… und dabei gab es gar keinen Plan

Ich habe nie an der Wahrheit der Zeichen gezweifelt, Adson. Sie sind das einzige, was der Mensch hat, um sich in der Welt zurechtzufinden. Was ich nicht verstanden hatte, war die Wechselbeziehung zwischen den Zeichen. Ich bin zu Jorge gelangt, indem ich einem apokalyptischen Muster folgte, das den Verbrechen zu unterliegen schien, und dabei war es ein Zufall. Ich bin zu Jorge gelangt, indem ich einen Urheber aller Verbrechen suchte, und dabei haben wir nun entdeckt, dass im Grunde jedes Verbrechen einen anderen Urheber hatte, beziehungsweise keinen. Ich bin zu Jorge gelangt, in dem ich dem Plan eines perversen, wahnhaften, aber methodisch denkenden Hirns nachging, und dabei gab es gar keinen Plan, beziehungsweise Jorges ursprünglicher Plan hatte sich selbständig gemacht und eine Verkettung von Ursachen eingeleitet, von Haupt- und Neben- und Gegenursachen, die sich auf eigene Rechnung weiterentwickelten, indem sie Wechselbeziehungen eingingen, denen keinerlei Plan unterlag. Wo ist da meine ganze Klugheit? Ich bin wie ein Besessener hinter einem Anschein von Ordnung hergelaufen, während ich doch hätte wissen müssen, dass es in der Welt keine Ordnung gibt.*

(Zum Tode Umberto Ecos)

eco_sw

* aus Der Name der Rose

Außer Atem

Wenn George Clooney mit der Kanzlerin Kaffee trinkt und Meryl Streep einem im Biomarkt die letzten fair gehandelten Brühwürfel vor der Nase wegschnappt, dann ist wieder Berlinale-Zeit! Laut der hiesigen Idiotenpresse halten die Hollywood-Stars während ihrer eher kurzen Besuche die Stadt regelmäßig „in Atem“. Hechel-hechel-hechel! Hat Clooney mit den Flüchtlingen in Tempelhof Kekse gebacken? Ist Tilda Swinton in die falsche U-Bahn eingestiegen? Und wo ist eigentlich Clive Owen? Natürlich kümmert das niemanden wirklich. Zumindest nicht die Berliner. Es ist ein uralter Gemeinplatz, dass sich in dieser Stadt niemand für Prominenz interessiert. Nein, man ignoriert sie oder mit dem Volksmund gesprochen: man schaut sie mit dem Arsch nicht an. Schließlich sind sie überall. Tatsächlich kann man kaum noch in Ruhe an einer Bar sitzen, ohne von einer dahergelaufenen preisgekrönten Kino- oder TV-Visage um Zigaretten angebettelt zu werden. In Berlin ist es inzwischen einfacher, an ein Selfie mit Jake Gyllenhaal oder Lady GaGa zu kommen als an einen Termin im Bürgeramt. We fake it, but we fake it right. Eine Woche noch. Dann ist die jährliche Eierschaukelei der von ihrer eigenen Bedeutung hysterisch durchdrungenen Filmbranche wieder vorbei. Aber die Plakate waren ganz nett dieses Jahr. Immerhin.