Wie trinkt Martin Schulz seinen Kaffee?

100 % der Menschen wissen zu wenig über Martin Schulz. Man liebt ihn einfach so. Weil er nicht Sigmar Gabriel ist. Und das ist in der heutigen SPD schon eine Spitzenleistung, denn bis vor kurzem waren die meisten Mitglieder in der SPD noch Sigmar Gabriel selbst. Weil in der Öffentlichkeit so wenig über ihn bekannt ist, ist Martin Schulz zu Chuck Norris gegangen und hat seine Fakten für sich eingefordert. Chuck Norris hat sie ihm sofort gegeben. Seitdem weiß man einiges mehr über Martin Schulz: Martin Schulz braucht die Toilette nicht zu spülen. Er sagt einfach „Sozialdemokratie“ und die Scheiße sieht ein, dass sie verloren hat.

Martin Schulz streichelt keine Tiere, die Tiere streicheln sich selbst, wenn er in der Nähe ist … Das gilt auch und insbesondere für Sigmar Gabriel. Wenn Martin Schulz über die Wiese geht, riechen die Blumen an ihm. Und wählen danach SPD. Martin Schulz verwählt sich nicht. Wenn du abhebst, warst du am falschen Telefon. Und wählst danach SPD. Martin Schulz wurde letztens von der Polizei angehalten … Die Polizisten sind mit einer Verwarnung davon gekommen. Und haben seitdem rote Uniformen. Wie trinkt Martin Schulz seinen Kaffee? Antwort: Schwarz! Und mit schwarz meine ich rot! Wenn Martin Schulz ein Ei essen möchte, pellt er das Huhn. Und mit Huhn meine ich die CDU. Die CDU wählt hinterher die SPD. Martin Schulz darf im Bus essen. Der Busfahrer wählt danach die Linke … die linke Spur beim Abbiegen. Am Wahltag wählt er die SPD. Wie hört es sich an, wenn Martin Schulz angeln geht? – „Du, du und du rauskommen! Sehr geiler Dorsch hier übrigens!“ Die Fische wählen danach nicht SPD, denn sie sind tot. Martin Schulz braucht keine Hundebeutel. Sein Hund sammelt seine Haufen selbst ein. Und verkauft sie Angela Merkel als Nutella. Martin Schulz hat einmal ein „Happy Meal“ zum Weinen gebracht. Indem er ihm aus dem AfD-Wahlprogramm vorgelesen hat. Giraffen sind Pferde, denen Martin Schulz einen Kinnhaken verpasst hat. Weil sie Schwarz-Gelb sind. Martin Schulz hat die Schachweltmeisterschaft gewonnen, in null Zügen. Das Schachfeld war rot-rot kariert. Martin Schulz hat versucht Gewicht zu verlieren, aber trotzdem gewonnen. Donald Trump verweigert Martin Schulz nicht den Handschlag. Donald Trump bittet Martin Schulz um einen Handschlag. Wobei … Moment … Das ist gar nicht Donald Trump! Das ist auch Martin Schulz, der sich einen halben Meter Dämmwolle auf den Schädel getackert hat und jetzt auch US-Präsident ist. Und sich selbst die Hand schüttelt! Martin Schluz reitet nach Ankara ein – auf einer holländischen Kuh. Dort bringt er Erdogan dazu, dass dieser seine Meinung zur Pressefreiheit ändert – und sich deswegen umgehend selbst festnimmt. Aus dem Gefängnis heraus wählt er per Briefwahl SPD.

So in etwa läuft das wohl bei Martin Schulz. Ist wichtig, dass ihr Bescheid wisst. Es wäre ja auch wirklich überaus bescheuert, einen Kandidaten nur aus Sympathie zu wählen – oder, weil er eben nicht Sigmar Gabriel ist.

Quelle: Sebastian 23

Walser B. Goode

Ich weiß nicht, was ich an Martin Walser beunruhigender finden soll: seine Augenbrauen oder den Umstand, dass er Jakob Augstein gezeugt hat. Über seine Literatur kann ich mich nicht äußern, ich habe tatsächlich noch nie ein Buch von ihm gelesen. Am nächsten Freitag wird Walser 90 Jahre alt. Damit wird er dann nicht nur die Gruppe 47 sowie die meisten seiner Kritiker überlebt haben, sondern inzwischen auch Chuck Berry. Spontane Idee für einen Literaturwettbewerb: Schreiben Sie eine Kurzgeschichte, in der sich die Lebenswege von Chuck Berry und Martin Walser kreuzen („kreuzen“ im Sinne einer Begegnung und nicht etwa, wie Walser am Bodensee vielleicht mal Johnny B. Goode im Radio gehört hat). Ein ganz hübscher Spagat, oder? Bitte beschränken Sie sich auf maximal 10.000 Zeichen, in der Kürze liegt die Würze. Als erster Preis winkt ein Verwöhn-Wochenende in Frankfurt am Main, inklusive Übernachtung, Frühstück, Spa (Augenbrauen zupfen nur nach Voranmeldung) und anschließendem Besuch in der Paulskirche.

