2020: Kafka on Speed

War was? Ist was? Kommt noch was? Atmen Sie noch? Können Sie noch lesen? Sehr schön, dann bekommen Sie an dieser Stelle schon mal einen vorgezogenen Jahresrückblick, bzw. eine Zwischenbilanz, wie auch immer. Wer hat denn noch Zeit, bis zum Dezember zu warten? Bis dahin hat die zweite Welle des Killer-Virus uns vielleicht längst den Garaus gemacht! Ich fasse also so flott wie möglich zusammen: Grundsätzlich ging und geht es in diesem Jahr darum, Menschen davon abzuhalten, sich gegenseitig ins Gesicht zu rotzen. Ein wichtiges Anliegen. Stellen Sie sich vor: ich wurde in meiner Kindheit noch dazu erzogen, selbst daran zu denken, mir regelmäßig die Hände zu waschen und im Falle einer Nies-Attacke einfach ein Taschentuch zu benutzen. Ohne öffentliche Anleitung und Piktogramme. Unglaublich. Derlei anarchisch neoliberaler Terror ist für die Bevölkerung heute natürlich nicht mehr zumutbar, weshalb es staatlicher Vorschriften sowie einer umfangreichen Vermummungs-Bürokratie bedarf, um den drohenden Volkstod abzuwenden. Bis jetzt scheint dies auch gelungen. Aber nur, weil alle so brav mitgemacht haben, nicht wahr? Die Deutschen gehen hier mal wieder mit leuchtendem Beispiel voran. Lassen Sie jetzt also nur nicht locker, halten Sie durch und bleiben Sie am Ball! Haben Sie schon die App installiert? Kennen Sie die neuen Regeln? Die neuen Zahlen? Sie wollen doch nicht enden wie der irre Attila oder wie einer dieser unbelehrbaren Nazi-Covidioten?! Wollen Sie etwa alte lungenkranke Menschen auf dem Gewissen haben? Kleine unschuldige Kinder? Babies? Hundebabies? Kleine unschuldige lungenkranke Hundebabies?! Wirklich? Leugnen Sie Corona? Das Klima? Den Holocaust? So einer sind Sie also! Mörder! Spalter! Schädling! Bitte bessern Sie sich, besinnen Sie sich und denken Sie bitte immer daran: Staatlicher Rundfunk ist Liebe, Widerspruch ist Hass, Freiheit ist Faschismus und Ihre Gesundheit geht uns alle an! Mutti lässt Sie nicht im Stich, Mutti lässt Sie nie allein, auch wenn Sie das vielleicht ab und zu wollen. Was wissen Sie denn schon, was Sie wollen? Kommen Sie also zurück auf den rechten Pfad und lassen Sie sich nicht beirren, egal wie widersprüchlich Ihnen die Anweisungen und Regelungen der letzten Monate auch erscheinen mögen: Maske auf, Maske ab, Schließen, Öffnen, Verbieten, Zulassen, Teilverbieten, Teilzulassen, Abstandhalten, Zusammenhalten – das hat schon alles seine Richtigkeit. Bitte verzweifeln Sie nicht an den Zuständen. Das Geschwitze und Gestöhne, das Gezeter und Gemecker, das Anscheißen und Denunzieren, der ganze kafkaeske Irrsinn, er war nicht umsonst. Ihr Einsatz und Ihre Treue werden belohnt werden, ganz sicher! Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Staat.


Edit: Schinken ist auch keine Lösung!

Quelle: coronny.com

 

Who’s gonna drive you home tonight? (Ich streame weiter)

Ich bin auf der Flucht. Im Autoradio höre ich die Fahndungsnachricht, sie kennen jetzt meinen Namen. Ich wechsle den Sender, drehe die Musik auf und singe, schreie mit, so laut ich kann: „Gloria, don’t you think you’re falling? If everybody wants you, why isn’t anybody caaaalling?“ Vor mir liegt Miami Beach, Schauplatz meines nächsten Mordes. Es wird der letzte sein, der beste und glamouröseste. „Gloria, I think they got your number … I think they got the alias that you’ve been living under …“ Das Meer ist so blau, wie ich es erwartet habe und Laura Branigan begleitet mich in den Untergang. Ich habe nichts mehr zu verlieren.


