Thoughts become things

Das Abstimmungsergebnis war mehr als überwältigend. Die Belegschaft und die Bewohner des „Happy Hostels“ in der Moabiter Paulstraße sprachen sich in der vergangenen Woche so gut wie einstimmig für den Verbleib der beliebten Aufschrift „Thoughts become things“ an der nördlichen Fassade des Gebäudes aus. Auch der Smiley soll bleiben. Die einzige Gegenstimme kam von Manfred Miesmuschel, dem Hausmeister des Hostels und Initiatoren der Abstimmung. Herr Miesmuschel weigert sich seitdem, das Ergebnis anzuerkennen. Die provokante Botschaft gehöre schleunigst entfernt, so der langgediente Hausmeister, denn sie decke sich in keinster Weise mit seiner Lebensrealität. So würde er schon seit Jahren an eine junge großbusige Verlobte denken, die sein einsames Dasein bereichern solle, trotzdem hätte sich diese bisher nicht materialisiert. Er denke außerdem beinah täglich an neue Foltermethoden, mit denen er die frechen Hostelbewohner für ihre schlampig hinterlassenen Billigzimmer bestrafen könne, aber auch hier wäre aus seinen Gedanken nie irgendein „Ding“ geworden. Miesmuschel spricht von bewusster Irreführung und von psychischer Grausamkeit. Eine zivilrechtliche Klage schließt er nicht aus.

happyhostel

Was wir in den letzten Wochen (außerhalb von Moabit) sonst noch lernen konnten: Obwohl sämtliche Boulevard-Medien es hartnäckig voneinander abschrieben, will Oprah Winfrey dennoch nicht Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Jetzt müssen sie leider woanders nach der Rettung vor Donald Trump suchen. Frau Winfrey sollte sich was schämen und sich ein Beispiel an anderen Milliardären nehmen, die sich gerade mal wieder um die Zukunft der Menschheit sorgen. George Soros zum Beispiel, der kurz vor dem Sensenmann noch mal moralische Bauchschmerzen bekommt und vor dem Untergang unserer Zivilisation warnt. Oder Chamath Palihapitiy, ein ehemaliger Facebook-Mitarbeiter und Silicon-Valley-Investor, dem es mittlerweile peinlich ist, am Aufstieg der Sozialen Medien beteiligt gewesen zu sein und der jetzt anstatt von Selfies und Katzenvideos lieber vom Sieg gegen den Krebs und die Erderwärmung predigt. Die ganz großen Aufgaben also – darunter machen sie es nicht, die neureichen Weltverbesserer. Zur gleichen Zeit kam es in Frankreich zu Tumulten, weil einige Supermärkte die Preise für Nutella ins Bodenlose purzeln ließen. Und wenn Sie das noch nicht deprimierend genug finden, so hören Sie sich doch bitte mal eine Rede der neuen Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock an. Danach bleibt Ihnen nur noch der Strick oder ein Blick auf die Fassade des „Happy Hostels“. Denken Sie positiv, affirmieren Sie ein Einhorn!

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3 Kommentare zu „Thoughts become things

    1. Die Kraft der Affirmation hängt davon ab, für wie wahrscheinlich wir deren Ergebnis halten. Deshalb klappt das mit Parkplätzen meist auch besser als mit einem Lottogewinn. Das sage ich als anerkannter Experte für den Grenzbereich zwischen Psychologie und Metaphysik!

      1. Ich verneige mich. Erst ignorierst du gütig, dass mein geschwätziger Kommentar dein Thema völlig verfehlt hat und dann lieferst du mir noch die Erklärung, weshalb ich keine Millionärin bin. Es geht nix über Experten.

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