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Otto Normalverbraucher

„Die Familie von Thomas de Maizière ist in besonderer Weise mit der deutschen Geschichte verwoben. Aus dem Raum Metz stammend, flüchten seine Vorfahren – hugenottische Protestanten – im 17. Jahrhundert vor der religiösen Verfolgung in Frankreich nach Brandenburg-Preußen. Der Gedanke der Pflichterfüllung gegenüber dem Staat, der einst Zuflucht bot, ist seitdem in der Familie fest verwurzelt. Vater Ulrich dient in drei deutschen Armeen: der Reichswehr in der Endphase der Weimarer Republik, der Wehrmacht und der Bundeswehr.“*

Der Innenminister ist ein Musterbeispiel gelungener Integration: fleißig, fromm, militärisch gedrillt und dem deutschen Staat ebenso treu ergeben wie (praktisch von Geburt an) großzügig von ihm finanziert. Thomas de Maizière weiß, was sich gehört. Deshalb ließ er es sich auch nicht nehmen, einem Berliner Taxifahrer mit türkischen Wurzeln zu dessen hervorragenden Deutschkenntnissen zu gratulieren. In der letzten Ausgabe von Hart aber Herzlich Fair war das, in der es natürlich um die Ungezogenheit der Türken im Allgemeinen und um die von Erdogan und seinen Anhängern im Besonderen ging. Ganz besonders beeindruckt zeigte sich de Maizière davon, dass der ihm vorgeführte Berliner, der hier seit vierzig Jahren lebt und unter anderem Architektur studiert hat, den Begriff „Otto Normalverbraucher“ ins Spiel brachte, ja tatsächlich. Das sei doch ein hohes sprachliches Niveau, so der Minister, zwar noch mit einem kleinen Akzent, aber dennoch … Thomas de Maizière lebt in Dresden, unverständliches Genuschel ist er also gewöhnt. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch! Wenn der so gelobte Taxifahrer jetzt noch dreimal hintereinander „Bruttosozialprodukt“ fehlerfrei aussprechen kann, lädt der Minister ihn als Belohnung vielleicht zu einem Schnitzel mit Soße ein. So kann er dann gleich noch beweisen, ob er schon mit Messer und Gabel essen kann. In der selben Sendung wurde übrigens die Frage gestellt, weshalb sich so viele „Deutschtürken“ als Bürger zweiter Klasse fühlen.

Es ist nur ein Beispiel von vielen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir fällt sie immer sofort auf, diese gut gemeinte Blut-und-Boden-Arroganz der selbst ernannten Biodeutschen. Sie reden von „Integration“, meinen in Wahrheit aber immer Assimilation. Deutsch ist man für diese Leute nach frühestens dreihundert Jahren. Wer eine etwas dunklere Hautfarbe hat, darf gerne noch mal hundert Jahre drauf packen. Davor gibt es maximal Duldung und Noten für gutes Betragen oder akzentfreie Aussprache. Der Berliner Taxifahrer tut mir leid. Sein Dilemma ist, dass er sich nicht entscheiden kann, wem er sich mehr unterwerfen soll – dem perfekt assimilierten Hugenotten de Maizière oder dem nationalistischen Großmaul Erdogan. Ein Lehrstück in Sachen Selbstaufgabe und vaterländischer Demut. Grauenhaft.

*Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung

One day the sadness will end.

