Familienaufstellung

Ganz ehrlich: wann haben Sie das letzte Mal Ihre Mutter angerufen und ihr gesagt, wie dankbar Sie ihr sind? Beziehungsweise wie enttäuscht, überfordert, wütend, unter Duck gesetzt, vernachlässigt oder sonstwie emotional ausgelaugt Sie sich fühlen. Vielleicht sprechen Sie aber überhaupt nicht mehr mit Ihrer Mutter. Haben Sie den Kontakt abgebrochen? Liegt sie gar schon unter der Erde, ohne dass Sie die Chance zu einer letzten, alles klärenden Aussprache hatten? Bekommen Sie allein bei dem Gedanken daran marternde Kopfschmerzen, psychosomatische Magenkrämpfe und Tobsuchtsanfälle? Oder lieben Sie Ihre Mutter ganz einfach aus ehrlichem Herzen? Haben Sie Ihren Frieden mit ihr gemacht? Vielleicht mit Hilfe einer Therapie? Analyse? Systemische Beratung? Klangschalen? Elektroschocks? Familienaufstellung? Die Rasselbande vom SPIEGEL hat da längst ihre ganze eigene Form der therapeutischen Aufarbeitung gefunden. Sie lässt ihre Neurosen einfach in regelmäßigen Abständen auf die Titelseite ihres eigenen Magazins photoshoppen. Dort wird aus der Übermutti Merkel dann wahlweise die Verräterin, Trümmerfrau, Geisterfahrerin und schließlich aktuell „Mutter Angela“. Hat sie das alles verdient? Wahrscheinlich.

(Morgen ist Sonntag. Notiz an mich selbst: Mutti anrufen!)