Offener Brief an Nataliya

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Ich habe Post. Aus Russland. Wie schön:

Hallo! Wie geht es Ihnen? Ich will nur Sie sagen, dass Sie mich nicht kennen.

Ja, Hallöchen! Mir geht es gut, vielen Dank. Und ich will Ihnen nur sagen, dass ich sicher mehr Menschen kenne, als Sie glauben. Vermutlich habe ich sogar schon mehr Menschen vergessen, als Sie in ihrem gesamten Leben jemals kennenlernen werden. Also bitte Vorsicht mit solchen Aussagen!

Aber ich mochte Sie zu treffen. Was denken Sie uber das? Wenn Sie Single sind und mit ernster Miene, konnen Sie mir eine E-Mail und ich werde antworten Sie.

Leider bin ich weder Single noch habe ich eine ernste Miene. Im Gegenteil: Ich bin für meine freundliche Miene sowie für meinen drolligen Frohsinn bis weit über die Grenzen dieses Landes hinaus bekannt. Kennen Sie den schon? Donald Trump, Schwarzenegger, der Papst und ein Schuljunge sitzen in einem Flugzeug. An Bord haben sie vier Fallschirme. Als der Pilot die Kontrolle über den Flieger verliert, schnappt er sich einen der Fallschirme, verabschiedet sich bei seinen Passagieren und springt. Den nächsten Fallschirm greift sich Schwarzenegger. „Meine Karriere ist noch nicht vorbei“, ruft er, „Hollywood braucht mich!“ und springt ebenfalls. Danach Trump: „Ich bin der Präsident der Vereinigten Staaten! Lasst mich durch!“ Und springt. Schließlich schaut der Papst den kleinen Jungen an und sagt „Nimm du den letzten Fallschirm! Ich hatte ein langes Leben und komme sowieso in den Himmel.“ „Keine Sorge, Alter“, meint der Junge „Es sind ja immer noch zwei Fallschirme übrig. Der Trump ist gerade mit meinem Schulranzen rausgesprungen!“

Ich bin auf der Suche nach einer ernsthaften Beziehung nur. Wenn Sie interessant, zogern Sie nicht, mir zu schreiben. Naturlich habe Ich schreibe Ihnen zuruck. Ich denke, dass es funktionieren kann. Was meinen Sie?

Ich meine, dass man nie wissen kann, ob etwas funktioniert, bevor man es nicht ausprobiert hat. Sie haben da also schon die richtige Einstellung – immer rein ins Vergnügen, hinterher ist man auf jeden Falls schlauer, nicht wahr?

Etwas uber mich. Mein Name ist Nataliya! Ich habe noch nie gewesen in der Ehe!

Meine liebe Nataliya, ich dagegen bin schon gewesen in der Ehe. Eigentlich bin ich immer noch mitten drin. Allerdings mit einem Mann. Und Amerikaner ist er außerdem auch noch. Sie sehen, es wird kompliziert mit uns beiden, Nataliya.

Ich lebe in Russland, meine Stadt genannt St. Petersburg. Es ist 800 Kilometer von Moskau entfernt.

Kenne ich. Ich war nämlich schon zu Besuch in Ihrer Heimatstadt, als sie noch Leningrad hieß. Wir waren auf Klassenfahrt dort. Im Februar. Was das bedeutet, muss ich Ihnen wohl nicht erklären. In den 80ern im Februar in Leningrad. Arschkalt, nur öligen Fisch zu futtern und endlose Vorträge über die große siegreiche Oktoberrevolution. Aber ich übertreibe ein wenig, Sie mögen mir das verzeihen, meine liebe, sehr verehrte Nataliya. Tatsächlich haben wir im damals gerade topmodernen Interhotel „Pribaltiyskaya“ gewohnt (in dem kurz nach uns übrigens auch Woody Allen mit Familie nächtigte, wie ich später erst herausfand). Unsere Lehrer hatten alle Hände voll zu tun, uns von Westkontakten fernzuhalten. Ohne Erfolg übrigens. Arschkalt war es trotzdem. Also draußen natürlich. Absolut höllenschweinescheißekalt war das! Trotz Gorbatschow. Damit meine ich den Präsidenten, nicht den Wodka.

Ich habe 35 volle Jahre!

Wirklich? Ich habe sogar noch ein paar volle Jahre mehr als Sie. Was wir aber offenbar gemeinsam haben, liebe Nataliya: uns beiden sieht man unser wahres Alter nicht an. Nach dem von Ihnen freundlicherweise angehangenen Foto zu urteilen, sehen Sie wirklich keinen Tag älter aus als 21! Ich schreibe dies Ihrer gesunden Lebensweise zu, die frische Luft und der ölige Fisch tun wahrscheinlich ein übriges.

