Dancing with myself (Corona-Clickbait)

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Ich möchte wissen, welches Klopapier Heidi Klum benutzt!

Vor einigen Jahren dachte ich noch, es wäre mindestens eine UFO-Landung nötig, damit das mit den Hamsterkäufen und Plünderungen hier mal so richtig los geht. Es braucht aber wohl doch nur einen chinesischen Labor-Assistenten, dem mal kurz die Pipette ausrutscht, dazu eine ausreichend aufgekratzte Öffentlichkeit, und die Leute drehen komplett durch. Wer schon immer mal wissen wollte, wie das Warenangebot in Bukarest 1972 aussah, der sollte sich dieses Wochenende auf den Weg machen und die große Klopapier-Apokalypse fotografisch festhalten. Bevor sich die Situation wohlmöglich wieder normalisiert. Ach, und schon lese ich die ersten unvermeidlichen Wortmeldungen darüber, dass natürlich mal wieder der Kapitalismus Schuld ist. An irgendwas. An allem. Der Kapitalismus ist immer Schuld. Und das Patriarchat. Die üblichen Verdächtigen. Man kann die Intelligenz eines Menschen absteigend immer sehr leicht daran festmachen, wie viele vermeintliche Plagen er dem bösen alten Buhmann Kapitalismus in die Schuhe schiebt. Immer.

CHM_ForeverRoll

Ich schaue derweil einfach weiter „Germany’s Next Topmodel“, was sonst? Daran ist natürlich auch der Kapitalismus Schuld. Heidi Klum hat sich während der Dreharbeiten zur aktuellen Staffel übrigens einen Parasiten eingefangen. Bitte unterlassen Sie an dieser Stelle Witze über die Kaulitz-Brüder, gemeint ist hier ein krankmachender Wurm (ja ja, die Kaulitz-Brüder … ), also eine echte Arschmade (Kaulitz!), die sich offenbar in Heidis Gedärm festgesetzt hatte (Jetzt ist aber wirklich gut mit Kaulitz!). Ich glaube, es gab sogar eine Live-Schaltung in den Darm. Und das Wochen vor dem großen Corona-Hype. Da soll bitte noch jemand behaupten, diese Frau wäre keine Trendsetterin! Was unweigerlich die Frage aufwirft, ob Heidi Klum rechtzeitig ausreichend Klopapier gebunkert hatte und welche Sorte sie eigentlich benutzt. Ich tippe auf Charmin Super Mega Ultra Soft (6 Rollen in einer) oder auf die große Forever Roll, da hält eine Rolle einen ganzen Monat (die gibt es tatsächlich, siehe Abbildung). Zurück zu den Models: ProSieben hat auch dieses Mal keine Kosten und Mühen gescheut, um die dümmsten Hühner der Republik zusammen zu trommeln und im geradeaus laufen zu trainieren. Bisheriger Höhepunkt des Programms: ein schwuler Catwalk Trainer, der einer Kandidatin unentwegt zurief „Weniger Bitch, mehr Sonnenblume!“ (über das einzigartige Vokabular dieser Sendung hatte ich mich ja schon an dieser Stelle ausgelassen, ach ja und auch an dieser). Der selben jungen Dame wurde dann später noch bescheinigt, sie sei ein „Rising Star“, worauf sie selbstbewusst in die Kamera sprach: „Ich bin am risen“. Und da haben wir es, mein Motto für den Rest der neuen Goldenen Zwanziger, see you later, ihr alten Arschmaden: ich bin am risen!