Tatort Netflix. Ich habe die perfekte Serie gefunden, endlich, wenn auch mit etwas Verspätung: The Assassination of Gianni Versace (veröffentlicht 2018 auf FX). Perfekt auf mich zugeschnitten, ich bin wohl die Zielgruppe. Weil ich nun mal eine Schwäche für charismatische Serienkiller habe, für ihre Motive, ihre Psyche und ihren Lebenslauf. Vielleicht auch, weil mein lieber Gatte mir bereits vor Jahren erzählte, dass er den späteren Versace-Mörder Andrew Cunanan Mitte der 90er Jahre tatsächlich mal in einer Bar in San Francisco kennengelernt hatte. Es war nur eine kurze Begegnung, er hat es überlebt. Die Serie haben wir uns nun zusammen angeschaut. Dort wird Cunanan als ebenso psychopathischer wie einsamer Charakter dargestellt, als Größenwahnsinniger und Besessener, der sich vor seinen Mitmenschen immer wieder neu erfindet. Ständig präsentiert er neue, fantastische Versionen seiner Biografie, während seine wahre Lebensgeschichte in Rückblenden rekonstruiert wird. Darin eingebunden sind auch die Geschichten seiner Opfer, inklusive die von Gianni Versace (dessen Mord zwar den erzählerischen Rahmen bildet, insgesamt aber höchstens zehn Prozent der Handlung einnimmt). Die Familie Versace hat sich ausdrücklich von dieser Produktion distanziert und leugnet bis heute, dass Cunanan und Versace vor seiner Ermordung jemals persönlichen Kontakt hatten. In der Filmversion finden deren Begegnungen dann meist auch in künstlich inszenierten Umgebungen oder in traumähnlichen Sequenzen statt. Vielleicht ist es gar nicht wichtig, ob die beiden sich wirklich kannten oder nicht, denn durch den Mord bleiben ihre Namen für immer miteinander vereint. Zum Schulabschluss soll Andrew Cunanan von seinen Mitschülern den Titel „Most Likely To Be Remembered“ verliehen bekommen haben. Diese Prophezeiung dürfte sich nun endgültig erfüllt haben.

Criss_Cunanan

Die perfekte Serie kann für mich nur eine Miniserie sein. Sechs bis zehn Episoden, das reicht. In diesem Fall sind es neun. Ein kompakter dramatischer Bogen. Keiner dieser aufgeblasenen Glotz-Marathons, bei dem ich spätestens nach der zweiten Staffel die weiße Fahne schwenke, weil mein anfängliches Interesse sich längst in Erschöpfung und in Missgefallen über endlose Storylines und ständig neue hanebüchene Plot-Twists aufgelöst hat. Auch das Casting ist nahezu perfekt. Neben Hauptdarsteller Darren Criss hat mich vor allem Judith Light in einer Nebenrolle begeistert. Kinder der 80er Jahre kennen sie vielleicht noch aus der Sitcom „Wer ist hier der Boss?“. Hier spielt sie nun die Witwe eines der Mordopfer von Andrew Cunanan, die Homeshopping-Queen Marilyn Miglin, die ihr Leben vor allem auf Selbstbeherrschung und Verdrängung aufgebaut hat. In ihrer kalten Maskerade aus hochtoupierter Betonfrisur, High Heels und eisernem Willen wirkt sie fast noch beängstigender als der Mörder Cunanan in seinen psychopathischsten Momenten. Dazwischen blitzt aber auch bei ihr immer wieder subtile Verzweiflung durch, die Maske wird langsam brüchig. Eine unglaubliche, ja unheimliche Performance.  

Light_Miglin

Ach, und die Musik, die hat ein eigenes Kapitel verdient. Es gibt den Original Score von Mac Quayle, der dafür kunstvoll Elemente von Giorgio Moroder, Ambient und italienischer Oper kombinierte. Und es gibt das, was ich als das große Ryan-Murphy-Disco-Drama bezeichnen möchte. Ryan Murphy ist vor allem als Produzent von Glee bekannt geworden (die Serie, durch die übrigens auch Darren Criss erstmals größere Bekanntheit erlangte). Dort sangen und tanzten sich aufgekratzte High School Kids alle paar Minuten die Seele aus dem Leib. Das war vielleicht noch nicht wirklich die Krone der TV-Unterhaltung, aber schon dort bewies er ein sicheres Gespür dafür, alten Popsongs neues Leben einzuhauchen. Dieses Gespür wurde in seinen anspruchsvolleren Produktionen der letzten Jahre noch extrem verfeinert. Auch wenn er nicht immer selbst Regie führt, bleibt seine Handschrift im Soundtrack doch immer unverkennbar.

