Je suis Braunschweig? Not today, Satan, not today!

Sollte ich mit diesem Text eventuell noch ein paar Tage warten? Das fragte ich mich gerade in einem seltenen Moment der sittlichen Besinnung. Was, wenn am morgigen Rosenmontag ein furchtbarer Terroranschlag die Karnevalsumzüge am Rhein lahmlegt? Überall nur Blut und Verwesung und ich stehe nachträglich als geschmackloser Spötter da, der auf Kosten der hingemetzelten Jecken die Feder schwingt … Zum Glück waren meine Bedenken aber nur von sehr kurzer Dauer, weshalb ich mich nun auch offen darüber wundern möchte, warum es ausgerechnet in Braunschweig eine Terrordrohung gegen einen Karnevalsumzug gegeben hat. Terror in Braunschweig! Weshalb nicht in Köln, Bonn, Mönchengladbach oder in einer vergleichbaren Hochburg des Frohsinns, die jeder anständige Preuße im Geiste schon längst pulverisiert hat? Ich frag ja nur. Es muss ja niemand tatsächlich zu Schaden kommen. Eine kleine Drohung, ein wenig Anschlagshysterie und mediale Panik würden doch vielleicht schon reichen, damit der Mist wenigstens für diese Saison einmal komplett abgesagt wird. Was machen Rheinländer zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch, wenn der Karneval ausfällt? Das würde mich interessieren.

Aber Braunschweig? Habe ich etwas verpasst? Ist dort vielleicht die Dichte an Nachwuchs-Dschihadisten in letzter Zeit besonders hoch? Ist die Braunschweiger Dschihadistendichte in etwa vergleichbar mit der Dschihadistendichte in Friedrichshain? Dort wurde am letzten Sonntag der Zugverkehr am Ostbahnhof aufgrund einer Bombendrohung für ein paar Stunden gesperrt. Die ohnehin schon legendär unbeliebte Berliner S-Bahn musste daraufhin noch ein paar Fahrten mehr ausfallen lassen und am Ende ist dann doch wieder nichts explodiert. Außer den mentalen Sicherungen vieler Fahrgäste natürlich. Der Großstädter reagiert auf Terrorwarnungen im öffentlichen Nahverkehr genau so wie auf Meldungen über Baustellen, Ersatzverkehr und „Fahrgastunfälle“ (Selbstmörder, die vor fahrende Züge hüpfen): er ist genervt. Alles, was im Weg ist und zu Verspätungen führt, nervt. Für Montag morgen gilt daher wieder einmal: Bauarbeiter, Kontrollettis, Junkies, Lebensmüde, Terroristen und Touristen, aus dem Weg mit euch! Lasst mich durch, geht nach Köln oder ins Hunsrück! Ich hab zu tun!

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