Spurlos

Ich beobachte, wie sie bedächtig jede Frucht und jede Knolle einzeln auf das Laufband legt. Solche Leute sehe ich beim Einkaufen jetzt immer öfter: radikale Verpackungsvermeider. Kein Plastik, keine Folie, kein Papier. Und nach der Bezahlung stopfen sie dann auch alles einzeln und unverpackt in ihre verfilzten Rucksäcke. Man kennt das aus den Bioläden, jetzt ist es auch bei den großen Discountern üblich. Sie haben die Leute also nicht umsonst mit ihren grünen Wohlfühl-Kampagnen zugedröhnt. REWE ist nachhaltig, EDEKA ist Bio, LIDL spendet für Pandabären und Nena rettet den Planeten mit Möhrchen von PENNY. Jetzt fühlen sie sich also auch hier zuhause. Und sie wollen sich nicht daran mitschuldig machen, wenn irgendwo ein Delfinbaby an einer deutschen Gemüseverpackung erstickt. Also rollt auch die Dame vor mir ein Tomätchen, drei Radieschen, ein Petersilien-Strunk und noch ein paar dreckige Kartoffeln über das Band, und ich stelle mir vor (irgendwie muss ich die Wartezeit ja überbrücken), wie sie vorhin vielleicht noch kräftig in der Nase gebohrt hat und hier gerade mehr Krankheiten verteilt als die berühmte Kloschüssel aus Trainspotting (The Worst Toilet in Scotland, remember?) … In Zeiten der allgemeinen Virenpanik ein unterhaltsamer Gedanke. Ist die Ausrottung der menschlichen Rasse schlussendlich nicht auch der konsequenteste Umweltschutz? Später wird die Kassiererin ihr Warenband großflächig mit Chemikalien säubern und die Reste in einer Plastiktüte entsorgen. Aber da ist die Gemüseschubserin längst über alle Berge, überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. Unterwegs wird sie sich vielleicht noch mit einem Coffee-To-Go stärken, natürlich nur aus fairen, per Esel herangekarrten Genossenschafts-Bohnen und ohne Becher. Sie wird sich den Kaffee frisch in den offenen Mund gießen lassen. So wird sie dann das mit veganer Mandelmilch gestreckte Gesöff gurgeln, während sie eine große Zucchini auf dem Kopf balanciert (der Rucksack ist bereits voll) und auf ihrem in der nachbarschaftlichen Kolchose liebevoll reparierten Second-Hand-Fahrrad in den Sonnenuntergang schlingert – nachhaltig, keine Spuren hinterlassend, sich selbst langsam auslöschend im dunkler werdenden Horizont.

Margots Rache

Hurra, Thüringen wird endlich wieder antifaschistisch! Bodo, Frauchen und Hundi können aufatmen, Hanau sei’s gedankt. Sie haben sie endlich weich geknetet, umgebogen, kaputt trompetet, die letzten Abweichler im Parlament. So läuft Muttis Laden: Mitmachen, Reihen schließen und Posten sichern. Wer Paranoia verstehen will, muss sich nicht die Manifeste von irgendwelchen Aluhüten durchlesen. Das ganze Land hört Stimmen, seit Jahrzehnten, vornehmlich die aus der Vergangenheit. Es ist längst irre an der Tatsache geworden, dass sich die Taten der Vorfahren nun mal nicht mehr gutmachen lassen. So sucht es Zuflucht in der Verdrängung oder in einem nachträglich verordneten Antifaschismus. Das sind die Lager, beide sind sie irre und paranoid, aber dazwischen darf es nichts geben. Vergessen Sie die Hufeisen-Theorie. Was hier herumfliegt, ist kein Hufeisen, sondern ein Bumerang. Wer eine Haltung irgendwo in der Mitte sucht, sollte sich lieber tief ducken oder gleich die Klappe halten. Wie war das noch in der DDR? Wenn da jemand „Die Mauer muss weg“ rief, steckte die CIA und das Westfernsehen dahinter. Und wenn heute in der hessischen Provinz ein Irrer in eine Bar rennt und dort Leute erschießt, dann steckt eben die AfD dahinter. Persönliche Verantwortung, individuelle Entscheidungen, eigene Gedanken? Gibt es nicht. Nicht im Irrenhaus Deutschland. Hier gilt das Individuum als eine Erfindung von marktradikalen Imperialisten. Nein, alles wird ferngesteuert, der einzelne Mensch ist nur Knetmasse feindlicher Propaganda. Von wem wurde er beeinflusst? Was hat er gelesen, was hat er gehört oder geklickt? Mit wem hatte er Kontakt? Zugriff!!!

Irgendwo in Chile rotieren sie gerade in ihren Gräbern, aber vor Freude.

