Journalismus ist Jazz und ich bin fast berühmt.

In der IMDb-Rangliste der beliebtesten Filme belegt The Shawshank Redemption regelmäßig den ersten Platz. Ich mache mir nichts aus Gefängnisdramen, darf aber anmerken, dass mein persönlicher Lieblingsfilm, The Hudsucker Proxy, nicht nur im selben Jahr wie der Spitzenreiter gedreht wurde, sondern auch mit dem selben Hauptdarsteller. Welchen Platz er in der genannten Rangliste belegt, weiß ich nicht, unter den ersten 250 scheint er jedenfalls nicht zu sein. Passend dazu eine kurze Rückblende: Vor fast genau 22 Jahren, im Sommer 1995, also ein Jahr nach Shawshank und Hudsucker, hatte mir jemand einen duften Studentenjob vermittelt: Ich saß als Nachtschicht in einem großen Trickfilm-Studio in der Kastanienallee und scannte Zeichnungen für den nächsten Benjamin-Blümchen-Film ein. Manchmal war ich dort nachts ganz allein, mit einem Generalschlüssel zu dem gesamten Studio. Ich hätte den Laden einfach ausräumen können, es gab keinen Wachschutz, niemand passte wirklich auf. Stattdessen ging ich zwischendurch öfter mal ins Schlot nebenan, um mir ein wenig Live-Jazz reinzuziehen. Ungefähr bis vier Uhr morgens, dann ging ich, ordentlich beschwingt, wieder zurück zu Benjamin Blümchen. Warum ich das erzähle? Weil diese Episode mir schließlich meinen ganz eigenen Eintrag in der Internet Movie Database beschert hat. Geben Sie dort mal meinen Namen ein, Sie werden staunen. Sicher, ich wäre lieber als Darsteller gelistet (z.B. als einer von Amy Archers moralisch abgewrackten Reporter-Kollegen), aber der Weg nach Hollywood ist lang und steinig. The Hudsucker Proxy ist – nur für den Fall, dass Sie es noch nicht wussten, meine lieben Leser – ein dramatisch unterschätztes Juwel der Coen-Brüder, ein großes Fest für alle Freunde des intelligent überdrehten Bild- und Wortwitzes, ein Geschenk für die Verehrer von Tim Robbins und Jennifer Jason Leigh und nicht zuletzt die Erklärung für die Erfindung des Hula-Hoop-Reifens! Heute soll er mir aber vor allem als Nachtrag zum Internationalen Tag der Pressefreiheit dienen. Der Journalismus ist ein ehrenhaftes und schützenswertes Geschäft. Edel und gut sind die Menschen, die in ihm arbeiten. So war es immer schon und so wird es immer bleiben. Gute Nacht, die Schreibmaschine raucht …

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5 Gedanken zu “Journalismus ist Jazz und ich bin fast berühmt.

  1. Ich gehöre zufällig zu den wenigen Hudsucker-Fans. Und meine Medienkarriere zu dieser Zeit bei F.A.B. (Fernsehen aus Berlin) war noch viel lächerlicher als … äh … tarääää … taräää …

      1. Nein, aber ich kenne Leute, die haben … Manuel Werner schnorrt sich übrigens immer noch mit seiner Gastro-Sendung durch die Berliner Mittelklasse-Lokale. Eigentlich seid ihr Kollegen. 😉

  2. Wenn ich in Berlin bin, sehe ich seine Trash-Sendungen immer wieder gerne. Man sollte bloß die Finger von den angepriesenen Lokalen lassen. Auf Spreekanal gibt es ja noch so einen Schmierlappen mit der selben Nummer. Ich wüsste gerne, was die Lokale so abdrücken. 30 min. Sendezeit auf Spreekanal kriegst du für 150 Euro. Wenn du 10 Lokale in der Sendung bringst und jedes zahlt einen Fuffi + Essen & Trinken …

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