Des Teufels rechte Hand

There are no good guns. There are no bad guns.
(Charlton Heston, ehemaliger Moses-Darsteller und NRA-Präsident)

Mama said the pistol is the devil’s right hand.
(Johnny Cash)

Vor gut zwanzig Jahren gab es in Berlin kaum eine Geburtstagsparty, auf der man nicht mit den Soundtracks von Pulp Fiction oder Natural Born Killers belästigt wurde. Tarantino war der Freifahrtschein für europäische Studenten, die über schießwütige Amis die Nase rümpften und gleichzeitig den eigenen superironisch hochgejazzten Blutrausch durch deren Filmindustrie kanalisierten. Ein paar Jahre zuvor hatte ich zum ersten Mal, ich glaube aus dem Mund von Michael Stipe, den Begriff Gun Control gehört. Es war in einem dieser politischen MTV-Spots der frühen 90er Jahre und ich war gerade zum ersten Mal in God’s own Country unterwegs. Je älter man wird, desto länger wir die Vergangenheit, ja ja. Immerhin bin ich noch am Leben und nicht von einem Irren, der Stimmen hört, in der Wüste von Nevada niedergeschossen worden. Gun Control – so heißt das ewige Reizthema einer Nation, die mit Gewalt erobert wurde und sich noch immer mit Gewalt verteidigt. Jeder gegen Jeden, private guns gegen private citizens. Der Waffenbesitz ist ein amerikanisches Bürgerrecht – eines, das einmal ähnlich mühsam und kontrovers erkämpft wurde wie die Errungenschaften der Bürgerrechtsbewegungen des 20. Jahrhunderts. Und sollte jemand versuchen, auch nur ein ganz klein wenig daran zu kratzen – weil es jetzt vielleicht doch mal genug ist mit den ganzen ermordeten Vorschulkindern, Kirchenbesuchern, Clubkids oder Country-Fans – dann kommt Präsident Twitter und macht den Kratzer wieder weg. Versprochen, liebe NRA.

Beinahe dreißig Jahre ist es inzwischen her, dass ich zum ersten und bisher einzigen Mal eine Maschinenpistole in der Hand hielt und abfeuerte. Im real existierenden Sozialismus wurde man frühzeitig an die Waffen geführt, immer im Sinne des Friedens und der Völkerfreundschaft natürlich. Ich war nie ein Waffennarr und habe mich später für den Zivildienst entschieden. Aber was soll ich sagen: das Rumgeknalle mit der Maschinenpistole damals in diesem Moment, das hat Spaß gemacht. I guess I was born, naturally born, born bad. Knobelaufgabe zum Wochenende: Interpretieren Sie den zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten!

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2 Kommentare zu „Des Teufels rechte Hand

  1. Hm Du möchtest einen Kommentar? Nicht wirklich, vermute ich, Eher möchtest Du Zustimmung zu Deinem spiessig-antikommunistischen Rant. Aber weder im real existierenden Sozialismus noch in der gutbürgerlichen Schweiz gab oder gibt es diese Anzahl an Schusswaffentoten.

    Das Problem in den USA ist komplex. Man kann ca. 350 Millionen Schusswaffen selbst dann nicht einfach einsammeln, wenn man morgen den Schusswaffenverkauf komplett verbietet. Allerdings war das „Bürgerrecht“ stets ein Recht der Bürger, „erkämpft“ gegen Nichtbüger wie Indianer und Arme, das Recht, viele Waffen zu besitzen und damit underdogs abzuknallen. Du schwafelst das schön wie du den „real existierenden Sozialismus“ bepöbelst.

    Übrigens macht Schiessen Spass. Es ist ein Geschicklichkeitssport. Aber jeder denkende Mensch muss sich bewusst sein, dass eine Schusswaffe kein Verteidigungsmittel ist. Als Geschicklichkeitsfähigkeit erfordert Schiessen Ruhe, Sammlung und Ungestörtheit, nichts von dem ist in Gefahrensituationen vorhanden. Adrenalinausschüttung in Gefahr verursacht verringerten Visus, Schmerzunempfindlichkeit, feinschlägiges Zittern und die Bereitschaft, sich voran zu stürzen oder wegzurennen (dazu noch spontanen Urin- und Kotabgang). Nichts davon ist besonders nützlich zur kompetenten Benutzung einer Schusswaffe.

    Daher ist die US-Schusswaffenideologie Idiotie. Nur geht sie dadurch nicht weg.

    1. Liebes „aquadrat“,
      vielen Dank für den engagierten Kommentar. Ich möchte Ihnen gerne antworten und dies gleichzeitig als exemplarische Antwort an all die anderen wackeren Genossen verstanden wissen, die mir hier noch immer vom „Feynsinn“-Blog herüber gespült werden. Ich hatte den Betreiber bereits vor einiger Zeit höflich gebeten, mich aus seiner Link-Liste zu entfernen, kann ihn aber schließlich nicht dazu zwingen.

      Ich habe den real existierenden Sozialismus in meiner Jugend noch selbst erlebt, daher erlaube ich mir auch, ab und zu kleine Anmerkungen oder Anekdoten bezüglich dieser Zeit hier zum besten zu geben. Dass Sie dies als ideologische Pöbelei empfinden, beweist nur Ihre eigene fortgeschrittene Fanatisierung. Im Übrigen verunglimpfen sich die Gespenster der Sozialismus oder Kommunismus (auch dank solcher Gestalten wie Ihnen) jeden Tag immer wieder selbst. Dazu brauchen die mich gar nicht. Der Rest Ihrer pedantischen Suada zeigt, dass Sie offenbar die Sprache dieses Blogs nicht verstehen. Das macht aber nichts.

      Vorwärts immör, rückwärts nimmör!
      Ihr Antikommunist

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