Mamma Mia! (No Wummen, no Cry)

Anni-Frid Lyngstad – im popkulturellen Gedächtnis vor allem als „die Rothaarige von ABBA“ abgespeichert – war bereits über 30 Jahre alt, als sie zum ersten Mal ihren leiblichen Vater traf. Dass sie das prominenteste Kind des Lebensborn-Programms der Nazis war, wusste sie zu diesem Zeitpunkt schon. Die kleine Anni-Frid war „guten Blutes“, zumindest nach der Logik von Heinrich Himmlers Arierzucht-Programm. Eher ungeplant war dabei wohl ihre spätere Karriere als internationale Disco-Queen. Heute tanzen wahrscheinlich auch Frauke Petry und Alice Weidel zum Soundtrack von „Mamma Mia!“ und die Wiederentdeckung der Frau als nationale Gebärmutter wird von flockigen Sprüchen wie „Neue Deutsche? Machen wir selber“ begleitet. Die aktuellen Wahlkampf-Motive der AfD sind auffallend maternal und überhaupt fast ausschließlich weiblich: schwangere Bäuche, Bikinis, Dirndl und immer wieder die heilige Frauke mit Kind (und neuerdings ohne Immunität). Wo sind die Männer? So ganz ohne männliche Beteiligung wird der Schutz des Blutes doch auch heute nicht funktionieren (gimme, gimme, gimme – a man after midnight). Oder? Nach Plakaten mit der Aufschrift „Bleib standhaft, deutscher Penis!“ hält man aber vergeblich Ausschau.

Der Grand Prix für den dämlichsten Wahlkampf-Spruch geht in diesem Jahr allerdings nicht an die AfD (obwohl die sich nun wirklich wieder sehr viel Mühe gegeben hat), sondern an die noch junge Partei „Demokratie in Bewegung“ und ihr Wortspiel-Verbechen „No Wummen, no Cry“. Aua!

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2 Kommentare zu „Mamma Mia! (No Wummen, no Cry)

  1. Da ich kürzlich an den Perlen der Weisheit genascht habe, muss ich hier mal etwas richtig stellen. Der Bob Marley-Song „No, woman, no cry“ hat ein Komma nach dem ersten No. Und somit ergibt sich eine völlig andere Bedeutung. Entgegen der landläufigen Annahme „No wife = no problem“, ist es eine doppelte Verneinung als Verstärkung der Aussage: „No, woman, don’t you cry“… in regulärem Englisch. Aber auf jamaikanischem Englisch einfach „Nah, woman, nah cry“. Ich habe das erst jüngst rausgefunden beim Lesen der Lyrics… und fand es erstaunlich, dass ein so ikonischer Song völlig falsch verstanden wird. Es lebe die Grammatik: http://www.songtexte.com/songtext/bob-marley/no-woman-no-cry-33cfdc0d.html

  2. Danke für diese Information. Ich habe „No woman, no cry“ (also ohne das erste Komma) immer in dem Sinne interpretiert, dass es ohne Frauen keine Tränen gäbe … oder so ähnlich. Ergibt wohl auch nicht so viel Sinn. Und Entschuldigung für die späte Freischaltung des Kommentars – ich habe ihn tatsächlich gerade erst entdeckt!

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