Der König der Welt (Jetzt is‘ aber auch mal gut, Frau Winslet!)

„Ich habe Preisverleihungen immer als die größte Erniedrigung, die sich denken lässt, empfunden, nicht als Erhöhung. Denn ein Preis wird einem immer nur von inkompetenten Leuten verliehen, die einem auf den Kopf machen wollen und die einem ausgiebig auf den Kopf machen, wenn man ihren Preis entgegennimmt. Und sie machen einem mit vollem Recht auf den Kopf, weil man so gemein und so niedrig ist, ihren Preis entgegenzunehmen.“

Thomas Bernhard

Durch die sinkende Titanic hatte er sich geschunden, durch Baz Luhrmanns grelle Pop-Spektakel sowie durch das gesamte Alterswerk von Martin Scorsese, durch Blut und Schnee, über rote Teppiche, entlang tausender gebleichter Gebisse und dämlicher Fragen – und das alles nur, um schließlich und endlich jene Bestätigung zu erhalten, die ihm selbst das jahrelange Schaulaufen mit einem Dutzend Supermodels nie verschaffen konnte. Hätte Leonardo DiCaprio am vergangenen Sonntag seinen gottverdammten Oscar nicht gewonnen, wäre wohlmöglich die Hölle zugefroren. Was wiederum sein Engagement gegen die Erderwärmung in Frage gestellt hätte. Ende gut, alles gut! Apropos Erderwärmung: noch schneller als die Polkappen schmelzen übrigens die Gesichtszüge von Kate Winslet. Während DiCaprios Dankesrede schwenkte die Kamera kurz zu ihrem bebenden Antlitz im Publikum. Er mag ja der König der Welt sein, sie aber ist die Königin der routinierten Ergriffenheit. Seit Jahren sammelt sie Filmpreise wie andere Leute Rabattmarken, und jedes Mal variiert sie die gleiche emotionale Erschütterung nur um Nuancen. Ob bei ihrem eigenen Oscar-Gewinn, den Critics Choice-, Peoples Choice- der Whoever’s-Choice Awards, den Golden Globes oder dem Ehrenpreis der Stadt Wuppertal – egal: sobald der Umschlag geöffnet und ihr Name aufgerufen wird, triff Kate Winslet sogleich der Schlag. Oh no! Really??!!! Oh my god, oh my god, oh my god! O!M!G! Is this really happening??? Sie kann es nicht fassen. Damit hat sie nicht gerechnet, nein im Leben nicht! So ein schöner Preis schon wieder! Gäbe es einen Award für die konsequenteste Schmierenkomödie im Award-Gewinnen, so könnte es nur heißen: „And the winner is … Kate Winslet!“ Bumms, und wieder trifft sie der Schlag! Wahrscheinlich würde ihr diese Idee gefallen. Vielleicht hat sie es sogar genau darauf angelegt? Frau Winslets durchaus dunkler Sinn für Humor ist spätestens seit ihrem Cameo-Auftritt in Ricky Gervais‘ „Extras“ bekannt. Das wollen wir mal nicht vergessen.

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