Der Blog als Brühwürfel

Aus dem Radio der Imbissbude schallt The Hustle, dieser ansteckend muntere Disco-Feger aus dem letzten Jahrhundert. Es ist eine jener Imbissbuden, von denen mir immer eine schwere Wolke ranzigen Bratöl-Aromas an den Klamotten haften bleibt, egal wie schnell ich daran vorbei laufe. Ach Gottchen, höre ich da die gelangweilte Leserschaft maulen, „eine jener Imbissbuden …“ blabla … Das ist doch bei allen Imbissbuden so … Immer diese pseudoliterarischen Versatzstücke! Geh sterben! So quakt also der imaginäre Chor in meinem Kopf. Soll er doch. Wussten Sie, dass praktisch alles im Leben an Leichtigkeit und Strahlkraft gewinnt, wenn man den Hustle darüber blendet? Steigen Sie einfach mal an einem Samstag Nachmittag am Alexanderplatz von der S-Bahn in die U-Bahn um – normalerweise eine verlässliche Methode, um in kürzester Zeit den Glauben an die Menschheit zu verlieren – und stellen Sie sich vor, wie dieser grauenhafte Moloch von einem Bahnhof kollektiv anfängt, den Hustle zu tanzen. Schon glauben Sie wieder an das Gute und Schöne in der Welt. Sie möchten den zugedröhnten MOTZ-Verkäufer umarmen, der Ihnen gerade ein Ohr ablabert, und Sie flehen Brangelina auf Knien an, es doch noch einmal miteinander zu versuchen! Do it! Do the Hustle!

hustle

Nachträgliche Triggerwarnung: bitte nicht traurig sein, wenn Ihnen der Inhalt dieses Internet-Angebotes nicht zusagt. Sollte mein Geschreibsel Ihr emotionales Gleichgewicht oder gar Ihre Verdauung durcheinander bringen, so tut es mir aufrichtig leid. Schauen Sie sich stattdessen doch einfach woanders um. Diskutieren Sie sich die Rübe heiß über die letzen Wahlergebnisse, eröffnen Sie einen tumblr oder gucken Sie gleich einen Porno. Elke Heidenreich meinte einmal über den Ulysses, James Joyce hätte damit „einen Brühwürfel geschrieben, aus dem sich alle eine Suppe kochen.“ Ähnlich verhält es sich mit meinem Blog, denke ich.

Auch das noch! Sehen Sie hier den Berliner Ortsverband der CDU bei seinem jährlichen Anti-Sexismus-Training:

Ich hab noch eine Leiche in Berlin (Die Zahl des Tieres)

„An diesem Wochenende richtete sich Claus-Brunner mit Stromschlägen selbst. Dafür hatte er Kabel abisoliert und an seinen Handgelenken befestigt. Als gelernter Mechatroniker wusste er, wie er die Sicherungen überbrücken musste. Dann betätigte er den Lichtschalter, knipste regelrecht sein Leben aus.“ (Berliner Kurier)

Die Piratenpartei macht ein letztes Mal Schlagzeilen. Und was für welche! Sex, Stalking, Kabel und verwesende Leichen – in der Hauptstadt wird es wirklich nie langweilig. Wem das alles aber noch nicht gruselig genug ist, dem darf ich mitteilen: die Wahlbeteiligung lag am vergangenen Sonntag offiziellen Angaben zufolge bei genau 66,6 Prozent. Nicht nur bibeltreue Christen, rituelle Selbstmörder, Hobby-Magier und Iron-Maiden-Fans wissen, was das bedeutet. Schon erhebt sich das Tier aus dem Wasser der Spree. Drei Köpfe hat das Tier: Rot, Grün und Violett. Und siehe: Es wird ihm Vollmacht gegeben über jeden Volksstamm und jede Sprache, jeden Radweg, jeden Hundehaufen, jeden Puff und jedes Finanzamt. So steht es geschrieben. So ähnlich zumindest.

