Der Blog als Brühwürfel

Aus dem Radio der Imbissbude schallt The Hustle, dieser ansteckend muntere Disco-Feger aus dem letzten Jahrhundert. Es ist eine jener Imbissbuden, von denen mir immer eine schwere Wolke ranzigen Bratöl-Aromas an den Klamotten haften bleibt, egal wie schnell ich daran vorbei laufe. Ach Gottchen, höre ich da die gelangweilte Leserschaft maulen, „eine jener Imbissbuden …“ blabla … Das ist doch bei allen Imbissbuden so … Immer diese pseudoliterarischen Versatzstücke! Geh sterben! So quakt also der imaginäre Chor in meinem Kopf. Soll er doch. Wussten Sie, dass praktisch alles im Leben an Leichtigkeit und Strahlkraft gewinnt, wenn man den Hustle darüber blendet? Steigen Sie einfach mal an einem Samstag Nachmittag am Alexanderplatz von der S-Bahn in die U-Bahn um – normalerweise eine verlässliche Methode, um in kürzester Zeit den Glauben an die Menschheit zu verlieren – und stellen Sie sich vor, wie dieser grauenhafte Moloch von einem Bahnhof kollektiv anfängt, den Hustle zu tanzen. Schon glauben Sie wieder an das Gute und Schöne in der Welt. Sie möchten den zugedröhnten MOTZ-Verkäufer umarmen, der Ihnen gerade ein Ohr ablabert, und Sie flehen Brangelina auf Knien an, es doch noch einmal miteinander zu versuchen! Do it! Do the Hustle!

hustle

Nachträgliche Triggerwarnung: bitte nicht traurig sein, wenn Ihnen der Inhalt dieses Internet-Angebotes nicht zusagt. Sollte mein Geschreibsel Ihr emotionales Gleichgewicht oder gar Ihre Verdauung durcheinander bringen, so tut es mir aufrichtig leid. Schauen Sie sich stattdessen doch einfach woanders um. Diskutieren Sie sich die Rübe heiß über die letzen Wahlergebnisse, eröffnen Sie einen tumblr oder gucken Sie gleich einen Porno. Elke Heidenreich meinte einmal über den Ulysses, James Joyce hätte damit „einen Brühwürfel geschrieben, aus dem sich alle eine Suppe kochen.“ Ähnlich verhält es sich mit meinem Blog, denke ich.

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3 Gedanken zu “Der Blog als Brühwürfel

  1. Habe mir eben versucht, mir vorzustellen, wie es wäre einen Motzverkäufer zu umarmen und bin daran gescheitert. Muss wohl an dem letzten olfaktorischen Erlebnis in der U8 gelegen haben oder schlicht an meiner Gefühlskälte.

  2. Moin,
    danke, danke und nochmals danke, sehr, sehr geil. Stelle mir gerade vor wie ein Flashmob von „do the Hustle“ hier in der Kaserne aussehen könnte, Granatenstark, zum fucking Monday.

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