Ich hoffe, Sie werden interessiert in meinem Brief, und vielleicht konnen wir unsere Beziehung aufzubauen. aber Wenn Sie verheiratet sind und nicht fur eine ernsthafte Beziehung suchen, antworten Sie nicht mich. Nur meine Post zu entfernen. Aber ich Ich hoffe, dass alle von Ihnen interessant sein wird, und ich hoffe, dass ich bekommen Die Antwort ist sehr schnell. Nataliya!

Jetzt habe ich Ihnen dennoch geantwortet. Ich hoffe, Sie sind mir deswegen nicht böse. Natürlich fühle ich mich durch Ihr Schreiben sehr geschmeichelt, nur leider sehe ich für uns beide keine gemeinsame Zukunft. Ich weiß aber, dass es hier in Mitteleuropa noch sehr viele einsame und verzweifelte Herren gibt, die sich auch von ein paar popeligen Internet-Trojanern und leergeräumten Konten nicht davon abhalten lassen, ihr ganz persönliches Lebensglück finden. Ich wünsche Ihnen, liebe Nataliya, also noch viel Erfolg bei der Partnersuche und verbleibe mit den weisen Worten von Lady GaGas Lieblingsdicher: „Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“

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10 Gedanken zu “Offener Brief an Nataliya

  1. Der wirklich lustige Witz geht aber anders:

    Clinton, Jelzin, Kohl, Reinhold Messner und der Papst sitzen im Flugzeug. Als das Flugzeug in Turbulenzen gerät und abzustürzen droht, schreit der Kapitän: „Rette sich wer kann!“, nimmt einen Fallschirm und springt. Die im Flugzeug übrig gebliebenen wissen nicht was zu tun ist, denn es gibt nur vier Fallschirme für fünf Personen. Also steht Clinton auf, ruft: „Ich bin der wichtigste Mann des Westens!“, nimmt einen Fallschirm und springt. Daraufhin steht Jelzin auf, ruft: „Ich bin der wichtigste Mann des Ostens!“, nimmt einen Fallschirm und springt ebenfalls. Nun steht Kohl auf, ruft: „Ich bin der schlauste Mann Deutschlands!“, nimmt einen Fallschirm und springt auch. Es bleiben nur noch Reinhold Messner und der Papst an Bord. Sagt der Papst: „Nimm du den letzten Fallschirm, ich bin schon alt und gebrechlich, ich werde eh bald sterben.“ Daraufhin sagt Reinhold Messner: „Aber nein, lieber Papst. Wir können beide springen. Der schlauste Mann Deutschlands hat einen Rucksack genommen.“

    🙂

    1. @keiner
      Nicht wahr? War doch saulustig. Genau deswegen wurde das Internet erfunden, damit solche wie Du auch mal was zu lachen haben. Im Fernsehen kommt ja eh nix mehr. Und Arbeit nervt sowieso, ich weiß, ich weiß…

  2. Gestern Nacht hat Nataliya auch mir geschrieben. Auch wenn Google-Mail nachdrücklich behauptet, bei dieser Nachricht sei Vorsicht geboten, sie würde voraussichtlich gar nicht von nataliyagaraeva@gmail.com stammen. Was ich natürlich nicht glauben kann, denn schließlich schreibt sie mir, dass ihr Hobby sei, „eine kostliche Mahlzeit zu improvisieren und vorzubereiten“. Das zeigt ja wohl deutlich, wie gut sie sich mit mir beschäftigt hat, schließlich blogge ich fast nur über’s Essen.
    Aber: Wie muss sie wohl enttäuscht sein, wenn sie erfährt, dass sie, nachdem sie hier einen Mann angeschrieben hat, der einen Mann liebt, nun bei einer Frau gelandet ist. Arme Nataliya, läuft nicht für sie. Fast tut sie mir ein wenig leid.

    1. Auf alle Fälle verdient die gute Nataliya unsere Unterstützung. #WeAreNataliya! Dazu gehört auch, sie darauf hinzuweisen, dass der deutsche Durchschnittsmann (zumindest die Sorte, die sich russische Katalogbräute bestellt) nicht besonders auf „improvisierte“ Mahlzeiten abfährt. Das muss schon immer genau nach Rezept gekocht werden,so wie bei Muttern (bei der sie ja meist auch noch wohnen).

      1. Natalia hat sich wieder gemeldet! Sie schreibt aber, dies wäre ihr erster Brief an mich. Wie kann sie mich und die liebevollen Zeilen, die sich schon an mich gerichtet hat, nur in so kurzer Zeit vergessen haben? Ich bin tieftraurig!

      2. Bei mir hat sie sich leider nicht wieder gemeldet. Dafür erreichte mich um den Jahreswechsel herum eine Schwemme von Briefen junger Blondinen, die mit mir dringend Analsex unterm Weihnachtsbaum praktizieren wollten. Es sind offenbar nicht alle Frauen so romantisch wie unsere Nataliya.

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