Als The Assassination of Gianni Versace vor mehr als zwei Jahren beworben wurde, machte vor allem eine Szene die Runde: Darren Criss tanzt als Andrew Cunanan, nur mit knapper rosa Unterhose bekleidet, durch ein Hotelzimmer, es läuft „Easy Lover“ von Philip Bailey und Phil Collins, während auf dem Bett ein alter Mann um sein Leben kämpft. Erinnerungen an die alberne Verfilmung von „American Psycho“ wurden wach, aber glauben Sie mir: das hier ist viel, viel besser. Und es gibt diese Szene, in der Andrew in einem Pub sitz, an irgendeiner Landstraße, unterwegs von einem Mord zum nächsten. Wie hypnotisiert schaut er sich den Auftritt einer Sängerin an (Aimee Mann in einer kleinen Gastrolle), die eine Akustik-Version von „Drive“ (The Cars, 1984) zum Besten gibt. „You can’t go on thinking nothing’s wrong …“ scheint sie nur für ihn zu singen. Was folgt, ist die vielleicht traurigste und herzzerreißendste Minute der gesamten Geschichte, sie spielt sich allein in Andrews Gesicht ab. Die finale Mordszene wird schließlich mit „Vienna“ von Ultravox unterlegt. All das hätte sehr leicht in manipulativen Schmalz umkippen können. Tut es aber nicht, dazu ist es zu präzise inszeniert. In diesen Momenten glaubt man fast, die Songs seien einzig und allein für diese eine Szene und ihren Protagonisten komponiert worden.

Ryan Murphy hat ein goldenes Händchen für solche Momente. Damit heben sich seine Serien auch wohltuend vom Großteil seiner Konkurrenz ab, die musikalisch gerne besonders dick aufträgt und dabei immer verlässlich daneben greift. Denn einfach nur deprimierende Songs über ohnehin schon deprimierende Szenen legen oder hektischen Technoschrott über hektische Verfolgungsjagden, bis den Zuschauern die Ohren bluten, das kann jeder. Dazu braucht man nicht mehr als die Sensibilität einer Scheibe Toastbrot bzw. eines durchschnittlichen ZDF-Redakteurs. Was dagegen in The Assassination of Gianni Versace passiert, ist die Erhebung von vermeintlich schnödem Radiopop auf ein neues dramatisches Level, wo Disco, New Wave, Oper, Camp und griechische Tragödie eine perfekte Symbiose eingehen. Im Dienste der perfekten Serie. Oh je, immer dieses schlimme P-Wort, ich weiß … aber ich kann nicht anders!

Fazit: Thema, Form, Darsteller, Soundtrack – alles perfekt. Fast. Einen einzigen Schönheitsfehler gibt es, aber selbst der wird am Ende noch durch einen brillanten Regie-Einfall neutralisiert. Es geht um Penélope Cruz bzw. um Donatella Versace. Eine seltsame Besetzung. Im Vergleich mit dem realen Vorbild erscheint Frau Cruz immer drei Nummern zu elegant, zu attraktiv und zu farblos. Da helfen auch das falsche Gebiss und das angestrengte Genuschel nicht. Aber dann: in einer der letzten Einstellungen schaut die trauernde falsche Donatella in einen mit dem Versace-Logo geprägten Spiegel. Ihr Gesicht verschmilzt mit dem Kopf der Medusa und sie sieht sich selbst für einen kurzen Augenblick entstellt, wahnsinnig, zur Fratze verzerrt. Ein Ausblick auf ihr zukünftiges Erscheinungsbild. Perfekt.


Abschließend möchte ich bekennen, dass ich meinen Gatten um seine damalige Begegnung mit Andrew Cunanan beneide. Ich finde die meisten Menschen dermaßen langweilig, dass mir die Bekanntschaft eines Serienkillers als faszinierende Abwechslung erscheint. Man sollte von seinen Mitmenschen aber auch nicht zu viel erwarten, jedenfalls nichts, was man nicht auch selber tun kann (alte Volksweisheit). In diesem Sinne sollte ich vielleicht einfach mal selbst … Also Sie hören von mir, so oder so.


