Karma, Karma, Karma, Karma, Karma Chameleon (you come and go)

„Ich will es so sagen: Wenn man die großen Feinde schlägt, dann rennen die anderen alle vor Angst weg. Die scheißen sich in die Hosen, die kleinen Leute, die kleinen Feinde. Das müsst ihr euch mal merken im Leben. Man muss doch dahin schlagen, wo das richtig sitzt und die entscheidende Frage damit gelöst wird!“

(aus „Erich Mielke – ein deutscher Jäger“)

Andrej Holm ist genau einen Tag älter als ich. Danke, Wikipedia, für diese Erkenntnis. Kenne ich Herrn Holm deshalb? Nein. Aber ich habe Menschen wie ihn damals erlebt. Wer sich zu jener Zeit, noch in den letzten Zuckungen der DDR, als halbwegs wacher junger Mann bewusst für eine Karriere bei der Staatssicherheit entschied – für eine Karriere als Spitzel, Denunziant, Menschenvernichter und Arschloch erster Güte also, treu dienend unter einem ebenso großen Arschloch von Chef, der keine Skrupel hatte, noch im Oktober 1989 die eigene Bevölkerung zusammenschlagen und einbunkern zu lassen, sofern sie sich nicht umstandslos zu den Segnungen des Sozialismus bekennen wollte – ja, der wusste genau, was er tat und was von ihm erwartet wurde. Wenn diesem Mann dann knapp dreißig Jahre später einer der wichtigsten Posten in einem desolat hochgemästeten Senat verweigert wird, dann ist das keine Hexenjagd, sondern einfach nur Karma. Bitch.

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9 Gedanken zu “Karma, Karma, Karma, Karma, Karma Chameleon (you come and go)

      1. Danke für die scharfsinnige Einschätzung – leider erschließt sich mir in meiner mentalen Abwesenheit nicht der Zusammenhang zwischen „erleben“ und „aufwachsen“.

  1. Wenn man da jetzt nicht hart durch gegriffen hätte, kaum vorstellbar.
    Nacher hätte es noch eine FDJ- Funktionärin mit DDR- Elite- Studium zur Kanzlerin gebracht oder ein Regime- Pfaffe zum Bundes-Grüß- August.
    Nein nein, das hat alles seine Ordnung.

    1. Die beiden letztgenannten hatten eher normale DDR-Biografien (mal abgesehen von der Kirchenzugehörigkeit, was im Osten ja als subversiv galt). In der FDJ war ich auch. Da war jeder. Die bewusste Entscheidung für eine Stasi-Laufbahn ist eine ganz andere Nummer. Auch mit 18. Das offenbart einen Charakterzug. Für so etwas haben sich nur die übelsten Arschlöcher hergegeben. Linientreue Charakterlappen. Machtgeile Funktionärstypen. Die lieben Hausbesetzer, die Holm nach der Wende so am Herzen lagen, hätte er als Stasioffizier als erstes eingesperrt. Dass es nicht dazu gekommen ist, war nicht seine Entscheidung, dafür hat der böse Westen gesorgt. Ihr könnt euch die Biografie dieses Mannes gerne schönlügen, weil Ihr gerade mal wieder eine linken Helden braucht. Das macht die Sache aber nicht besser.

      1. „Die beiden letztgenannten hatten eher normale DDR-Biografien…“

        Völlig normal. Die Kasner machte ihre erste Westreise mit 32 Jahren.
        Der Gauck fuhr mit seinem VW-Bus dem Umzug seiner Söhne in den Westen.

        So war das damals in der DDR. Alles normal.

      2. Es geht hier nicht um Westreisen, sondern um die geplante Stasikarriere von Herrn Holm (auch wenn die Stasi wahrscheinlich für die Genehmigung von Westreisen zuständig war – das wäre dann aber auch schon die einzige thematische Krücke). Trotzdem Danke für diesen „Beitrag“.

  2. Die Stasi verlangte auch eine Gegenleistung.
    Du mußt dich nicht bedanken – ich verrate hier nur Allgemeinwissen der DDR-Bürger.

    1. Die Bedingungen für Westreisen von DDR-Bürgern sind mir bestens bekannt. Ich kenne genug Leute, die eigene Familie inbegriffen, die vor der Maueröffnung in den Westen reisen durften. „Gegenleistungen“ an die Stasi gehörten jedenfalls nicht zu diesen Bedingungen. Das ist kein Allgemeinwissen, mein Lieber, sondern schlichtweg Blödsinn. Noch mal, zum eigentlichen Thema: es gab Menschen, die sich mit dem System engagiert haben (die Mehrzahl) und es gab Menschen, die sich – ganz bewusst und ohne Not – für eine Karriere als Täter entschieden haben. Und das war eben nicht die Mehrzahl, das war eben keine typische DDR-Karriere. Dazu gehörte schon ein besonderer Charakter.

      Ich zitiere dazu auch gerne noch aus einem anderen, wesentlich lebhafteren Kommentarbereich:

      “ … Denjenigen, die Holms Stasi-Vergangenheit und die FDJ-Aktivität von Merkel zusammenwerfen, sei gesagt, dass sich beides zueinander verhält wie nachweislich freiwillige Meldung bei der SS mit dem Ziel einer Karriere im SD und HJ-Mitgliedschaft. Das letztere – HJ/FDJ – war fast unausweichlich für jeden, der sich nicht samt Familie drangsalieren und von Studium etc. ausschließen lassen wollte (in der FDJ gab es in den 80ern gerade in den Agitationsrunden auch sehr kontroverse Diskussionen), das erstere – Stasi/SS – war eine bewusste Entscheidung für das aktive Mitwirken in einer bekannt menschenzerstörenden, gegen die eigenen Bürger Gewalt anwendenden Organisation und ihrer militärischen Sondereinheit. … Holm ist dabei auch nicht vergleichbar mit einem minderjährigen zwangseinberufenen Waffen-SS-Mitglied in den letzten Kriegstagen, sondern war ohne Not freiwilliger, volljähriger Bewerber bei der SED und der Stasi und diente freiwillig bei einem Regiment, dass gerade in jenen Tagen im Krisenfall als erstes die Waffen gegen die eigenen Bürger gerichtet hätte.“

      Wer das nun unbedingt im Sinne der eigenen Ideologie relativieren möchte, der kann dies gerne tun. Es gibt wirklich ausreichend viele Selbsthilfegruppen für getriggerte Holm-Groupies. Mein Blog gehört aber nicht dazu. Für mich ist die Unterhaltung über diese jämmerliche Figur hiermit beendet.

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