Lausche dem Gesang des Windes

Laut wabert es vom Gebäude des Bundesrates in mein Büro hinein. Ich erkenne sie wieder, die Stimme der Anführerin. Leider ist es noch immer viel zu warm, um das Fenster zu schließen. Also höre ich sie durch ihr Megaphon keifen, oder ihr Mikrophon oder was auch immer sie da benutzt – auf jeden Fall sollte es gesetzlich verboten sein, eine solche Stimme auch noch technisch zu verstärken. Wo darf ich unterschreiben? Beim letzten Mal hat sie „We didn’t start the fire“ von Billy Joel gesungen. Was das mit der Erbschaftsteuer zu tun hat, weiß ich nicht. Fragen Sie bitte selbst in Ihrer nächstgelegenen Attac-Zentrale nach. Auch dieses Mal singt sie irgendwas und stimmt Sprechchöre an: EINS-ZWEI-DREI! MA-O-AM! HO-CHI-MIN! KUM-BA-YA! Wäre ich ein Volksvertreter, müsste ich mir das wohl gefallen lassen. Dann würde sie ja immerhin mein Gehalt bezahlen. Dafür würde ich mir dann auch ab und zu zwanzig Minuten Protest-Karaoke gönnen. Als Nachbar der Politik bin ich aber nur die unschuldige Geisel der Keiferin. Eine furchtbare UNGERECHTIGKEIT sei das alles, brüllt sie gerade. Da kann ich nur zustimmen. Erbarme sich jemand und entreiße ihr den Verstärker! EINS-ZWEI-DREI! HÄNGT! SIE! AUF!

Rettung naht durch meine Kopfhörer. Zehn Stunden kühlender arktischer Wind:

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