Trailer: „The Assassination of Gianni Versace“

30 Seconds of Calm

Rund um das Märkische Museum ist es gespenstisch ruhig, ein akustisch toter Winkel in der sonst so lauten Stadt. Läuft man ein paar hundert Meter in eine beliebige Richtung, schwillt der Lärm wieder an. Nur hier ist es ruhig. Selbst der kleine Kinderspielplatz vorm alten Bärenzwinger kommt dagegen nicht an. Die Stille schluckt jedes Geräusch. Der Verkehr wird von einer derzeit stillgelegten Großbaustelle abgeschirmt, die angrenzenden Institutionen und Büros liegen noch im postapokalyptischen Lockdown-Schlaf. Hinter dem Museum steht das Haus am Köllnischen Park, eine ehemalige SED-Parteischule, architektonisch zumindest interessant, heute ein privater Apartment-Komplex, der sich in den nächsten Jahren noch ausdehnen wird – nur eben jetzt nicht. Jetzt ist Ruhe. Auf der anderen Seite schlummert der kleine Agenturturm von Media Consulta vor sich hin, dort habe ich vor ca. 15 Jahren mal gearbeitet. Fast jeder, den ich aus der Branche kenne, hat schon mal bei Media Consulta gearbeitet. Deren Kunden sind die Regierung, die EU und alle, die davon profitieren. Die Agentur selbst habe ich als Ameisenhaufen in Erinnerung, jeden Tag neue Gesichter, neue Email- und Telefon-Listen, zwölf Sprachen wurden gesprochen, was für ein Gewusel. Und jetzt ist Ruhe.

Auf CNN gibt es einen Pausenfüller, den nennen Sie „30 Seconds Of Calm“. Dort werden Segelboote gezeigt oder buddhistische Mönche, die Schriftzeichen pinseln – was man aufgekratzten Nachrichten-Junkies eben so als Entspannung unterjubelt. Mehr als 30 Sekunden dauern die Clips tatsächlich nicht, danach geht der Dauerbeschuss weiter: Breaking News, Bombshells und wackelige Live-Bilder, die Welt als epileptischer Daueranfall. „30 Seconds Of Calm“ ist die Beruhigungspille, die man ohne CNN gar nicht bräuchte. Am Märkischen Museum gibt es 30 Minuten of Calm, vielleicht auch noch 30 Tage, länger wohl nicht.

Weltpolizei

„Du hast noch nichts geschrieben!“ belehrt mich WordPress per nervigem Popup-Fenster, weil ich nun schon seit zwei Minuten untätig auf den Text-Editor starre. Worüber soll ich auch schreiben? Über Rassismus? Ich auch noch? Wurde das Thema in den letzten Tagen noch nicht ausreichend weichpüriert? Ist irgendwer noch nicht weich? Püriert, gerührt, aufgelöst, betroffen und plattgewalzt von den Bildern und dem Getöse? Ich bin jedenfalls taub. Vor allem jenen meiner Mitmenschen gegenüber, die mir seit Jahren mit der immer gleichen Litanei über ihren Lieblingsfeind, den bösen Imperialismus in den Ohren liegen. Sie jammern über die Globalisierung und über die USA, die sich als Weltpolizei aufspielt und sich in die Angelegenheiten anderer Länder einmischt. Sehr verwerflich finden sie das. Das sind übrigens oft die selben Mitmenschen, die gerne von Deutschland aus per iPhone den Amerikanern und dem Rest der Welt erklären, wen sie gefälligst zu wählen haben, die jeden Social-Justice-Trend und -Hashtag aus Übersee unkritisch kopieren, schuldbewusst der Antifa hinterherlaufen und die dann auch noch „Black Lives Matter“ auf dem Alexanderplatz nachspielen. Der Narzissmus der vermeintlich guten Sache kennt keine Grenzen, der Irrsinn kein Maß. Um das, was tatsächlich passiert, geht es längst nicht mehr, auch nicht um den armen George Floyd. Im Laufe der Proteste gegen dessen gewaltsamen Tod sind in den USA mittlerweile schon 20 weitere Menschen ums Leben gekommen – Kollateralschäden im Kampf um gefühlte Wahrheiten und symbolträchtige Bilder, von denen sich auch die Cosplay-Aktivisten hierzulande berauschen lassen. Sie lassen sich einspannen, immer wieder, und finden nichts verwerfliches daran. Sind ja auf der guten Seite.