Zeit der Zärtlichkeit

Liebe in Zeiten der Marktwirtschaft – voll die Härte:0479

Liebe in Zeiten der Planwirtschaft – auf den Hund gekommen:AttilaDerHundi 

Dazu passend:

Lenin hat immer gesagt, die Bewegung kommt aus den Provinzen, und die Frau ist die Provinz des Mannes.
(Heiner Müller, „Krieg ohne Schlacht“)

Schnauze voll vom ewigen Rücken frei halten und Gassi gehen? Wollen Sie den Alten endlich zur Hölle schicken, haben den hauseigenen Folterkeller aber gerade mit Wahlplakaten zugestellt? Dann bringen Sie doch mal Schwung in den Valentinstag und buchen Sie den Schlussmach-Service im Berlin Dungeon! In other News: möglicherweise bekommt Deutschland bald sein erstes schwules Kanzlerpaar. Der Mann von Jens Spahn leitet das Hauptstadtbüro der BUNTEN, es gibt dann also hoffentlich auch mal ein paar glamouröse Homestories statt der unscharfen Urlaubs-Schnappschüsse von Merkel im Regenmantel. In diesem Sinne: Dildos statt Blumen! Und natürlich #JusticeForAttilaDerHundi!

Wahrscheinlichkeiten

Neuer Name, neue Resistenzen, altes Spiel, ich kann es nur wiederholen: Same Same But Different. Wie wahrscheinlich ist es, sich den aktuellen chinesischen Killervirus einzufangen? Fakten! Fakten! Fakten! Wolln’se haben? Könn’se kriegen! Aktuell sind etwas mehr als 20.000 Menschen weltweit infiziert, ein paar hundert sind in China daran gestorben. Die mediale Erregung ist mal wieder wesentlich schneller als der Erreger selbst. Natürlich sterben mehr Menschen durch Langeweile, Krankenhauskeime, Nikotin oder den unsachgemäßen Gebrauch eines Thermomixers. Hitler hat sogar noch mehr auf dem Gewissen. Und Stalin erst. Oder Mao, Dschingis Khan, der Dreißigjährige Krieg, die Pest und die Alien-Invasion von 1423! Gestorben wird immer. Also regen Sie sich mal wieder hübsch ab. Noch unwahrscheinlicher als am Corona-Virus zu erkranken ist es übrigens, auf der Friedrichstraße einen Mann mit einer Melone auf dem Kopf zu treffen (gemeint ist hier der Hut, nicht die Frucht – letzteres ist zum Beispiel auf sommerlichen Wochenmärkten gar nicht so selten). Und dennoch ist mir heute genau das passiert. Es war eine klassische Melone, so wie englische Lords, Egon Olsen und die Steampunk-Bewegung sie gerne tragen. Kurz nachdem ich den Mann mit der Melone sah, kam die Sonne raus. Adieu, ihr grauen Wolken! Ich habe meinen ganz persönlichen Groundhog Day also mit etwas Verspätung erlebt und weiß jetzt, wie das Wetter gemacht wird. Fakten! Fakten! Fakten! Alles wird gut.

#RadtkeDidntKillHimself – Ein Nachruf

Nein, der junge Mann ist nicht wirklich tot. So nehme ich an. Aber was weiß ich schon? Unbestätigten Gerüchten zufolge gibt und gab es nie einen Tom Radtke. Es handelt sich dabei wahrscheinlich nur um die jüngste frankenstein’sche Schöpfung eines geheimen Digital-Labors in Schleswig-Holstein, oder der Ukraine – da kommen die ganzen lustigen Trolle doch immer her, richtig? Tom Radtke hat die schillerndste und gleichzeitig kürzeste Twitter-Karriere Deutschlands hingelegt. Schon sein Einstieg war eine Granate: zum Gedenktag der Befreiung von Auschwitz erklärte er uns die Klima-Bilanz des zweiten Weltkrieges, trendete daraufhin die Timelines zu Asche und schoß schon bald todesmutig gegen alles, was sich ihm in den Weg zu stellen drohte: FFF, die Grünen, Johannes Kahrs und natürlich gegen den unvermeidlichen Twitter-Goebbels Böhmermann. Kurz bevor die erste große Seifenoper der Generation Klimahüpfer aber so richtig Fahrt aufnehmen konnte (mögliche Hintergründe des Dramas werden hier geschildert), war der Spaß leider schon wieder vorbei. Konto gesperrt, Sendeschluss. Vielleicht ist es ja gut so – it’s better to burn out than to fade away … Mach es gut, Tom, du warst und bist ein Kind deiner Zeit.

@tomradtkede


Eilmeldung (ach, man kommt ja gar nicht mehr hinterher): Er ist wieder da! Bitte gehen Sie zurück auf Los, speichern Sie obigen Nachruf für den Fall der nächsten Sperrung und vor allem: Bleiben Sie dran!