Take your broken heart, make it into art?

Das Interessante an Meryl Streeps Golden-Globe-Ansprache war für mich nicht der moralische Appell. Den darf man gerne ergreifend, authentisch oder wie auch immer finden, er war in diesem Zusammenhang aber wohl auch nicht anders zu erwarten. Hollywood ist nicht besonders begeistert von Trump, das ist keine große Neuigkeit. Obwohl vier Jahre Verzweiflung und Entrüstung in La la Land doch den ein oder anderen spannenden Filmstoff hervorbringen sollten. Meryl Streep dürfte sich zum Beispiel durch die Darstellung einer gebrochenen Hillary wohl wesentlich mehr Hoffnungen auf einen weiteren Oscar machen als durch die Rolle einer strahlenden Präsidentin (das entsprechende Drehbuch macht ganz sicher schon die Runde). Interessant an ihrer Ansprache war für mich nur der Schluss: „Take your broken heart, make into art“, ein Zitat der verstorbenen Carrie Fisher. Wird nicht genau das auch von Schriftstellern erwartet? Den eigenen Schmerz in Literatur umzuwandeln? Bei Autoren wie Karl Ove Knausgård wird die schonungslose Selbstentblätterung ja gern als große Kunst abgefeiert. Auch Blogger scheinen dann am meisten Wertschätzung zu erfahren, wenn sie möglichst viel Persönliches und Peinliches ausbreiten: gescheiterte Beziehungen, Drogensüchte, Probleme mit dem Stuhlgang. Die Leute lesen so etwas gerne. Nein, das soll kein weiterer Kommentar zum #Kiez-Gate der letzten Woche sein. Nun ja, ein ganz kleiner vielleicht, ich will mir da mal nichts vormachen. Inzwischen aber ist das Interesse daran wieder abgeflacht, die Fortsetzung bleibt aus und die Meute zieht weiter. Was in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden sollte: die erfolgreichsten Werke der Literatur sind noch immer rein fiktive Geschichten – Harry Potter, die Bibel oder auch das Kursbuch der Deutschen Bahn.

5 Gedanken zu “Take your broken heart, make it into art?

  1. „Wird nicht genau das auch von Schriftstellern erwartet? Den eigenen Schmerz in Literatur umzuwandeln?“

    Hmm, weiß nicht. Ich finde das nicht, dass das erwartet wird. Gute Geschichten werden erwartet, eine interessante Erzählart oder Stringenz wird erwartet. Wenn einer meint, dass er seinen Schmerz in Texten gut verpacken kann, dann soll er über seinen Schmerz schreiben. Wieso nicht?
    Es ist für eine Geschichte immer von Vorteil, wenn man weiß, wovon man schreibt. Das ist vielleicht damit gemeint. Das man damit schon Erfahrung hatte und die Geschichte somit authentischer wird.

    „Auch Blogger scheinen dann am meisten Wertschätzung zu erfahren, wenn sie möglichst viel Persönliches und Peinliches ausbreiten: gescheiterte Beziehungen, Drogensüchte, Probleme mit dem Stuhlgang.“
    Nein, es ist hier wieder die Frage, wie man es verpackt. Ich lese doch nicht jeden Scheiß, nur weil da überall Blut und Sperma drin vorkommt. Ihr Blogger scheint Euch Eurer Rolle noch nicht so wirklich im Klaren zu sein, sonst würdet Ihr nicht immer wie aufgescheuchte Hühner reagieren, wenn einer mal daneben greift. Ein Blog ist erstmal etwas Persönliches, also schreibt man persönliche Sachen. Es gibt dann noch Themen-Blogs, die sind u. U. nicht so ganz persönlich, sondern eher informativ.

    Ich mag eher Blogs, wo ich das Gefühl habe, da schreibt ein Mensch, der was mitteilen will, anstatt sich nur zu profilieren. Und ich mag Blogs, wo man sich nicht nur lieb hat und sich ganz doll knuddelt, weil man ja so gut „befreundet“ ist. Die sind für mich meist völlig nutzlos, weil sie langweilig sind. Und wenn ich Quatsch lesen will, kann ich auch die Twitter-Timeline von Julia Schramm aufrufen. Das hat ungefähr den gleichen Effekt.

    Ich finde es auch eher kontraproduktiv seine Leser immer als „Meute“, „Idioten“ oder „Trolle“ zu bezeichnen. Außer es sind natürlich die „befreundeten“ Bloggerkollegen. Die sind dann keine „Meute“. Die schlachten irgendwelche Skandälchen nicht auf ihren Blogs aus. Das ist alles völlig seriös.

    Ich finde man sollte die Anonymität im Internet behalten. Sie hat viele Nachteile, aber ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit seine Meinung frei äußern zu können, ohne immer die Angst zu haben, dass irgendeiner das irgendwann ausgräbt und es dir vor die Füße schmeißt. Mit Trollen hat das erstmal nichts zu tun. Auch Blogs sollten anonym bleiben. Bin völlig dafür.

    Ich bin mir völlig sicher, ihr habt Eure „befreundeten“ Bloggerbuddys noch nie im richtigen Leben gesehen und wisst gar nichts über sie, außer das, was sie selbst von sich geben. Deswegen finde ich immer dieses Pseudo-Getue von wegen: das sagt man nicht, das tut man nicht, wir haben uns alle lieb, ich kaufe dein Buch, du kaufst mein Buch immer sehr lachhaft.

    Wie gesagt: wenn einer gut schreiben kann, soll er über seine Warzen schreiben. Ich lese sowas dann wahrscheinlich auch. Ich bin da nicht so.

    1. Mein lieber MT, sie rühren da kräftig in einem Fass herum, das ich selbst gar nicht so aufgemacht habe. Sie scheinen alles sehr genau zu nehmen. Solche Leute muss es ja auch geben, insofern besten Dank für die ausführliche Stellungnahme.

  2. Mein lieber ob ;-),

    ich wollte in keinem Fass rühren, aber Sie haben das Thema angeschnitten, nicht ich.

    Ich kommentiere ab und zu. Manchmal etwas ausführlicher. Das war jetzt ausführlicher.

    Und aus jenem Grund: ich bin der Meinung, jeder soll über das schreiben, was ihm wichtig ist. Sie scheinen sich aber öfters über die Texte Ihrer Kollegen lustig zu machen. Können Sie ja. Ist ja Ihre Sache.

    Ich meinte auch nicht Sie mit dem Ausschlachten von Skandälchen. Es nervt aber, wenn ein unwichtiges Thema so hochgekocht wird.

    Und ich nehme nicht alles so genau, ich lese aber schon länger Blogs und das ist mir halt aufgefallen. Sie können das ja alles an sich abprallen lassen.

    Ich mag Ihren Blog. Peace 🙂

    1. Welche „Kollegen“ meinen Sie? Den Kiezneurotiker? Alexa H. von Dingsbums? Ich mache mich grundsätzlich über alles lustig, genau dafür habe ich diesen Blog ja eingerichtet. Schön, dass Sie das offenbar verstanden haben. 😉

      (Übrigens, zum Thema „Hochkochen unwichtiger Themen“: Zählen Sie mal die Google Ergebnisse zu den Suchbegriffen „Mariah Carey“ + „New Year“. Vielleicht hilft das bei der Relativierung.)

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