk zu bringen, sprich die BVG-Kundschaft mit seinem privaten Anliegen belästigt, dürfen Sie die BVG verklagen. Wozu es aller Wahrscheinlichkeit aber nicht kommen wird, denn zuvor wird die BVG von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht haben und dieser Person die Nutzung der U-Bahnen (für diese Zwecke) untersagen haben.
    – Wie finden Sie diese ernstgemeinte Zuschrift?

  2. Ganz grundsätzlich und quasi als Willkommensbonus finde ich diese Zuschrift spitzenmäßig, also Danke dafür. Hätten Sie Recht, müsste die Rechtsabteilung der BVG allerdings größer sein als die der Firma TRUMP – bei dem, was man da so geboten bekommt.

    1. Mit der kann man gar nicht selten genug fahren. Wenn ich aber gleichzeitig bedenke, was mir Taxifahrer schon alles für Märchen erzählt haben, muss ich feststellen: es gibt kein Entrinnen vor Fake News! 😉

      1. Bleibt noch das Fahrrad (mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel). Muss man sich zwar gelegentlich von der Süddeutschen Zeitung als „Strampelnazi“ beschimpfen lassen, stecke ich aber locker weg. 🙂

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