Beinah täglich erreichen mich Zuschriften, in denen Menschen mir für mein herausragendes literarisches Schaffen danken, gleichzeitig aber auch besorgt nachfragen: „Weshalb erfahren wir eigentlich so wenig Persönliches von Ihnen, lieber Herr Radikale Heiterkeit? Ihr Blog befindet sich nun bereits im dritten Jahr seines glanzvollen Daseins. Manch herrliche Minute haben Sie uns damit beschert, manch vergnüglichen Gluckser entlockt. Wo aber bleibt das Menschliche hinter diesen Zeilen, das Herz, die zarte verletzliche Seele? Ja, wo bleibt der Mensch mit all seinen Schmerzen, Sehnsüchten, Träumen, seinen Irrungen und Wirrungen? Haben Sie denn gar kein Innenleben, das Sie mit uns teilen möchten? Keine Verwandten? Keine Haustiere? Nicht mal eine Geschlechtskrankheit? Depressionen? Suizidale Gedanken? Oder mal so einen richtig tränenreichen Trauer-Porno, zu dem wir uns die Anteilnahme aus dem Leib wichsen können? IRGEND ETWAS???“ Die Antwort lautet: Nein. Stattdessen, meine lieben Leser, halte ich es wie mein großes Vorbild Katya Zamolodchikova (the sweatiest woman in show business), und tanze aufkommende Gemütswallungen zu Beginn des Frühlings regelmäßig in einer rituellen Performance hinfort. Das hilft übrigens auch bei Schreibblockaden. Gerade stecke ich nämlich in einem Text über die deutsche Integrationsdebatte fest, den ich aber heute Abend noch zu veröffentlichen gedenke (so raunen zumindest die inneren Stimmen). Bis dahin gilt: You better knock, knock, knock on wood!

Schrauben sind Nägel mit Falten

„Bäume sind Büsche auf Balken. Schrauben sind Nägel mit Falten.“ Als der Poetry Slammer Sebastian 23 diese Zeilen kürzlich in der NDR Talk Show vortrug, sah Barbara Schöneberger aus, als würde sie gerade live einen Schlaganfall erleiden. Man kann das natürlich auch als Ergriffenheit interpretieren. Für übertriebenen Kulturpessimismus besteht dennoch kein Grund. Die Lesungen der Gruppe 47, immerhin die Urmutter aller Poetry Slams, waren nämlich auch nicht viel intelligenter. Die taten damals nur so. Außerdem dichtet es sich mit einem frisch überstandenen Weltkrieg im Rücken natürlich wesentlich depressiver und metaphernreicher: „Denn die Eingeweide der Fische sind kalt geworden im Wind.“ Bis heute weiß niemand (die Schöneberger erst recht nicht), was Ingeborg Bachmann damit gemeint hatte. Aber es klingt immer noch sehr bedeutend, das gebe ich gerne zu.

Kokoswasser am Ende der Welt (im Zweifelsfall asozial)

Der Ullrich-Verbrauchermarkt in Mitte wirbt damit, dass er „bei namhaften Leuten aus Politik und Wirtschaft sehr gefragt“ sei. Wegen der Nähe zum Regierungsviertel, nehme ich an. Dabei unterscheidet sich das Publikum hier gar nicht so sehr von dem seines legendären Verwandten am Bahnhof Zoo, außer vielleicht in der Anzahl der Alkis, Junkies und Schäferhunde. Die halten sich, allen Säuberungsmaßnahmen zum Trotz, bei „Ullrich am Zoo“ noch immer tapfer. In Mitte dagegen ist bereits alles clean. So „clean“ es in Berlin halt geht, Sie verstehen. Was durchaus seine Vorteile hat, denn ich gehe ja in einen Supermarkt, um mir was zum Beißen zu kaufen, nicht um gebissen zu werden. Die relative Sauberkeit erklärt sich auch dadurch, dass hier erst vor kurzem alles generalüberholt wurde. Ein zweistöckiges, blitzeblank-hippes Einkaufsparadies ist das jetzt. Sie finden hier praktisch alles. Alles außer namhaften Leuten aus Politik und Wirtschaft. Zumindest sind mir hier noch keine begegnet. Stattdessen treffe ich vor allem auf junge Touristengruppen, russische Mütterlein und neureiche Partyopfer auf der Suche nach energetischem Kokoswasser. Gleich gegenüber ist die tschechische Botschaft. Wahrscheinlich ist der Botschafter hier Stammkunde, den kenne ich allerdings nicht. Wie bekannt muss man eigentlich sein, um als „namhaft“ durchzugehen?