Wie war das noch vor einigen Jahren, als ein japanischer Tsunami zu einer Wende der deutschen Atompolitik geführt hat? Fukushima ist Berlin und Berlin ist Minneapolis. Welt am Draht, Welt am Limit. Und die neue Weltpolizei versorgt sich ständig mit frischer globalisierter Hysterie. Alle sind ständig und überall mitbetroffen, alle sind unterdrückt, alles ist ungerecht und alles hängt mit allem zusammen. Paranoid und populistisch sind aber natürlich immer nur die anderen.

Attilamaschine Teil 1 – Dritter Weltkrieg / Blutraute / Bauchgefühl vor weißer Treppe

Das folgende Theaterfragment wurde inspiriert von einem einstündigen Monolog des derzeit größten deutschen Performance-Künstlers. Mögliche Ähnlichkeiten zu Heiner Müllers Hamletmaschine sind nicht beabsichtigt oder vom chinesischen Geheimdienst in Auftrag gegeben. Alle Rechte vorbehalten. Alle Hoffnung aufgegeben. Alle Schotten dicht gemacht.


Szenenbild: Frühes 21. Jahrhundert. Ein heller Raum, Tageslicht. Attila hält die linke Faust vor sein Gesicht, im Hintergrund eine weiße Treppe. Er atmet.

ATTILA:

Ich war Attila … ich … stand an der Küste und redete mit der Brandung ……… BLABLA … im Rücken die Ruinen von Europa ……… Vierter Juni … Zwanzigzwanzig ……… Freunde … Freiheitskämpfer … Demokraten … wir dürfen wieder nach Kroatien ausreisen … Frauen im Kosmetikstudio … Frauen am Strick  … Frauen mit aufgeschnittenen Pulsadern ……… seit Tag Eins … hatte ich ein Bauchgefühl … dass hier etwas faul ist … Gott … spricht zu mir … Gott schenkt mir die Freiheit … das Regime ist nervös … ich konnte es anfänglich … an vielen Stellen nicht deuten … ich machte mich … auf die Suche … und versuchte … Klarheit zu bekommen ……… versuchte die Bedrohung einzuordnen ……… Tiere werden in deutschen Pharmalaboren gequält … vergessen wir nicht … drei Millionen Tiere zu Tode gequält ……… nach all den Wochen … kann ich nun sagen, dass ich glaube, dass ich weiß, was hier passiert … und ich werde nicht … hinterm Berg damit halten ……… so … wie ich nicht das verschweigen konnte, was mir in den letzten Wochen auffiel ……… ich glaube, für alle von euch … ist es wichtig zu wissen … was hier gerade passiert … damit ihr versteht … was hier passiert … die Achse des Bösen … ich stelle Fragen … warum war Merkel in der FDJ … Mutter … Gott … Mutter … Gott … Mutter Gottes … Mutter der FDJ … der Mutterschoß ist keine Einbahnstraße … drei Millionen Tiere … Millionen von Kameras … das Regime ist nervös … Frauen im Kosmetikstudio ……… China … Warum … Wuhan … Warum ……… Wer hat die Hoheit in diesem Gebiet … Obama … Trump ist der letzte deutsche Demokrat … Mutter akzeptiert die allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht ……… im Rücken die Ruinen von Europa … Verwalterin Chinas … ihr müsst die Weltpolitik verfolgen … um zu verstehen … wovon ich spreche … damit ihr versteht … was hier passiert … Merkel und China … Es gibt einen Grund ……… alte Menschen müssen Pfandflaschen sammeln … Patterns of life …… Mensch und Maschine … Nanophysik … so klein … in diesem Bereich kann man alles schon bauen … Kohlenstoffnanoröhren … Transhumanisten … ein Chip … der es ermöglicht … per Fernbedienung die Empfängnis einer Frau zu steuern … der Mutterschoß ist keine Einbahnstraße … Blutraute … United Nations ……… und ich frage … ich suchte die Wahrheit … und ich folgte meiner Intuition … und im Laufe dieser Suche … riskierte ich alles, was ich habe ……… für die Freiheit meines Landes … sie dachten, dass sie Attila brechen können … und … ich kann heute sagen … dass es das alles wert war … und ich sagte nie … dass ich der Hüter der Wahrheit bin … aber ich sagte, ich suche die Wahrheit ……… Mutter … es gibt einen Grund … ich stand an der Küste … nun ist es an euch … ich wußte, dass ihr Schauspieler seid … ich bin es auch … ich … spiele Attila ……… der Morgen findet nicht mehr statt.