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Lausche dem Gesang des Windes

Laut wabert es vom Gebäude des Bundesrates in mein Büro hinein. Ich erkenne sie wieder, die Stimme der Anführerin. Leider ist es noch immer viel zu warm, um das Fenster zu schließen. Also höre ich sie durch ihr Megaphon keifen, oder ihr Mikrophon oder was auch immer sie da benutzt – auf jeden Fall sollte es gesetzlich verboten sein, eine solche Stimme auch noch technisch zu verstärken. Wo darf ich unterschreiben? Beim letzten Mal hat sie „We didn’t start the fire“ von Billy Joel gesungen. Was das mit der Erbschaftsteuer zu tun hat, weiß ich nicht. Fragen Sie bitte selbst in Ihrer nächstgelegenen Attac-Zentrale nach. Auch dieses Mal singt sie irgendwas und stimmt Sprechchöre an: EINS-ZWEI-DREI! MA-O-AM! HO-CHI-MIN! KUM-BA-YA! Wäre ich ein Volksvertreter, müsste ich mir das wohl gefallen lassen. Dann würde sie ja immerhin mein Gehalt bezahlen. Dafür würde ich mir dann auch ab und zu zwanzig Minuten Protest-Karaoke gönnen. Als Nachbar der Politik bin ich aber nur die unschuldige Geisel der Keiferin. Eine furchtbare UNGERECHTIGKEIT sei das alles, brüllt sie gerade. Da kann ich nur zustimmen. Erbarme sich jemand und entreiße ihr den Verstärker! EINS-ZWEI-DREI! HÄNGT! SIE! AUF!

Rettung naht durch meine Kopfhörer. Zehn Stunden kühlender arktischer Wind:

Möpse!

Aus Besorgnis darüber, mit dem letzten Beitrag wohlmöglich die heterosexuelle, männlich-weiße Leserschaft meines Blogs nachhaltig verschreckt zu haben (eine immerhin ethnisch verfolgte Minderheit, wie man neuerdings oft lesen darf), und auch auf Anraten meines SEO-Consultants, habe ich mich spontan zur obigen Überschrift hinreißen lassen. Gespannt wie ein Flitzebogen erwarte ich nun einen neuen Quotenrekord. Es geht mir daneben aber auch um ein durchaus ernstes Anliegen: Selbst der öffentlich-rechtliche Mainstream kann die Tatsache nicht länger ignorieren, dass die deutsche Hauptstadt mittlerweile fest in der Hand krimineller Banden ist. Der Gefährdungsschwerpunkt hat sich dabei längst von einstigen Gangster-Ghettos wie Kreuzberg, Neukölln oder Wedding nach Lichtenrade verlegt. Wie der RBB berichtet, kam es dort am Samstag zu Ausschreitungen während eines internationalen Mopstreffens! Verkehrswidrigkeiten und Ruhestörungen sind an der Tagesordnung, wo immer sich die ausländischen Mopszüchter zusammenrotten und ihre illegalen Wettrennen abhalten. Er nehme die Ängste der Anwohner natürlich ernst, so der Regierende Bürgermeister. An einem neuen Sicherheitskonzept werde bereits gearbeitet. Ob das ausreicht? Ich sage: Möpse, die den inneren Frieden unseres Landes gefährden, haben ihr Gastrecht verwirkt!

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Abbildung: Mit einer anschaulichen Infografik hilft der RBB bei der Verortung des Lichtenrader Mopstreffens.

Stay in and find out

Vor langer, langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat … Nein, anders: der Unterschied zwischen meinem jüngeren und meinem jetzigen Ich macht sich wohl vor allem in der Gestaltung meiner Wochenenden bemerkbar. Tanzte ich damals noch regelmäßig durch rauschhafte 48-Stunden-Nächte – begleitet von New Yorker Drag Queens, osteuropäischen Fetisch-Skinheads und obskuren Performance-Künstlern aller Nationen, zugedröhnt bis in die Nebenhöhlen, von Kronleuchtern hängend und mit allem kopulierend, was mir dabei in den Weg kam – so kann ich mir heute an einem Samstag nichts Schöneres vorstellen, als zuhause zu bleiben, die Füße hochzulegen und in aller Ruhe ein gutes Buch zu lesen. Und natürlich das Internet vollzuklugscheißern. So schrieb ich heute unter anderem auch einen Leserbrief an den SPIEGEL, in dem ich der Redaktion den Unterschied zwischen „Outing“ und „Coming out“ zu erklären versuchte. Anlass dafür war dieser Artikel. Sollten Sie demnächst also über einen Bischof lesen, der aus dem Schrank kam anstatt sich selbst anzuzeigen, dann ist das mein Verdienst. Habe die Ehre.