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Der Markt liegt im Hinterland der Mall Of Berlin, eingebettet in realsozialistischen Brutalismus, renovierte Gründerbauten und die neue Hauptstadt-Architektur, welche bekanntermaßen nur eine Mischung aus den beiden erstgenannten Baustilen ist. Einst lagen hier die legendärsten Techno-Clubs, dahinter das ehemalige Niemandsland des Todesstreifens, das Ende der Welt. Noch viel früher tobte hier das Leben unter Kaiser Wilhelm und kurzzeitig der Tod unter dem Führer. Heute herrscht hier ein seltsam amorpher Übergangs-Charme vor. Der gemeine Kiez-Berliner bezeichnet so etwas gerne als steril, anonym oder gentrifiziert. Mir aber gefällt diese Gegend. Ich habe jetzt öfter hier „zu tun“ und ich genieße es. Ich brauche keine authentischen Hundekacke-Hoods mit heimeligen Nachbarschafts-Cafés. Für mich kann es gar nicht anonym genug sein. Ich mag es, mich in der eigenen Stadt fremd zu fühlen. Bin ich deshalb vielleicht asozial? Im Zweifelsfall ja. Bitte diskutieren Sie in der Gruppe!

Helau & Fuck your feelings!

„I hurt people for a reason. I like to think of myself as a virtuous troll.“
(Milo Yiannopoulos)

Wie lange denke ich nun schon darüber nach, einen Kommentar zu diesem Knaben abzusondern? Eigentlich hatte mich längst dagegen entschieden. Die Nachricht über Milo Yiannopoulos‘ Trennung von Breitbart News (deren leitender Redakteur er immerhin für einige Jahre war) lässt mich nun aber meine Entscheidung spontan korrigieren. Gut, hier sind sie also, so knapp wie möglich: meine zwei Cent zu Milo, dem blondierten Suppenkasper der amerikanischen Alt-Right-Bewegung. Sehen Sie es einfach als meinen Beitrag zum diesjährigen Karneval – ein Elend, dass ich mir, ähnlich wie die Causa Milo, bisher glücklicherweise nur aus der Ferne zumuten musste. Anfangs hielt ich Milo für eine durchaus bereichernde Figur im öffentlichen Diskurs um Meinungsfreiheit und politische Korrektheit. „Fuck your feelings!“ lautet einer seiner munteren Schlachtrufe, mit anderen Worten: Befindlichkeiten sind keine Meinungen, und beleidigt zu sein ist noch keine politische Haltung. Schwul zu sein übrigens auch nicht. Weshalb Milo sich als libertärer Schwuler auch die Freiheit herausnahm, erzkonservative Ansichten zu vertreten und diese dann mit der eigenen Sexualität kontrovers aufzupimpen. Das war eine kurze Zeit lang auch recht unterhaltsam und hat genau diejenigen getriggert, die er damit triggern wollte. Seine „Dangerous Faggot“-Vorträge, die Ausstellung „Twinks for Trump“ – das hatte schon fast die Qualität Schlingensief’scher Aktionskunst. Vielleicht müsste Schlingensief heute ja auch ein Neurechter sein, um noch eine ähnlich subersive Strahlkraft zu erreichen. Irgendwann hatte Milo schließlich eine ganze Protestbewegung gegen sich und bei Twitter lebenslanges Hausverbot. Alle Achtung, das hat nicht mal die alte Schreckschraube Ann Coulter geschafft!

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Muss man eine solche Figur aushalten können? Grundsätzlich ja. Nur ist für mich inzwischen auch klar, dass der ganze reaktionäre Dreck, den er da verbreitet, für ihn letztlich nur Mittel zur Selbstvermarktung ist. Sein bizarrer Performance-Mix aus Hedonismus, Biederkeit, Zynismus und konservativer Empörung ergibt inhaltlich praktisch gar keinen Sinn. Es passt einfach nicht zusammen. Letzlich sehe ich da nur einen selbstverliebten Pausenclown, der sich einer rechten Revolution angebiedert hat, an deren Werte er selbst nicht glaubt. Und der mitgeholfen hat, eine Truppe ins Weiße Haus zu befördern, die heute dreimal so dogmatisch und dünnhäutig daher kommt, wie Milo es seinen Gegnern, den Snowflake Liberals, immer so gerne vorwirft. Den größten Witz in dieser ganzen bigotten Inszenierung stellt nun aber die Begründung für seine Kündigung bei Breitbart News dar. Nach einem Interview, in dem er sich offenbar über potentiellen Sex mit 13-jährigen Jungs geäußert hatte, zeigte Milo als bekennender Katholik plötzlich öffentliche Reue und entschuldigte sich für seine „unglückliche“ Wortwahl. Damit hat er wohl die Chance auf seinen ersten und einzigen authentischen Moment verpasst, denn wenn die katholische Kirche eine Kernkompetenz vorzuweisen hat, dann ja wohl Sex mit Minderjährigen. Helau!