Attilamaschine-1

 

Der große Zukunftsschwindel

Ich laufe durch den Hauptbahnhof, vorbei an den digitalen Werbesäulen. „Kai Pflaume wird heute 53 Jahre alt!“ wird mir mehrmals mitgeteilt. Na, wer hätte das gedacht!? 53 Jahre! Das alte Schwiegersöhnchen! Moderiert nun schon seit Jahrzehnten tapfer alles weg, was Schwiegermüttern gefällt. Schwiegertochter gesucht. Oder Schwiegereltern im Glück. Goldene Hochzeit. Schwippschwagers Traumhochzeit. Herzblatt. Herzkranzgefäß. Herzkranke Schwiegermutter heiratet den Schwiegersohn sein Nachbarn seine Katze … Irgendsowas. Hier im Bahnhofsgebäude ist es vergleichsweise ruhig. Gerade erst habe ich den großen Reisebus-Protestkorso überlebt. Schönes Chaos mal wieder. Zehntausend Busse, die die Innenstadt verstopften, weil sie jetzt bitte auch Corona-Geld von der Regierung haben wollen – so wie die Lufthansa oder wer auch immer gerade wieder aus dem großen Steuertöpfchen naschen durfte. Dabei hupten die verdammten Busse so laut, dass den genervten Passanten die Trommelfelle platzten und nun erst Recht niemand mehr Mitleid mit der Branche hat. Läuft.

Vor dem Futurium dreht sich ein riesiger Teller auf einem ebenso riesigen Stab. Ich sehe das heute zum ersten Mal. Was ist das? Ein Gruß aus der Zukunft? Eine fliegende Untertasse mit abgekacktem Motor? Das neueste Physikprojekt der 5b aus der Gesamtschule Hellersdorf? Ein Denkmal für den mentalen Zustand Berlins? Die Untertasse scheint jeden Moment abzuheben und in die Spree zu sausen. Ich darf nicht zu lange hinschauen, sonst wird mir schwindelig. Schon spüre ich einen leichten Kreisel im Kopf. Im Futurium selbst war ich noch nicht drin. Kein Ahnung, was die da machen. Wahrscheinlich was ähnliches wie im Muppet-Labor, „wo die Zukunft schon heute gemacht wird.“ Dr. Bunsenbrenner, übernehmen Sie! Die Stadt schein langsam wieder zu ihrer alten Form hochzulaufen. Immer im Kreis. Und Kai Pflaume wird heute 53 Jahre alt. Muss man wissen.

Ich streame

Kenn’se den schon? „Treffen sich zwei Prostituierte. Fragt die eine: rauchst du eigentlich nach dem Sex? Antwortet die andere: Keine Ahnung, ich hab noch nie nachgeschaut.“ Der Mensch braucht Unterhaltung. Ich brauche Unterhaltung. Wo finde ich Unterhaltung? Die Industrie hilft. Die großen digitalen Streamingdienste, die Lagerfeuer des 21. Jahrhunderts, sie sind vielleicht die wahren Profiteure der Stunde. Man könnte meinen, sie wären es auch, die sich diesen ganzen Viren-Mumpitz ausgedacht haben, und nicht Bill Gates und die Impfnazis vom transatlantischen Echsenrat. Könnte man meinen. Man kann alles mögliche meinen und glauben und sich die Köpfe darüber einschlagen. Die Wahrheit aber (*drumroll*) lautet: alle sind Schuld und alle haben Recht. Es kommt bei der Rechthaberei doch immer nur auf die Perspektive an. Wissenschaft, Logik, Fakten, diese vermeintlich scharfen Waffen der Aufklärung, werden am Ende immer zu Knechten der Glaubenskrieger und der Ideologen. Ja, jede einzelne Idee über die Welt ist wahr, ganz egal, wie spinnert sie klingen mag. Glauben’se nicht? Was? Wie?

