So here we fucking go

Wenn Helene Fischer wenigstens Mitglied bei Scientology wäre … Es würde ihren roboterhaften Frohsinn erklären und außerdem ihrer Biografie etwas Würze verleihen. Und ist sie nicht auch für Florian Silbereisen das, was einst Katie Holmes für Tom Cruise war? Aber es spielt keine Rolle, denn man kommt nicht heran an diese biedere Stimmungsnudel – nicht mit Spott, nicht mit Kritik, höchstens mit Salzsäure.

Bevor ich mir aber die Finger verätze, nehme ich Abstand von Frau Fischer und schaue lieber dorthin, wo Popkultur noch schmutzig, albern und verheißungsvoll um die Ecke glitzert. Aus den Resten einer gescheiterten American-Idol-Karriere, der Asche von John Waters, den alten Perücken von Nina Hagen und den Gebeinen von Miley Cyrus stieg Anfang des Jahres der Stern von Adore Delano empor. Hinter deren quietschbunter Fassade steckt der 24-jährige Danny Noriega aus Kalifornien – ein augenrollender, etwas nervtötender, dauerfluchender, liebenswerter Mensch, der während der sechsten Staffel von RuPaul’s Drag Race zu Ruhm und Ehre gelangte. Was soll man sonst auch anstellen mit einem solchen Gesicht, das wie der feuchte Traum eines Meth-süchtigen Manga-Zeichners aussieht? Zeitgleich zum Finale von Drag Race veröffentlichte Adore Delano dann flott ein eigenes Album mit dem Titel „Farbenspiel“ – nein, Moment, „Til Death do us Party!“ ist wohl der Name. Womit sie vielleicht nicht gleich Madame GaGa vom Thron stoßen wird, aber immerhin genügend Wumms mitbringt, um uns ganz sicher noch für eine Weile zu unterhalten. Everybody get some cherry candy yum yum!

AdoreDelano