Zurück zur Unterhaltung. Ich streame. Alle streamen. Es gibt ja nun auch wirklich genug Zeug zum streamen. Vor allem Serien. Serien sind das neue Heroin. Oder zumindest das neue Saufen. So billig. Und so viel. Jede Menge endlose blutige Wikinger-Schlachten, dystopische Endzeitdramen und politische Meta-Satiren. Das einzige, was mich in letzter Zeit allerdings wirklich gut unterhalten hat, war Comedians in Cars getting Coffee, diese zugegeben nicht mehr ganz frische Sendung mit Jerry Seinfeld. Auf dem guten alten Netflix. Nicht alle Folgen sind toll, aber die tollen sind dafür ganz besonders toll. Zum Beispiel die mit J. B. Smoove (u.a. bekannt aus Curb Your Enthusiasm), aus der übrigens auch der oben stehende Witz stammt. Den bekommen Seinfeld und Smoove von einer alten Dame erzählt, als sie gerade ein Café verlassen wollen. Unterwegs sind die beiden in einem feuerroten Studebaker Avanti von 1964, über den sich J. B. Smoove freut wie ein kleiner Schuljunge. Eine elegante Karre ist das. Googeln Sie mal den Studebaker Avanti von 1964. Ach was, habe ich doch längst für Sie getan: bitte sehr! Jerry Seinfeld sucht für jeden seiner Gäste das passende Fahrzeug aus. Im Fall seines alten Kollegen Michael Richards (a.k.a. Cosmo Kramer) ist das zum Beispiel ein furchtbar abgeranzter alter VW-Bus. Auch so eine tolle Folge. Richards erzählt, wie er in New York mal gegen ein obdachloses Schach-Genie verlor. Zweimal hintereinander. Auch sonst scheint er nicht allzu weit von Kramer entfernt zu sein. Die Folgen sind jeweils nur eine gute Viertelstunde lang. Ein beschwingtes Konzentrat von Anekdoten, Punchlines und unverhofften Lebensweisheiten. Dazu ein hübscher Oldtimer und eine gute Tasse Kaffee, was braucht man mehr?

lennybruce

Natürlich lese ich auch. Gerade erst die Autobiographie von Lenny Bruce. Aber ach, was soll ich sagen? Man kann inzwischen selbst Lenny Bruce streamen. In The Marvelous Mrs. Maisel (Amazon Prime) tritt er gleich in der ersten Folge auf. Gut, das habe ich mir dann auch angeschaut. Ein paar Folgen. Gar nicht schlecht. Schönes Zeitkolorit. Mit Blossom Dearie im Soundtrack, wie reizend! Tatsächlich schaue ich das auch jetzt gerade nebenbei, während ich diesen Text tippe. Nur noch eine Folge. Und noch eine. Wie viele Staffeln hat das Ding? Mannomann, die wissen aber auch, wie sie einen bekommen! Mein Bewusstseinsstrom, algorithmisiert. Danke, Jeff Bezos! Na gut, Seinfelds Kaffefahrt und Mrs. Maisel – das war es dann aber auch, oder? Nicht ganz, denn Netflix hat gerade eine Satire auf den Eurovision Song Contest angekündigt, einen Film, keine Serie. Von und mit Will Ferrell. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist der offizielle ESC dieses Jahr ja ausgefallen. Oder wurde der auch auf Zoom übertragen? Ich habe das wirklich verpasst. Auf jeden Fall wird er jetzt nachträglich wohl von einem Amerikaner gerettet, besser gesagt vom Volcano Man! Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss weiter glotzen, streamen, strömen. Alles so schön bunt hier!

Wir beten für euch

Ich stehe in der S-Bahn – wie immer in diesen Tagen ohne Maske, ohne Fahrschein und ohne Sorgen. Und wie immer passiert … nichts. Gar nichts. Ich werde nicht angesprochen, nicht verhaftet, kaum zur Kenntnis genommen. Die vermummten Zombies wagen nicht einmal den Blick-Kontakt. Ich bin Jesus, ich kann über’s Wasser gehen! Treue Jünger dieses Blogs wird das nicht verwundern, umweht mich doch seit jeher die Aura des Unantastbaren. „Fürchtet euch nicht!“ möchte ich den Zombies spontan zurufen, weiß aber gleichzeitig, wie nutzlos das ist. Angst ist immer noch die mächtigste Motivation, das habe ich in der Arbeitswelt gelernt. Jag ihnen nur genug Angst ein und sie machen alles mit. Sie mögen jammern, sich vielleicht beklagen, mit den Zähnen knirschen und auf „die da oben“ schimpfen. Aber sie machen mit. Immer. Vorm Bahnhof Gesundbrunnen steht ein junger Mann mit einem Schild: „Wir beten für euch“. Ich könnte ihn jetzt in Kurzarbeit schicken, schließlich bin ich sein Boss. Oder etwa nicht? Dann sehe ich ein Plakat „Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert“ im Deutschen Historischen Museum. Darauf das bekannte Zitat „Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen“. Ab Montag wieder geöffnet. Sehr witzig. Ich fange an zu kichern. Ich bin Jesus, ich darf das.

Stunning and brave

Die sozialen Medien haben, so eine meiner steilen Thesen, zu etwa gleichen Teilen eine ebenso verdummende wie lehrreiche Wirkung auf ihre Nutzer. So hat die Schauspielerin und Twitter-Aktivistin Rose McGowan gerade etwas gelernt – nämlich, dass der Schlachtruf „Believe all women!“ wohl doch nur eine Abkürzung von „Believe all women that can serve your political agenda!“ war. Und dass teilweise die selben Leute, denen im Fall Brett Kavanaugh vor zwei Jahren eine Frau im Zeugenstand als Schuldbeweis schon vollkommen ausreichte (#stunningandbrave), im Fall Joe Biden Vergewaltigungsvorwürfe ganz plötzlich kritisch hinterfragen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig, als sich schützend vor ihren Kandidaten zu stellen? Er ist das letzte traurige Aufgebot. Etwas anderes ist den Demokraten nicht mehr geblieben. Nach Jahren der woken Diversity-Kampagnen haben sie dann doch keine nonbinäre muslimische Rollstuhlfahrerin of Color nominiert, sondern Joe Biden. Einen alten weißen halbdementen Pussygrabber. Genau die Sorte also, vor der sie uns doch eigentlich so mutig beschützen wollten. So sieht sie aus, die Politik hinter den Hashtags. Jetzt hat es also auch Rose McGowan endlich verstanden.

Musik zur Zeit:

Die Sonne und du

„Vom Ich zum Wir“ – das kenne ich noch als Einpeitsch-Mantra aus dem realsozialistischen Schulunterricht: Du bist nichts, das Kollektiv ist alles. Seitdem versuche ich konsequent das Gegenteil zu leben. Nur um jetzt wieder mit dieser kollektivistischen #irgendwasmitwir-Scheiße zugedröhnt zu werden. Und jetzt alle: #wirbleibenzuhause! Ja, macht mal. Bleibt zuhause. Und wenn ihr schon dabei seid, stellt doch bitte auch eure Webcams ab. Macht wenigstens ein paar Tage lang mal die Backen dicht. Bitte. Jetzt. Sofort. Dichtmachen. Abschalten. Kamera zukleben. Stecker ziehen. Schnauze halten! Nur ein paar Tage Sendepause für diese augen- und ohrenvergiftende Kitsch-Offensive, ist das denn wirklich zu viel verlangt? Ich will das nicht mehr sehen. Nicht mehr hören. Macht das weg. Ich interessiere mich nicht für eure armselige opportunistische Lockdown-Selbstdarstellungs-Sülze, für eure Wohnzimmer, eure quakenden Kinder und eure Katzen. Ich will nicht wissen, wie ihr diese crazy Krise mit Makramee, Putzen, Yoga oder Minigolf im hauseigenen Keller übersteht. Hört bitte auf, in die Kameras zu heulen, mit den Händen Herzchen zu machen und euch bei sonst wem zu bedanken. Ihr macht jeden Mist mit, ihr seid ganz genau so wie die grauenhaften Emo-Werbespots, die PENNY und die Telekom über euch drehen. Oma, Opa, dein Boss, deine Mutter und deine Gören – alle im Videochat vereint, so tapfer und so süß! Hilfe!


Papi, schenk mir einen Computer! Hilfe für die ganze Familie!
Liebling, nimm die Rüstungsspirale! Tanz den Gummitwist!
(Der Plan, „Gummitwist“)


Natürlich sind die Leute trotzdem draußen, spätestens seitdem auch die Sonne draußen ist. Gut, es sind ein paar weniger als üblich und einige tragen jetzt Mundschutz. Selbst in Berlin hat sich wohl etwa ein Viertel der Menschen durch das mediale Dauergeschisse ausreichend Angst einjagen lassen. Außerdem sind die Kneipen zu, das hat schon eine gewisse verkehrsberuhigende Wirkung. Der Rest macht aber einfach weiter wie bisher, flitzt durch die Gegend und lässt sich den Frühling auf den Bauch scheinen. Überhaupt, die Sonne – wenn die mal explodiert, haben wir aber wirklich ein Problem. Jetzt habe ich doch glatt „wir“ gesagt. Hilfe!